Jahrzehntelange Suche nach US-Serienmörder Wie der "Golden State Killer" aufgespürt wurde

Zwölf Morde, 45 Vergewaltigungen: Ermittler haben offenbar eine der größten US-Verbrechensserien aufgeklärt - und den "Golden State Killer" gefasst. Der mutmaßliche Täter arbeitete einst als Polizist.

DPA/ AP/ FBI

Der "Golden State Killer" versetzte die Einwohner des US-Bundesstaats Kalifornien zehn Jahre lang in Angst und Schrecken. Mindestens zwölf Morde, mehr als 45 Vergewaltigungen und etwa 120 Einbrüche soll er von 1976 bis 1986 begangen haben. Über Jahrzehnte konnte er sich dem Zugriff der Ermittler entziehen. Nun wurde der mutmaßliche Täter gefasst.

Auf diesen Moment haben Betroffene und Angehörige seiner Opfer gewartet. Ein 72-Jähriger, der in einem ruhigen Vorort von Sacramento unauffällig lebte, befindet sich in Gewahrsam. Joseph James DeAngelo wurde am Dienstag in Citrus Heights festgenommen. Dies gaben Polizei und Staatsanwaltschaft nun in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento bekannt.

Der Mann sei "sehr überrascht" gewesen, sagte Sheriff Scott Jones. Ein "weggeworfenes" DNA-Beweismittel habe die Ermittler in den vergangenen Tagen auf die heiße Spur gebracht. Mehr Details gaben die Ermittler bislang nicht preis.

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Verbrechensserie in Kalifornien: Auf der Spur des "Golden State Killers"

"Wir haben die Stecknadel im Heuhaufen gefunden", sagte Bezirksstaatsanwältin Anne Marie Schubert. DeAngelo wurde zunächst in zwei Mordfällen in Sacramento aus dem Jahr 1978 angeklagt, weitere Anklagen in anderen Teilen Kaliforniens sollen folgen.

Eine Frau, die 1976 zu den ersten Vergewaltigungsopfern des zunächst "East Area Rapist" und später "Golden State Killer" genannten Serientäters gehörte, reagierte mit Erleichterung auf die Festnahme. "Ich bin von Freude überwältigt. Ich muss heulen und schluchzen", sagte Jane Carson-Sandler der Zeitung "The Island Packet". Der Eindringling hatte die damals 30-Jährige und ihren drei Jahre alten Sohn gefesselt, mit einem Messer bedroht und die Frau vergewaltigt.

Die zehnjährige Verbrechensserie hatte 1976 mit Vergewaltigungen im nordkalifornischen Bezirk Sacramento begonnen. Oft stellte der Täter Frauen nach, die allein zu Hause waren. Nach Vergewaltigungen kamen brutale Morde hinzu, die meisten wurden in Südkalifornien verübt.

Sadistisches Vorgehen

Der maskierte Täter war für sein sadistisches Vorgehen berüchtigt: Er weckte seine Opfer nachts mit Taschenlampen auf, er kam mit Messern, Pistolen, Seilen und Schnürsenkeln. Er überraschte seine schlafenden Opfer in deren Häusern. Er fesselte die Ehemänner, vergewaltigte die Frauen und brachte sie danach um. Häufig verweilte er länger an den Tatorten, bediente sich am Kühlschrank und ließ Gegenstände aus den Häusern mitgehen, hieß es in Polizeiberichten.

Das jüngste Opfer war 13 Jahre alt, ein junges Paar hatte erst Monate zuvor geheiratet. Das letzte Opfer, das dem Serienmörder zugeschrieben wurde, war eine 18-Jährige, die 1986 im kalifornischen Irvine vergewaltigt und erschlagen aufgefunden wurde.

Trotz einer bundesweiten Jagd auf den Killer konnte der Mann immer wieder unerkannt entkommen. Die Fahnder vermuteten schon früh, dass er sich mit polizeilichen Ermittlungen auskannte.

Tatsächlich stellte sich jetzt heraus, dass der Festgenommene in den Siebzigern bei zwei Behörden als Polizist gearbeitet hatte. Wegen eines Ladendiebstahls sei er 1979 aus dem Dienst entlassen worden, berichteten US-Medien.

"Er ist nun im Gefängnis und er ist erledigt"

Nachbarn des Mannes, der angeblich mit einer erwachsenen Tochter und einem Enkel in dem ruhigen Vorort von Sacramento wohnte, reagierten nach der Festnahme schockiert. Er sei ein guter Nachbar gewesen, der gerne Fahrrad fuhr, sagte eine Frau der "Sacramento Bee". Andere berichteten der Zeitungen, dass er schnell wütend geworden sei und häufig laut geflucht habe. Sie hätten ihn "Freak" genannt, gab eine Nachbarin an.

Jetzt sei es an der Zeit, mit dem Schmerz der vergangenen 40 Jahre abzuschließen, sagte der Kalifornier Bruce Harrington auf der Pressekonferenz der Ermittler. Sein damals 24-jähriger Bruder und dessen Ehefrau waren 1980 brutal ermordet worden. Alles deutete auf die Handschrift des "Golden State Killers" hin, spätere DNA-Tests erbrachten den Beweis.

Harrington hatte sich seitdem für DNA-Untersuchungen bei der Fahndung nach Kriminellen stark gemacht. Nun wandte er sich an die überlebenden Vergewaltigungsopfer des Täters. Heute Nacht könnten sie alle besser schlafen. "Er wird nicht durch das Fenster steigen. Er ist nun im Gefängnis und er ist erledigt."

wit/dpa



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