Terrorprozess NPD-Mann soll "Gruppe Freital" als "Hardcore-Rechte" bezeichnet haben

Im Dresdner Terrorverfahren belastet die Aussage eines Polizisten die Angeklagten: Ein Funktionär der rechtsextremen NPD habe sich von der "Gruppe Freital" distanziert, weil sie ihm zu radikal gewesen sei.

Die Angeklagte Maria K. (rechts)
DPA

Die Angeklagte Maria K. (rechts)


Die Aussage eines Polizisten hat im Prozess gegen die "Gruppe Freital" den Verdacht genährt, bei den Angeklagten handele es sich um radikale Rechtsextremisten. In einer Vernehmung habe ein Freitaler NPD-Funktionär die mutmaßlichen Rädelsführer Timo S. und Patrick F. als "Hardcore-Rechte" bezeichnet, sagte der Beamte laut Medienberichten vor dem Oberlandesgericht Dresden.

Demnach traue er beiden jene Anschläge zu, die der Gruppe vorgeworfen werden. Die Angeklagten hätten sich zunehmend radikalisiert. Der 49-jährige NPD-Mann, gegen den die Bundesanwaltschaft ebenfalls wegen Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung ermittelt, habe auch eingeräumt, Mitglied im verschlüsselten "Schwarzen Chat" der mutmaßlichen Terrorzelle gewesen zu sein. Er sei nach eigenen Angaben ausgetreten, als alles zu radikal geworden sei (mehr über die "Gruppe Freital" lesen sie hier).

Auch habe er zugegeben, so der Polizist, bei Aufnahmen von Fotos dabei gewesen zu sein, die später im Internet veröffentlicht wurden. Die Bilder sollen vermummte Mitglieder der Gruppe mit Hakenkreuzfahne und teils mit Hitlergruß zeigen. Abgesehen von Timo S. und Patrick F. seien nach Angaben des NPD-Mitglieds auf den Bildern die Angeklagten Mike S. und Philipp W. und "weitere aus Dresden" zu sehen.

Der NPD-Politiker war in der vergangenen Woche auch selbst als Zeuge in dem Prozess aufgetreten, hatte unter Verweis auf das Zeugnisverweigerungsrecht aber keine Aussage gemacht.

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Prozess in Dresden: Gewalt und Hass in Freital

Der Generalbundesanwalt hält den acht Angeklagten im Alter zwischen 19 und 39 Jahren die Bildung einer terroristischen Vereinigung vor. Außerdem sollen sie sich unter anderem wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und der Herbeiführung von Sprengstoffexplosionen verantworten. Sie werden für insgesamt fünf Anschläge der "Gruppe Freital" im Jahr 2015 verantwortlich gemacht.

In dem Prozess hat bislang nur der jüngste Angeklagte ein Geständnis abgelegt und detailliert ausgesagt. An den vergangenen Verhandlungstagen räumte der 19-jährige Justin S. unter anderem seine Beteiligung an Anschlägen auf eine Flüchtlingsunterkunft in Freital und ein alternatives Wohnprojekt in Dresden ein. Er stritt allerdings ab, dass Menschen ernsthaft verletzt werden sollten: "Wir wollten die halt erschrecken."

Zudem habe es die "Schnapsidee" eines Überfalls auf Polizisten gegeben. Dazu sollte ein Einsatzwagen angehalten und dem Beamten die Waffe abgenommen werden, um anschließend das Revier zu stürmen. S. bestätigte zudem, dass abtrünnige Mitglieder der Szene mit Repressalien rechnen mussten. Ein Zeuge, der den Mitangeklagten Timo S. belastet hatte, sollte demnach verschwinden. Er habe dies als Drohung verstanden, sagte der 19-Jährige, dass der Mann umgebracht werden solle.

Auch bei dem letztlich abgebrochenen Versuch der Gruppe, das Auto eines Stadtrats der Linken zu sprengen, habe er mitgemacht. Als das Fahrzeug dann wenig später tatsächlich durch illegale Pyrotechnik zerstört wurde, sei er aber nicht dabei gewesen.

Der Prozess wird am 4. April fortgesetzt.

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