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Prozess gegen Gustl Mollath: Psychiater sieht keine Gefahr für die Allgemeinheit

Von Beate Lakotta, Regensburg

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Gustl Mollath: "Gerechtigkeit, oder was er selbst darunter verstand"

Gustl Mollath ist nach Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters nicht gefährlich für die Allgemeinheit. Die frühere Diagnose einer wahnhaften Störung sei jedoch in Teilen nachvollziehbar.

Gustl Mollath ist laut Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters nicht mehr gefährlich für die Allgemeinheit. Die Voraussetzungen für eine Unterbringung in der Psychiatrie seien daher nicht anzunehmen, sagte der Experte Norbert Nedopil am Freitag vor dem Landgericht Regensburg.

Die Diagnose einer wahnhaften Störung sei jedoch zumindest für die Zeit der Ehekrise, also etwa für die Jahre 2001/2002 "nachvollziehbar" , betonte der forensische Experte aus München. Dies gelte allerdings nicht für die Zeit, in der die Reifenstecher-Serie stattfand. Mollath wird vorgeworfen, seine damalige Frau 2001 geschlagen, gebissen und gewürgt zu haben, zudem soll er sie 2002 mehr als eine Stunde lang eingesperrt haben. Später soll er um die Jahreswende 2004/2005 in einigen Fällen Reifen von Autos zerstochen haben.

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte Mollath 2006 von den Vorwürfen wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen, ihn aber in die Psychiatrie eingewiesen. Grundlage dieser Entscheidung war ein Gutachten, das ihm eine wahnhafte Störung attestierte (lesen Sie hier die Hintergründe des Wiederaufnahmeverfahrens in Regensburg). Mollath wirft seiner Ex-Frau vor, sie habe ihn mit einer Intrige "mundtot" machen wollen, weil er Schwarzgeldgeschäfte aufgedeckt habe, in die seine Ex-Frau verwickelt sei.

Selbstüberschätzung und Rechthaberei

Nedopil führte aus, die Überzeugung, in die Mollath sich damals "verrannt" habe, sei mit der Realität nicht in Übereinstimmung zu bringen gewesen. Zum Beispiel habe er seine eigene politische Wirksamkeit überschätzt, indem er in seinen Schreiben angab, er habe die "größte Friedensdemonstration Europas" ins Leben gerufen. Auch sei es nicht realistisch zu glauben, ein Arzt schreibe Gutachten im Sinne einer Bank oder sei Teil von Schwarzgeldschieberkreisen, weil sein Nachbar ein Banker ist.

Sollte Mollath die Taten begangen haben, könne er eine verminderte Steuerungsfähigkeit nicht mit Sicherheit ausschließen, sagte Nedopil. Dies gelte allerdings eher für die Übergriffe auf die Frau. Das Aufstechen von Reifen könne auch eine normalpsychologische Reaktion sein. Immerhin habe Mollath "eine Wut" gehabt. Dies lasse sich ohne Exploration jedoch nicht mehr mit Sicherheit klären. Jedoch sei auch in keinem der vorangegangenen Gutachten über Mollath ausgeführt worden, in welcher Weise die Taten wahnhaft begründet gewesen sein könnten.

Nedopil beschrieb Mollaths Verhalten weiter als egozentrisch, skurril und manieristisch anmutend. Er habe sich als "besonders rechtschaffen" gesehen und habe "Gerechtigkeit, oder was er selbst darunter verstand, kompromisslos, übernachhaltig und mit Rigidität verfolgt". Mollath neige zur Selbstüberschätzung und zur Rechthaberei. Dies habe sich auch in der Hauptverhandlung gezeigt.

Wenn sich der Betroffene einer Exploration verweigert, können Zweifel nicht ausgeräumt werden, sagte Nedopil. Aber es sei dann auch nicht die Aufgabe des Psychiaters, die Prügel dafür einzustecken.

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