"Gefährliche Waffe" Großbritannien will Säureangriffe härter bestrafen

In London häufen sich die Fälle, in denen Täter ihre Opfer mit Säure angreifen - und entstellen. Innenministerin Amber Rudd kündigt nun eine harte Reaktion des Staats an.

Schauplatz eines Säureangriffs in London
REUTERS/ Sarah Cobbold

Schauplatz eines Säureangriffs in London


Nach einer Reihe von Säureangriffen in Großbritannien hat die Regierung härtere Strafen für Täter angekündigt. "Es handelt sich um ein Delikt, das verändert, wie Menschen aussehen und sich fühlen - manchmal für den Rest ihres Lebens", schrieb Innenministerin Amber Rudd in einem Beitrag für die "Sunday Times".

Mit lebenslanger Haft als Höchststrafe sei die Gesetzeslage in diesem Bereich bereits sehr stark. "Aber wir können und werden unsere Reaktion verbessern", so Rudd. Die Regierung werde sicherstellen, dass Täter die volle Wucht des Gesetzes zu spüren bekämen.

Mehr Kontrolle, höhere Strafen

Der Plan der Innenministerin sieht unter anderem die Klassifizierung von Säure als "gefährliche Waffe" vor, um es der Staatsanwaltschaft zu ermöglichen, höhere Strafen zu fordern. Zudem soll der Verkauf aggressiver Substanzen besser kontrolliert werden.

Säureattacken haben in London stark zugenommen. Ende der Woche nahm Scotland Yard zwei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren fest. Sie sollen fünf Kuriere mit Säure besprüht haben, um deren Mopeds zu stehlen. Außerdem kam ein Mann in Haft, der an einer Ampel ein Paar in einem Auto mit Säure angegriffen haben soll.

Bei einem Vorfall im April hatte ein Mann 20 Menschen in einer Londoner Diskothek mit einer aggressiven Substanz verletzt. Seit 2010 gab es der Polizei zufolge mehr als 1800 Meldungen über Angriffe mit ätzenden Flüssigkeiten. Allein 2016 wurden 454 Fälle gemeldet.

Die britische Premierministerin Theresa May nannte die jüngsten Attacken laut einem Sprecher "entsetzlich". Die jugendlichen Täter sollen sich zu zweit auf einem Moped ihren Opfern genähert haben, bevor sie ihnen Säure ins Gesicht sprühten.

Einer der angegriffenen Männer arbeitete für einen Essenslieferdienst. Ein Opfer trug "lebensverändernde Verletzungen im Gesicht davon", wie die Polizei mitteilte.

sms/dpa



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