Mollath-Prozess in Regensburg "Sie sagte, sie hätte Todesangst gehabt"

Am zweiten Verhandlungstag des neuen Prozesses gegen Gustl Mollath kommt dessen Ex-Frau zu Wort - allerdings nur mittelbar: Der Beamte, der Petra M. 2003 vernahm, sagte als Zeuge aus. Mollath habe gedroht, sie umzubringen.

Von Beate Lakotta, Regensburg

Gustl Mollath (r.) mit Verteidiger Gerhard Strate: Ex-Frau soll Todesangst gehabt haben
DPA

Gustl Mollath (r.) mit Verteidiger Gerhard Strate: Ex-Frau soll Todesangst gehabt haben


Am zweiten Tag seines Wiederaufnahmeverfahrens beginnt für Gustl Mollath mit den ersten Zeugenaussagen die unangenehme Konfrontation mit der Vergangenheit. Mollath muss sich vor dem Landgericht wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung verantworten; Polizeikommissar Bernd F. sagt aus, was Petra M. im Januar 2003 dazu bei ihm auf dem Kommissariat zu Protokoll gegeben hat: Dass Mollath sie im August 2001 geschlagen, getreten, gebissen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt habe. "Sie sagte, sie hätte Todesangst gehabt, und fasste den Entschluss, ihn zu verlassen."

Als sie später nach der Trennung ihre Sachen aus der Wohnung habe holen wollen, habe ihr Mann sie auf dem Bett festgehalten und mehr als eine Stunde eingesperrt. "Sie gab an, er habe sie bedroht mit den Worten, er habe nichts mehr zu verlieren und würde sie dann umbringen", erinnert sich der Kommissar.

Zunächst habe Petra M. Anzeige wegen eines Waffendelikts gestellt. Sie habe befürchtet, dass Mollath eine Waffe, die er im Schrank aufbewahrte, im Zuge des Trennungsstreits gegen sie einsetzen könnte. Dabei habe sie auch von den gewalttätigen Übergriffen erzählt, die eineinhalb Jahre zurückgelegen hätten. Dazu sei erst später ein ärztliches Attest mit den Verletzungen in die Akte gelangt.

"Für ihn schwer zu ertragen"

Auch bei der Durchsuchung von Mollaths Haus war Kommissar F. dabei, gefunden wurde aber nur ein altes Luftgewehr.

"Hat Frau M. etwas dazu gesagt, warum es zu dieser Gewalt kam?", will die Vorsitzende Elke Escher wissen. "Er hatte wohl mit seinem Reifenhandel Misserfolge, auch Schulden, die Frau Mollath aus ihrem Einkommen begleichen musste", sagt der Kommissar. "Sie hatte zur selben Zeit einen Aufstieg bei der Bank, was für ihn schwer zu ertragen war und ihn zunehmend aggressiv gemacht hat."

Mollath zieht ungläubig die Brauen zusammen, zuckt ein paar Mal verächtlich mit den Mundwinkeln. Aber er sagt kein Wort.

Dann kommt ein zweiter Polizeibeamter zu Wort. Stefan H. erinnert sich kaum noch an die ganze Sache, aber anhand seiner Vermerke lässt sich rekonstruieren: Es war nicht Petra M., sondern Gustl Mollath selbst, der eine Maschinerie in Gang setzte, die ihn am Ende für siebeneinhalb Jahre in die Psychiatrie brachte.

"Vielleicht beenden wir das hier"

Die Akten verzeichnen einen Vorfall, bei dem Mollath sich Zutritt zum Haus seines Schwagers verschafft und dort einen Brief aus dem Briefkasten gezogen haben soll. Der Schwager kam demnach hinzu, es gab ein Gerangel, die Polizei wurde gerufen. Er schrieb danach an den Beamten H.: "Anmerken möchte ich, dass Herr Mollath zur Gewalttätigkeit neigt. Er hat meine Schwester Petra sehr oft geschlagen, gewürgt und gebissen."

Hierzu wird Petra M. befragt, als Zeugin, schriftlich: "Ist es in der Vergangenheit bereits zu solchen oder ähnlichen Straftaten gekommen?" Und: "Wollen Sie Strafantrag stellen? Wenn ja, dann bitte beigefügten Strafantrag ausfüllen." Sie antwortet handschriftlich auf dem Strafantragsformular: "Ja, es ist leider zu ähnlichen Straftaten gekommen" und unterschreibt den Antrag.

Mollaths Verteidiger Gerhard Strate fragt den Beamten: "Hat sie vielleicht erwähnt, dass sie just am Tag ihrer Aussage ganztags mit der Revisionsabteilung der HypoVereinsbank beschäftigt war, wo sie wegen Inkorrektheiten, Provisionen, die ihr nicht zustanden, vernommen wurde? Hat sie irgendetwas geschildert von den Behauptungen Mollaths, dass sie an illegalen Geldtransfers in die Schweiz beteiligt war?" Das sei ja wohl "sicherlich ein tragendes Motiv" für ihre Aussagen gewesen.

Stefan H. schüttelt den Kopf: "Ist mir nicht erinnerlich."

"Vielleicht beenden wir das hier", sagt die Vorsitzende. Über eventuelle Motive werde das Gericht zu befinden haben - am Ende des Verfahrens.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 72 Beiträge
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kumi-ori 08.07.2014
1. Wenn die Fragen unangenehm werden, für Frau M., ...
... dann beenden wir das Ganze lieber. Könnte sonst noch jemand auf die Idee kommen, dass die ganze Geschichte ein Riesen-Fake war (ebenso wie das ärztliche Gutachten), und das würde die Justiz noch blöd ausschauen lassen.
postnational 08.07.2014
2. Die machen Mollath ein zweites Mal zum Opfer
Am Ende dieses Verfahrens werden Otto Brixners Richterkollegen feststellen, daß dessen Entscheidung, Mollath in die Psychiatrie zu stecken, allenfalls etwas ungehobelt, aber sachlich irgendwie nachzuvollziehen war – bei Ronald Schill mußte auch erst eine Bürgerschaftswahl zur faktisch ersten Richter(ab)wahl in Deutschland werden, bis seine Richterkollegen den aus ihrem Korpsgeist verstoßen haben.
frank-12 09.07.2014
3. dazu wurde doch schon alles gesagt.
Frau Lakotta, wann hören Sie endlich damit auf, auf unsägliche Art und Weise immer wieder Herrn Mollath als Gewalttäter hinzustellen. Es reicht. Jeder kann sich im Netz alle Informationen zu dem Fall holen, dann würden Sie wissen, dass die Aussagen von der ehem. Frau Mollath alleine dazu dienten, von ihren eigenen Taten abzulenken. Alleine die Sache mit den angeblichen Reifenstecherreien: Das Video dazu, wurde aufgenommen nach dem die Polizei die "Beweise" in Verwahrung genommen hat.
schocolongne 09.07.2014
4. Zusammengefasst
...also das mit der "Waffe" war also nix. Wie viel Substanz die übrigen Behauptungen der Ex-Frau-Mollath haben, lässt sich an den Aussagen der Helden vom Revier beim besten Willen nicht heraus lesen, sie berichten ja nur, was Frau Mollath behauptet hat, ohne das überprüfen zu können.
lotharec 09.07.2014
5.
Zitat von kumi-ori... dann beenden wir das Ganze lieber. Könnte sonst noch jemand auf die Idee kommen, dass die ganze Geschichte ein Riesen-Fake war (ebenso wie das ärztliche Gutachten), und das würde die Justiz noch blöd ausschauen lassen.
Erstens wurde nicht Frau Mollath vernommen und zweitens wurde dies beendet, da der Verteidiger dem Polizeibeamten Fragen stellte, über die dieser nur Vermutungen äussern konnte. Und dies ist nicht gestattet.
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