Gold-Diebstahl in Berlin Abgeseilt und abgedampft

Die Beute ist groß wie ein Autoreifen und mehrere Millionen Euro wert: Mitten in Berlin ist eine enorme Goldmünze gestohlen worden. Die Täter brachten laut Polizei Kraft und Fitness mit.

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Sicher in diesem spektakulären Kriminalfall ist nur eines: Die Täter hatten einen guten Plan und dürfen auf fetten Profit hoffen. Denn das Diebesgut, das sie am frühen Montagmorgen aus dem Berliner Bode-Museum mitgehen ließen, ist ein ziemlich edles Exemplar: eine riesige Goldmünze mit dem Konterfei der britischen Königin Elizabeth.

Die "Big Maple Leaf", so heißt das hundert Kilo schwere Stück, könnte sich trotz ihrer Sperrigkeit als die perfekte Beute entpuppen. Sollten die Diebe sie einschmelzen, wäre die Herkunft des Goldes selbst mithilfe einer professionellen Analyse später wohl nicht mehr zu identifizieren: Anders als etwa bei Funden in Minen ist das Material in diesem Fall schlichtweg zu rein.

Was ist in dem Fall bisher bekannt? Der Überblick:

Was hat es mit der Goldmünze auf sich?

Die 2007 hergestellte "Big Maple Leaf" gilt als zweitgrößte Goldmünze der Welt. Der reine Materialwert ist mit seinen 3,8 Millionen Euro deutlich höher als der Nennwert von einer Million kanadischer Dollar, umgerechnet 700.000 Euro. Das Goldstück, das so schwer wie vier Zementsäcke und so groß wie ein Autoreifen ist, besteht wohl zu 99,9 Prozent aus reinem Gold. Die Sonderanfertigung, von der es weltweit nur fünf Exemplare gibt, war die Leihgabe eines unbekannten Eigentümers an das Bode-Museum.

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Spektakulärer Golddiebstahl: Weiche Beute - reiche Leute?

2010 wurde sie in der Sonderausstellung "Goldgiganten" erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Der Werbeslogan lautete damals: "So viel spektakuläres großes Gold wurde noch nie an einem Ort gezeigt!" Die Münzkabinette der Staatlichen Museen zu Berlin und des Kunsthistorischen Museums Wien nahmen den explodierenden Goldpreis und Run auf das Edelmetall zum Anlass für die gemeinsame Ausstellung. Zu sehen waren außergewöhnlich große und schwere Goldprägungen von der Antike bis zur Gegenwart, seitdem ist der "Big Maple Leaf" Teil der Dauerausstellung.

Wie gingen die Diebe vor?

Die Polizei fand rund um den Tatort auf der berühmten Museumsinsel drei Gegenstände: eine Leiter, eine Schubkarre und ein Seil. Die Ermittler gehen von mindestens zwei Tätern aus, die in der Nacht zu Montag über ein Fenster in Museum einstiegen. Mit der Leiter überwanden sie demnach zwischen 3.20 Uhr und 3.45 Uhr die Strecke zwischen der angrenzenden S-Bahn-Trasse und dem Fenster - genau zu der Zeit, in der für die Bahnen eine halbstündige Nachtruhe gilt. Schon wenig später, um 4 Uhr, wählte ein Mitarbeiter des Museums den Notruf. "Vermutlich haben die Täter auch Glück gehabt, nicht entdeckt worden zu sein", sagt Polizeisprecher Winfried Wenzel.

Anschließend schoben die Diebe das Goldstück in einer Schubkarre 80 Meter auf einem schmalen Weg neben den Gleisen über eine Spreebrücke in Richtung Hackescher Markt. Auf halber Strecke, nahe dem Monbijoupark, seilten sie sich von der höherliegenden Bahntrasse etwa zehn Meter ab. "Möglicherweise wurde das Goldstück auch einfach runtergeworfen", sagt Wenzel: "Die Täter sind sehr zielgerichtet vorgegangen." Die Ermittler gehen allein aufgrund der schweren Beute von Tätern aus, die "Fitness, Körperlichkeit und Kraft" mitbringen.

Was machen die Diebe mit der Beute?

"Wir gehen davon aus, dass die Täter versuchen werden, das Gold einzuschmelzen, um es in kleineren Einheiten weiterzuverkaufen", sagt Polizeisprecher Wenzel. Große Hoffnungen, die Täter oder gar ihre Beute noch rechtzeitig zu finden, machen sich die Ermittler offenbar nicht: "Die Münze war schon sehr berühmt, jetzt ist sie vermutlich weltberühmt", sagt Wenzel - "da ist es unwahrscheinlich, dass ein Käufer auf dem Schwarzmarkt einen hohen Preis zahlt."

Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass die Goldmünze längst nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form existiert: "Gold ist ein weiches Material", sagt der Münchner Goldschmied und Schmuckgutachter Heinrich Butschal. Diebe könnten die Münze "mit einer Laubsäge aus dem Baumarkt auf dem Küchentisch zerschneiden" und die handlichen Stücke anschließend einschmelzen.

"Das ist technisch überhaupt nicht schwer", sagt Butschal. Es dauere zwar mehrere Tage, denn schon das Einschmelzen eines drei Kubikzentimeter großen Stücks Feingold dauere etwa zwei Stunden. Aber sobald das Feingold in kleinste Teile verwandelt sei, könne man es problemlos zu Geld machen: Goldankäufer gibt es im Internet etwa so häufig wie im Bahnhofsviertel einer Großstadt.

Was geschieht nun im Museum?

Da die Ermittlungen am Tatort abgeschlossen sind, ist das Münzkabinett im 2. Stock des Bode-Museums wieder öffentlich zugänglich - auch Raum 243 mit Münzen aus dem Spätmittelalter und der Neuzeit, in dem bis vor Kurzem "Big Maple Leaf" in einer grauen Vitrine funkelte. "Man kann den Tatort besichtigen," sagt Museumssprecher Markus Farr." Wir rechnen mit einem erhöhten Besucherinteresse - auch wenn momentan die Schlange der Medienvertreter noch größer ist als die der Besucher."

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insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
bold_ 28.03.2017
1. Marketing-Gag?
Wie steht denn das Museum wirtschaftlich da? Versichert ist das gute Stück sicherlich, daher werden Schadenersatzforderungen für die Leihgabe wohl von der Versicherung beglichen. Jetzt aber kommt der Besucherstrom und spült Geld in die Kassen. Einen Auftrags-Diebstahl zu vermuten, wäre jetzt noch zu früh...
Ossifriese 28.03.2017
2. Beute
Man kann irgendwie nicht umhin, die Cleverness der Diebe zu bewundern - und die Dummheit der Musemsverantwortlichen zu bedauern. Denn wenn es so einfach war, hinein und mit dem Teil wieder hinaus zu gelangen, hat die Sicherheit zumindest versagt. Naja, die Münze wird wohl versichert sein und damit hält sich der Schaden in Grenzen. Kommen eben alle sonst noch Versicherten für die Auszahlung der Summe auf. Wie gesagt clever - und wohl viel weniger unsozial als die Ausbeutung durch Kapital und Manager...
bauklotzstauner 28.03.2017
3.
Was für eine Materialvergeudung! Eine 100-Kilo-Goldmünze! Wer kommt nur auf solch hirnrissige Ideen?
Ossifriese 28.03.2017
4. Weg
Zitat von bold_Wie steht denn das Museum wirtschaftlich da? Versichert ist das gute Stück sicherlich, daher werden Schadenersatzforderungen für die Leihgabe wohl von der Versicherung beglichen. Jetzt aber kommt der Besucherstrom und spült Geld in die Kassen. Einen Auftrags-Diebstahl zu vermuten, wäre jetzt noch zu früh...
Irgendwie paradox. In ein Museum zu gehen, um etwas zu sehen, das weg ist. So sind die Menschen.
remcap 28.03.2017
5. Es ist üblich..
das wertvolle Austellungsstücke ordentlich versichert werden. In diesem Fall nur ein großes Stück Gold. Auch diese Diebe haben die Zeichen der Zeit richtig erkannt und konzentrieren sich wieder auf wahre Werte anstatt des FIAT-Geld.
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