Skandal in britischem Krankenhaus Hunderte Menschen offenbar durch unnötige Opioide gestorben

Über Jahre beschwerten sich Angehörige erfolglos, weil es Patienten in einem britischen Krankenhaus rapide schlechter ging, viele starben. Nun zeigt ein Report: Sie wurden offenbar Opfer eines "institutionalisierten Regimes".

Gosport War Memorial Krankenhaus
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Gosport War Memorial Krankenhaus


Bis zu 650 Patienten sind einem Report zufolge in einem britischen Krankenhaus wegen unnötig verabreichter Opioide gestorben - in einem Zeitraum von etwa zehn Jahren. Eine unabhängige Kommission prüfte die Verschreibungen des Gosport War Memorial Hospitals in der südenglischen Grafschaft Hampshire.

Die Medikamente wurden demzufolge etwa von 1989 bis 2000 ohne medizinische Rechtfertigung und in zu hohen Dosen verabreicht. Die Klinik äußerte sich zunächst nicht dazu.

Premierministerin Theresa May bat bei den Familien der meist betagten Opfer um Entschuldigung dafür, dass sie so lange auf Antworten seitens des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS warten mussten. Gesundheitsminister Jeremy Hunt bezeichnete den Report im Parlament als schockierend. Polizei und Staatsanwaltschaft würden nun das Material sichten.

Bei 456 Patienten konnte dem Bericht zufolge ein Zusammenhang zwischen Opioiden und ihrem Tod nachgewiesen werden. Bei etwa 200 weiteren Fällen halten die Experten dies für wahrscheinlich - jedoch lagen bei diesen Patienten nicht alle Unterlagen vor.

Lebensgefährliche Folgen bei Überdosierung

Opioide werden vor allem zur Schmerzbekämpfung und Betäubung eingesetzt. Sie können aber abhängig machen und bei Überdosierungen lebensgefährliche Folgen wie Atemlähmung haben.

Das Krankenhaus steht seit Langem in der Kritik. Viele Angehörige hatten Verdacht geschöpft und sich beschwert, wurden dem Report zufolge aber "konsequent im Stich gelassen". Der Bericht warf mehreren Stellen Versagen vor, darunter das Krankenhausmanagement, die Polizei von Hampshire und die Staatsanwaltschaft.

Der Bericht sprach von einem "institutionalisierten Regime", dem Patienten und deren Angehörige machtlos ausgeliefert waren. Im Mittelpunkt des Skandals steht laut Report eine Ärztin der Klinik, die in den Neunzigerjahren die Verschreibungen überwachte. Ihr war in zwölf Fällen Fehlverhalten nachgewiesen worden. Sie wurde aber nicht angeklagt und ging den Angaben zufolge nach den Vorwürfen in Rente.

Angehörige der Opfer wurden vorab über die Ergebnisse des Reports informiert. Sie berichteten Medien, wie sich der Gesundheitszustand ihrer Angehörigen in dem Krankenhaus plötzlich dramatisch verschlechterte - bis zum Tod.

Die Untersuchungskommission wurde vom früheren Bischof von Liverpool, James Jones, geleitet. Sie prüfte viele Sterbeurkunden, medizinische Berichte und sprach mit mehr als hundert Familien. An dem 370 Seiten starken Report arbeitete die Kommission vier Jahre lang.

bbr/dpa



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