Untersuchung im Jahr 2007 Gutachter hielt Mollath nicht für psychotisch

Gustl Mollath habe sich querulantisch verhalten, aber nichts habe auf eine Psychose oder Schizophrenie hingedeutet. Zu diesem Ergebnis kam Gutachter Hans Simmerl bereits 2007, wie er nun vor dem Landgericht Regensburg aussagte.

Gustl Mollath (Archiv): Im September 2007 in der Forensik in Straubing untersucht
DPA

Gustl Mollath (Archiv): Im September 2007 in der Forensik in Straubing untersucht


Regensburg - Ein Psychiater hat Gustl Mollath bereits 2007 für nicht psychotisch gehalten: Es habe nichts auf eine formale Denkstörung, eine Psychose oder Schizophrenie hingedeutet. Das sagte der Leiter der Psychiatrie des Bezirkskrankenhauses Mainkofen, Hans Simmerl, im Wiederaufnahmeverfahren gegen Mollath vor dem Landgericht Regensburg aus.

Er habe jedoch nicht schreiben können, dass er einen vollkommen gesunden Menschen vor sich gehabt habe. Manches an Mollaths Erzählungen habe er durchaus als "sehr unwahrscheinlich" eingeordnet und sich gefragt, ob ein "wahnhaftes Geschehen" vorliegen könnte, so Simmerl.

Der Psychiater hatte Mollath im September 2007 in der Forensik in Straubing untersucht und mehrere Stunden mit ihm gesprochen. Der Experte stufte das Verhalten des Nürnbergers in seinem Gutachten als querulantisch und fanatisch ein; am ehesten sei eine Persönlichkeitsstörung denkbar. Er habe aber in seiner Diagnose bewusst "einen Unschärfefaktor" gelassen, sagte Simmerl.

In seinem Gutachten sei es nicht um die Frage der Schuldfähigkeit gegangen, sondern um eine Einschätzung der Geschäftsfähigkeit Mollaths. Deswegen habe er auch keinen Einblick in die Strafakten genommen. Auch Mollaths zahlreiche Schreiben an Banken und Behörden hätten ihm nicht vorgelegen. "Ich habe ihn nicht für betreuungsbedürftig gehalten", betonte Simmerl.

Mollath, 57, muss sich vor dem Landgericht Regensburg wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung verantworten. Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte ihn 2006 von den Vorwürfen wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen und ihn stattdessen in die Psychiatrie eingewiesen. Mollath selbst sieht sich als Opfer eines Komplotts seiner Ex-Frau und der Justiz, weil er Schwarzgeldgeschäfte bei der HypoVereinsbank habe aufdecken wollen.

wit/bel/dpa

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