Griechenland: Unter Terrorverdacht stehende Deutsche wieder auf freiem Fuß

Sie stand im Verdacht, Mitglied einer terroristischen Vereinigung und zudem die Tochter einer RAF-Terroristin zu sein - nun hat die griechische Justiz eine 27-jährige Deutsche freigelassen und einen Irrtum eingeräumt. Die Bundesanwaltschaft spricht von einer "zufälligen Namensgleichheit".

Athen - Die griechische Justiz hat eine 27-jährige Deutsche freigelassen, die vergangenen Freitag wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung festgenommen worden war. Die Anklage bleibe aber bestehen, berichtete der griechische Rundfunk (NET) am Montag. Vier Griechen wurden in Untersuchungshaft genommen. Die 27-Jährige bestreite jede Verwicklung. Sie habe erklärt, mit einem der vier Griechen nur befreundet zu sein, berichtete das Radio weiter.

Für Irritationen hatten Angaben aus griechischen Polizeikreisen gesorgt, wonach es sich um die Tochter der mutmaßlichen früheren RAF-Terroristin Barbara Meyer handele. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wies die Darstellung am Samstag zurück. Der griechische Minister für Bürgerschutz, Christos Papoutsis, forderte am Montag die Sicherheitsbehörden auf, vorsichtiger mit ihren Informationen umzugehen. "Auf jeden Fall müssen die Rechte der Bürger und ihre Würde respektiert werden", erklärte der Minister. Die griechische Presse sprach von einer "Blamage ohnegleichen" für die Polizei.

Die Familie der Frau hatte die Terrorvorwürfe entschieden zurückgewiesen. Seine Tochter habe zwar Kontakte in die anarchistische Szene, führe aber ein "normales Leben" und sei nicht gewaltbereit, sagte der Vater der 27-Jährigen, Wolfgang Meyer. Seine frühere Frau heiße zwar Barbara Meyer, habe aber nichts mit der mutmaßlichen RAF-Terroristin zu tun. Die Mutter kündigte an, sie werde die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Nach der Festnahme der vier mutmaßlichen Terroristen am Donnerstag entdeckten die Ermittler neben Waffen auch einen Laptop, auf dem sich ein vorab formuliertes Bekennerschreiben befand. Daraus hatte die Polizei geschlossen, dass das Quartett einen oder mehrere spektakuläre Anschläge plante - vor einem Prozess gegen 13 mutmaßliche Linksterroristen, der am Montag in einem Hochsicherheitsgefängnis in der Nähe von Athen begann.

Die 13 Angeklagten werden der Untergrundorganisation "Verschwörung der Feuerzellen" zugerechnet, die in den vergangenen zwei Jahren mehrere Bombenanschläge verübt hatte. Mitglieder stehen auch in dem Verdacht, eine Reihe von Briefbomben an europäische Politiker geschickt zu haben. Eine dieser Bomben war im Kanzleramt in Berlin gelandet. Weitere Prozesse gegen andere Mitglieder der Organisation sollen in den kommenden Monaten beginnen.

Die Gruppen "Volksaktion", "Revolutionärer Kampf", "Sekte der Revolutionäre" und "Verschwörung der Feuerzellen" hatten sich in früheren Bekennerschreiben als "Stadtguerilla" bezeichnet. Sie wollen nach eigenen Angaben den Sturz des Systems durch Terror und Chaos erzwingen. Einige von ihnen sollen Kontakte zu anarchistischen Gruppierungen in Italien und anderen Mittelmeerstaaten haben.

han/dpa

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