Missbrauchsprozess 34-Jährige führte Pädophilen-Ring in England

Es sei ein Verbrechen "jenseits der Vorstellungskraft", sagte ein Ermittler: Mehrere Erwachsene sollen in England über eine Dekade fünf Kinder missbraucht haben. Jetzt sprachen die Richter ihr Urteil.


Ein Gericht in der englischen Stadt Norwich hat eine 34-jährige Britin schuldig gesprochen, weil sie Kopf eines Pädophilen-Rings gewesen sei. Die Frau habe eine zentrale Rolle gespielt, urteilten die Richter nach Angaben des britischen "Guardian". Es geht um Vergewaltigung und die Anstiftung von Kindern zu sexuellen Handlungen. Auch drei Mitangeklagte wurden schuldig gesprochen.

Insgesamt waren zehn Männer und Frauen angeklagt, über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren fünf Kinder missbraucht zu haben. In sechs Fällen gab es einen Freispruch. Alle Beschuldigten bestritten die Vorwürfe und behaupteten, es habe keinen Missbrauch gegeben. Die 34-Jährige sagte: "Ich bin angeschwärzt worden."

Opfer erzählen von ihren Qualen

Die Opfer hatten vor Gericht über ihr Martyrium berichtet. Demnach veranstalteten die Erwachsenen Partys. Sie spielten offenbar mit Karten aus, wer welches Kind missbrauchen durfte. Die Opfer sagten, sie seien mit Spielsachen traktiert worden und hätten miteinander verkehren müssen. Der Missbrauch sei irgendwann zur Routine geworden. Die Beschuldigten sollen ihre Taten zum Teil gefilmt haben.

Die Staatsanwältin sagte: "Viele der Beschuldigten sind gut darin, völlig normal und seriös zu erscheinen." Nach Angaben der "BBC" erfuhr die Polizei erstmals 2010 von Missbrauchsvorwürfen. Erst 2013 aber hätten Beweise für erste Verhaftungen ausgereicht.

Polizeiermittler Peter Hornby sagte, die Kinder seien alle jünger als 13 Jahre gewesen. Der Missbrauch liege "jenseits der Vorstellungskraft" der meisten Menschen. "Es ist der grauenhafteste Fall, den ich in 23 Jahren als Polizist erlebt habe." Er hoffe, dass der Prozessausgang andere Opfer dazu ermutige, die Stimme gegen ihre Peiniger zu erheben.

Drei der vier Verurteilten bleiben bis zum September in Haft. Dann soll das Strafmaß verkündet werden.

sms

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
Top Level 28.07.2015
1. was soll man da noch dazu sagen.....
der Mensch ist des Menschen Wolf.....
a-mole 28.07.2015
2.
und 6 Freisprüche... wie ermutigend für die opfer
franxinatra 28.07.2015
3. Wenn auch keine Strafe Genugtuung bewirken kann...
... so ist es doch erleichternd erleben zu dürfen, dass endlich verfolgt und geahndet werden kann, was vor noch wenigen Jahrzehnten als nicht existent galt, als bösartige Phantasie von Kindern, als Kavaliersdelikt oder Übertreibung. Und diese Fälle müssen 'ausposaunt' werden, denn wenn unsere sich für so aufgeklärt haltende Kultur schon solche Wirklichkeit begreifen lernen muss, wie dann erst die restriktiveren...?
gehdoch 28.07.2015
4. Wieso?
Wieso die 6 Freisprüche? Kann das bitte mal jemand erläutern. Selbst das Besitzen eines Fotos dieser Machart ist bereits strafbar, wie kann da jemand einen Freispruch erhalten, der direkt involviert war in so etwas? In der Tat ist das niederschmetternd für die Opfer
sushiboi 28.07.2015
5. Britisches Phänomen
Da hat man im Vereinigten Königreich eine Gruppe festgenommen, bei Mitgliedern wohlhabenderer Gesellschaftsschichten tauchen maximal Einzelfälle auf, die Strukturen dahinter bleiben in diesen Fällen jedoch i.a. im Dunkeln. Gerüchte darüber gab es nur mal in Belgien. Man sollte wohl besser davon ausgehen, dass dies ein in wohl fast allen Ländern existentes Phänomen ist, bei dem Mitglieder aller Gesellschaftsschichten "beteiligt" sind.
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