Schadensersatzklage Justizopfer Mollath fordert 2,1 Millionen Euro von Bayern

Mehr als sieben Jahre lang saß Gustl Mollath in der geschlossenen Psychiatrie - zu Unrecht, wie sich später herausstellte. Nun zieht er gegen den Freistaat Bayern vor Gericht.

Gustl Mollath  (im Januar 2017)
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Gustl Mollath (im Januar 2017)


Gustl Mollath fordert mehr als zwei Millionen Euro Schadensersatz vom Freistaat Bayern wegen einer rund siebenjährigen Zwangsunterbringung in der Psychiatrie. Eine entsprechende Klage solle Anfang kommender Woche beim Münchner Landgericht eingereicht werden, erklärte Mollaths Anwalt Hildebrecht Braun.

"Nachdem wir uns mit der bayerischen Staatsregierung nicht einig werden konnten, mussten wir nun aktiv werden", sagte Braun. "Ich habe mir das nie gewünscht", fügte Mollath hinzu. Er habe auch nie eine Person des öffentlichen Lebens werden wollen. Am Dienstag hatte er die Klage angekündigt - nachdem ein neuerliches Ersuchen an Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nicht zu einem verbesserten Angebot der Staatsregierung geführt habe.

Der Freistaat hatte Mollath eine Entschädigungszahlung in Höhe von 170.000 Euro angeboten. Das lehnte Mollath ab, weil damit seiner Ansicht nach weder der materielle noch der immaterielle Schaden abgedeckt sei. Als Beispiel führt Mollath neben seinem Nettoverdienstausfall von 90 Monaten auch den Verlust seines Hauses in Nürnberg an. Das Justizministerium teilte mit, mit seinem Angebot an "die Grenzen des rechtlich Möglichen" gegangen zu sein.

Mollath fordert nun rund 2,1 Millionen Euro - der Betrag beinhaltet unter anderem einen Verdienstausfall von rund 350.000 Euro und 800.000 Euro Schmerzensgeld. "Er hat nichts mehr", betonte sein Anwalt, der nach eigenen Angaben immer noch auf eine außergerichtliche Einigung hofft.

Mollath zählt zu den bekanntesten Justizopfern der deutschen Geschichte. Er war 2006 nach Körperverletzungsvorwürfen seiner Frau vom Landgericht Nürnberg-Fürth zwar wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen worden. Da ihm aber Gutachter - in Mollaths Augen zu Unrecht - Wahnvorstellungen und Gemeingefährlichkeit attestierten, wurde er gegen seinen Willen in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Dort verbrachte er mehr als sieben Jahre. Erst 2013 kam er frei.

Ein Jahr später sprach ihn das Landgericht Regensburg in einem aufsehenerregenden Wiederaufnahmeverfahren vom Vorwurf der Körperverletzung frei. Das Gericht war aber dennoch zu der Überzeugung gelangt, dass er seine Frau misshandelt hatte. Eine Revision Mollaths gegen das Regensburger Urteil war Ende 2015 vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe gescheitert.

mxw/dpa



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