Angeblicher Übergriff Mollath soll Bekannte verängstigt haben

Im Prozess gegen Gustl Mollath geht es auch um die Frage, ob von ihm eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht. Die Nebenklage hat nun einen Vorfall eingebracht, bei dem der Angeklagte sich Ende 2013 gegenüber einer Frau aggressiv verhalten haben soll. Mollath bestreitet das.

Gustl Mollath: "Massive Auseinandersetzung"
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Gustl Mollath: "Massive Auseinandersetzung"

Von , Regensburg


Gustl Mollath soll sich nach seiner Entlassung aus der forensischen Psychiatrie ausnehmend aggressiv gegenüber einer Begleiterin gezeigt haben. Dies wurde durch einen Antrag bekannt, den Nebenklagevertreter Jochen Horn im Wiederaufnahmeprozess vor dem Regensburger Landgericht stellte. Die Staatsanwaltschaft Hannover führe in dieser Sache möglicherweise ein Ermittlungsverfahren gegen Mollath, so Horn.

Horns Antrag zufolge soll Mollath am Silvesterabend 2013 mit einer Frau in deren Auto unterwegs zu einem Brecht-Liederabend von Nina Hagen im "Berliner Ensemble" gewesen sein. An einer Tankstelle in Bad Pyrmont habe er einen Streit begonnen, der zu einer "massiven Auseinandersetzung" eskalierte - so heftig, dass ein Passant sich genötigt sah einzugreifen.

Nach Beendigung der Auseinandersetzung soll Mollath "fluchtartig" verschwunden sein. Seine Begleiterin sei durch diesen Vorfall "vollkommen verängstigt und schockiert" gewesen. Die Polizei in Bad Pyrmont habe wegen dieses Vorfalls Ermittlungen geführt. Neben weiteren Zeugen sei auch der Tankstellenpächter polizeilich befragt worden.

Gustl Mollath bestritt im Anschluss an die Verhandlung im Landgericht gegenüber Pressevertretern, dass es zu einem aggressiven Übergriff gekommen sei. Es seien lediglich "scharfe Worte" gefallen.

"Schweißgebadet, die Fäuste geballt, die Knöchel weiß"

Der Anwalt von Mollaths Ex-Frau Petra M. beantragte nun, zu erfragen, ob die Staatsanwaltschaft Hannover ein Ermittlungsverfahren führe und gegebenfalls die entsprechende Akte beizuziehen. Der mutmaßliche Vorfall in der Silvesternacht könne ein Verhaltensmuster des Angeklagten belegen, welches die weitere Beweiserhebung in der Hauptverhandlung bestätigen werde.

Mollath muss sich vor dem Landgericht unter anderem wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung verantworten. Er soll seine damalige Frau Petra M. 2001 geschlagen, getreten, gebissen und gewürgt und sie im Jahr darauf auf dem Bett festgehalten und mehr als eine Stunde eingesperrt haben.

Bereits die Schwägerin von Petra M. hatte als Zeugin vor Gericht von einer abrupten Verhaltensänderung berichtet, die sie bei Mollath am 31. Mai 2002 erlebt habe - dem Tag, an dem er seine damalige Frau laut Anklage im Haus festgehalten und misshandelt haben soll. Als sie gegen die Tür schlug, um Mollath dazu zu bewegen, seine Frau gehen zu lassen, habe der sich vor ihr aufgebaut, "schweißgebadet, die Fäuste geballt, die Knöchel weiß". Nur wenige Stunden später habe sie den Angeklagten nochmals gesehen. Er sei "wie eine andere Person" gewesen. Petra M. habe problemlos ihre Sachen aus dem Haus holen können.

Motorpanne soll Auslöser gewesen sein

Auch Mollaths ehemaliger Pflichtverteidiger hatte vor Gericht ausgesagt, Mollath habe sich ihm gegenüber ohne erkennbaren Grund wechselweise bedrohlich und dann wieder zuvorkommend verhalten.

Sofern sich der Vorfall an der Tankstelle bestätige, so Horn, werde er belegen, dass der Angeklagte nach wie vor nicht in der Lage sei, "Konflikte angemessen verbal auszutragen, sondern seinen Affekten ohne inneren Widerstand rücksichtslos und hemmungslos nachgibt".

Die Staatsanwaltschaft unterstützt den Antrag der Nebenklage. Die Frau habe sich im Januar 2014 bei einer Mitarbeiterin der Behörde in Regensburg gemeldet, sagte Oberstaatsanwalt Meindl. Nachdem er informiert worden sei, habe er darum gebeten, der Frau zu sagen, dass nicht die Ermittlungsbehörde in Regensburg zuständig sei, sondern die in Hannover. Ein weiterer Kontakt mit der Informantin sei aber nicht zustande gekommen.

Mollaths Verteidiger Gerhard Strate hat keine Einwände gegen die Beiziehung der Akten. Strate zu SPIEGEL ONLINE: "Es handelt sich um substanzlos vorgetragene Beschuldigungen."

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