Prozess in Regensburg Mollath ficht Freispruch-Urteil an

Der Freispruch durch das Landgericht Regensburg ist Gustl Mollath nicht gut genug. Der 57-Jährige will das Urteil anfechten. Ob das geht, muss nun der Bundesgerichtshof entscheiden.

Gustl Mollath: Unzufrieden mit Freispruch
DPA

Gustl Mollath: Unzufrieden mit Freispruch


Regensburg - Der langjährige Psychiatrie-Insasse Gustl Mollath hat Revision gegen sein Freispruch-Urteil eingelegt. Ein Sprecher des Landgerichts Regensburg bestätigte einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Das Gericht hatte zwar im Wiederaufnahmeverfahren die Vorwürfe der Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung als nicht erwiesen angesehen, den 57-Jährigen aber für schuldig befunden, seine Ex-Frau misshandelt zu haben.

Mollath war 2006 wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen und in die Psychiatrie eingewiesen worden. Dort saß er siebeneinhalb Jahre lang - für diese Zeit muss er entschädigt werden.

In der Urteilsbegründung beim Wiederaufnahmeverfahren sagte die Vorsitzende Richterin, man wisse nicht, ob Mollath aufgrund einer wahnhaften Störung handelte oder nicht. Ohne Zweifel an seiner Schuldfähigkeit hätte das Gericht ihn schuldig gesprochen. Aber die Zweifel bestanden nun mal. "Deshalb müssen wir ihn freisprechen, in dubio pro reo" - auch wenn der Angeklagte das womöglich gar nicht günstig finde: "Er sieht ja bei sich keine wahnhafte Störung."

Mollath hätte ohnehin freigesprochen werden müssen, weil er in dem Wiederaufnahmeverfahren nicht schlechter gestellt werden durfte als im ersten Prozess 2006 vor dem Landgericht Nürnberg.

Nach dem Freispruch in Regensburg hatte Mollath gesagt, er wolle "das nicht auf mir sitzen lassen". Er habe seine Frau nicht angegriffen, wolle rechtlich gegen das Urteil vorgehen.

Ob das gelingt, ist fraglich. Nach dem Urteil des Landgerichts Mitte August hatte der Gerichtssprecher erklärt: "Gegen den heutigen Freispruch kann der Herr Mollath keine Revision einlegen" - etwa, weil ihm die Begründung nicht passe. Nach Angaben des Gerichts muss nun der Bundesgerichtshof darüber befinden, ob die Revision gegen den jetzigen Freispruch statthaft und begründet ist.

ulz/dpa

insgesamt 99 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kappesstepp 22.08.2014
1. Um jeden Preis
in der Presse bleiben, Aufmerksamkeit um der Aufmerksamkeit willen, darum geht es hier.
arctic_girl 22.08.2014
2. Wie der Fischer und seine Fruu
Manch einer kennt vielleicht noch das alte Märchen vom Fischer und seiner Frau, die nie genug bekommen wollten und letztendlich wieder in der Gosse landeten. Mollath erinnert mich so bisschen daran, vielleicht ist er auf dem besten Wege zurück in seine Anstaltszelle (die Ärtze ziehen schon die Spritzen auf). Ist es bei ihm Mut oder ein schlimmer Gerechtigkeitswahn? Es bleibt spannend... . Ich wünsche ihm einfach noch ein paar glückliche Jahre.
Questionator 22.08.2014
3. Glaub' ich nicht
Zitat von kappessteppin der Presse bleiben, Aufmerksamkeit um der Aufmerksamkeit willen, darum geht es hier.
das ist übliches Querulantenverhalten, das würde er auch tun, wenn's keinen interessiert... Kleiner Hinweis an die Redaktion zur Wortwahl: Für schuldig hat man ihn eben nicht befunden, lediglich der Tatbestand wurde als erwiesen betrachtet.
static_noise 22.08.2014
4.
Spannend.... Es mag zynisch klingen, doch solange Herr Mollath noch in der Anstallt untergebracht war und keine Öffentlichkeit hatte war ihm die Zuneigung gewiss. Durch Presse, Verteidiger und Betreuer wurde das Bild des armen Opfers, des Gustl, stilisiert, der doch einfach nur seine Freiheit und Ruhe will. Seit er draußen ist und selber an die Öffentlichkeit tritt, bröckelt das Bild (ohne dass dies natürlich die rechtliche Situation irgendwie ändert!!!) Er scheint(!) ein doch schwieriger Mensch zu sein, seine Eingaben, sein Disput mit den eigenen Verteidigern, die Berufung... Mehr und mehr entsteht das Bild eines Querulanten und Misanthropen. Ein Glück haben wir keine Geschworenen Verfahren, das wäre vermutlich sein Untergang, da man ihn dort provozieren und dann vorführen würde.
ArAlOs 22.08.2014
5. Da steckt man schon in der Klemme,
auf der einen Seite erscheint es nach allem, was man erfahren hat durchaus schlüssig, dass der ehemalige 'Millionär' Mollath alles andere als ein netter Zeitgenosse ist und ein ordentlicher (Knast)schuss vor den Bug hätte dann nicht geschadet. Andererseits lehrt mich (1990 zugewanderter 'Preiß') die Erfahrung, dass ich hier in Franken jede Woche mindestens einen Mitbürger dieser Qualität treffe und da ist das alles doch wohl 'Folklore'. Das bezieht sich ausdrücklich nur auf den Sachverhalt, nicht auf die Psychiatrie-Geschichte, die zweifellos eine bodenlose Sauerei ist, mich aber in dieser Gegend eigentlich auch nicht wundert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.