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Fall Gustl Mollath: Anwalt stellt psychiatrische Gutachten ins Netz

Mollaths Anwalt Strate: "Ich gehe mal davon aus, dass das Konsequenzen haben wird" Zur Großansicht
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Mollaths Anwalt Strate: "Ich gehe mal davon aus, dass das Konsequenzen haben wird"

Gustl Mollaths Anwalt geht in die Offensive: Gerhard Strate hat zahlreiche Dokumente zum Fall seines Mandanten im Internet veröffentlicht. Der Jurist spricht von einem "Höchstmaß an Transparenz".

Hamburg - Gustl Mollath wurde jahrelang gegen seinen Willen in der Psychiatrie festgehalten. Nun kämpft der 56-Jährige für seine Rehabilitation. Sein Anwalt hat sämtliche psychiatrischen Gutachten über Mollath im Internet veröffentlicht. "Angesichts der neu einsetzenden Diskussion um die Rolle der Psychiatrie, (...), aber auch zur Aufhellung der Verantwortlichkeiten im Umgang mit Gustl Mollath erscheint uns ein Höchstmaß an Transparenz angebracht", schrieb Verteidiger Gerhard Strate in einer Erklärung.

Die rund 300 Seiten, darunter auch handschriftliche Anmerkungen Mollaths zu Einschätzungen der Gutachter, sind auf der Internetseite von Strates Anwaltsbüro abrufbar. Zu den Dokumenten gehören die von 2005 bis 2011 erstellten psychiatrischen Gutachten, die Protokolle der Bayreuther Strafvollstreckungskammer sowie ärztliche Stellungnahmen der Bezirkskrankenhäuser Straubing und Bayreuth. "Ich gehe mal davon aus, dass das Konsequenzen haben wird", sagte Strate.

Mollath war Anfang August aus der Psychiatrie in Bayreuth entlassen worden. Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte auf eine Beschwerde von Mollaths Anwalt hin zugleich angeordnet, dass das Verfahren gegen den Maschinenbauer in Regensburg neu aufgerollt wird.

Mollath war 2006 auf gerichtliche Anordnung in die Psychiatrie eingewiesen worden, weil er seine Frau misshandelt und Autoreifen zerstochen haben soll. Der Nürnberger sieht sich dagegen als Opfer eines Komplotts seiner Ex-Frau und der Justiz, weil er auf Schwarzgeldgeschäfte hingewiesen habe.

wit/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 81 Beiträge
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1. danke, Herr Strate,
katerramus 26.08.2013
Zitat von sysopDPAGustl Mollaths Anwalt geht in die Offensive: Gerhard Strate hat zahlreiche Dokumente zum Fall seines Mandanten im Internet veröffentlicht. Der Jurist spricht von einem "Höchstmaß an Transparenz". Gustl Mollaths Anwalt Strate stellt psychiatrische Gutachten ins Netz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/gustl-mollaths-anwalt-strate-stellt-psychiatrische-gutachten-ins-netz-a-918716.html)
Ich habe mir gerade das entscheidende Gutachten von Dr. Leipziger durchgelesen und war entsetzt. Da liegen die diversen Aussagen von Frau Mollath vor, die in epischer Breite ausgeführt werden, da wird ein paranoides Gedanksystem angenommen, weil Herr Mollath auf der Schwarzgelsgeschichte beharrt, sich weigert, sich mit "normalen" Seifen zu waschen, dafür Kernseife verlangt, sich beschwert, daß er keine Sachen zum Anziehen und keine Biokost mitnehmen konnte, als die Polizei ihn abgeholt hat, daß er "renitent" auf seinen Rechten bestand und nur unter Zeugen mit dem Gutachter sprechen wollte....... Die "Gemeingefährlichkeit" wurde aus den später in die Gerichtsakten hinzugekommenen Reifenstechereien, die das Gericht ihm zuschrieb, obwohl es keinen einzigen Hinweis auf seine Täterschaft gab, konstruiert. Ansonsten gab es ausschließlich die Beobachtungen des Klinikpersonals, die ein für mich schlüssiges Verhalten eines zu Unrecht festgehaltenen Mannes zeigen. Es erscheint mir immer noch widersinnig, daß jemand allein auf diese willkürlichen, durch keinerlei tatsächlichen Krankheitssymptome gestützen Angaben des Psychiaters für mehr als 7 Jahre in der Forensik eingesperrt war - Wenn das geübte Praxis ist - gute Nacht , Psychiatrie !!!
2. Absolut verrückt!
gatoalforno 26.08.2013
Zitat von sysopDPAGustl Mollaths Anwalt geht in die Offensive: Gerhard Strate hat zahlreiche Dokumente zum Fall seines Mandanten im Internet veröffentlicht. Der Jurist spricht von einem "Höchstmaß an Transparenz". Gustl Mollaths Anwalt Strate stellt psychiatrische Gutachten ins Netz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/gustl-mollaths-anwalt-strate-stellt-psychiatrische-gutachten-ins-netz-a-918716.html)
Besonders aufschlußreich ist die Betreuungsakte, die dokumentiert, wie ein allseits orientierter, strukturiert denkender und differenzierter Mensch entmündigt wird. Ein bisschen muß man allerdings schon an M. Zurechnungsfähigkeit zweifeln, wenn er bis zum Schluß auf Ehrlichkeit, Ehrbarkeit und gesunden Menschenverstand gehofft hat.
3. Offline
movfaltin 26.08.2013
Strates WWW-Domain ist derzeit leider nicht zugänglich - ein Ping funktioniert hingegen noch. Wer hätte das gedacht... Wer da wohl wieder rumgehäckselt hat?
4. Er hört Stimmen....
EduardtStorberg 26.08.2013
Der Lacher in dem "Gutachten" oder wohl besser "Schlechtachten" von Leibziger ist doch wohl die Unterstellung, dass Mollath Stimmen hört. Dieser hatte auf die Frage, ob er Stimmen höre, geantwortet "nur die Stimme meines Gewissens". Dem Gutachten war dies egal, schließlich ist dies auch eine Stimme und wer Stimmen hört der ist "verrückt"... Was mir bei diesen Gutachten zudem auffällt ist, dass fast keiner der "Gutachter" der Ansicht ist, dass er seine Thesen belegen müsse. Es fehlt völlig an Fundstellen und nachvollziehbarer Darlegung des Untersuchungsaufbaus. Bei dem Ganzen fällt dann negativ für Mollath auf, dass er sich bei der Untersuchung nicht gewaschen hat, was man aber völlig ohne Wahn erklären kann. Herr Mollath befand sich ähnlich einem Vergewaltigungsopfer in einer Situation des totalen Kontrollverlust und der Fremdbestimmung. Mollath hatte die Situation nicht mehr unter Kontrolle und daher hat er sich auf die Teile seiner Persönlichkeit konzentriert, welche er noch selbst steuern konnte und das war nun mal nur noch die Körperpflege und die Nahrungsaufnahme. Diese Reaktion ist ebenfalls nicht "verrückt", sondern eine relativ normale Reaktion. Als er nicht Zwangs eingewiesen war hatte er sich schließlich gewaschen und auch normal gegessen. Letztendlich beweisen diese Gutachten nur, dass Leibziger nicht den Mut hatte, dem Gericht zu sagen, dass er keine Feststellungen treffen konnte, weil sich Mollath verweigerte. Da aber das schlimmste Ergebnis für ein Gerichtsgutachter ist kein sicheres Ergebnis zu benennen, haben hier wohl die Würfel gegen Mollath entschieden. Für mich bleibt es ein Skandal! Wer solch ein Gutachten als nachvollziehbar hinstellt, der hat keine Ahnung. Das der BGH dieses Gutachten gehalten hat, verwundert mich bis heute. Allerdings habe ich den Verdacht, dass hier der Anwalt nicht wirklich Revisionserfahren war. Hätte Mollath bereits damals Strate gehabt, dann wäre das mit Sicherheit nicht passiert (auch wenn ich sonst nicht viel von "Starverteidigern" halte)"
5. Kein Wort über Gewalttätigkeiten
michaelr22 26.08.2013
Es wurde in den ganzen Gutachten keine einzige Tätlichkeit von Mollath aufgeführt. Da war überhaupt nichts handfestes alles nur konstruiertes Blabla. Der Leipziger ist wirklich peinlich. Das schlimmste war, das Mollath den Abstand zu einer Referentin nicht einhielt und rummotzte. Welch Wunder wenn man so lange von diesen Typen gefangengehalten wird. Wo bleibt das Gutachten über Mollaths Ex ? Wenn man Quantum Entrainment, Theta Healing, Bio-Energetik u.a. an arglose Menschen verkauft, muss man Menschen von absoluten Unsinn überzeugen können und gleichzeitig die nötige eiseskälte haben um diesen Menschen dafür auch noch Geld abzunehmen. Irgendwie passt das schon.
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Der Fall Gustl Mollath - Chronologie
2003
Januar: Mollath wird von seiner Frau wegen Körperverletzung angezeigt. Er soll sie im August 2001 ohne Grund geschlagen, gebissen, getreten und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Mollath bestreitet die Vorwürfe.

Mai: Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth erhebt Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

September: Die Hauptverhandlung beginnt vor dem Amtsgericht Nürnberg, wird später ausgesetzt und beginnt im April 2004 neu. Das Gericht beschließt später erstmals eine Unterbringung Mollaths.

Dezember: Mollath erstattet Strafanzeige gegen seine Frau, weitere Mitarbeiter der HypoVereinsbank und 24 Kunden wegen Steuerhinterziehung, Schwarzgeld- und Insidergeschäften.

2004
Februar: Die Anzeige wird von der Staatsanwaltschaft abgelehnt. Die Angaben seien zu unkonkret für ein Ermittlungsverfahren.

Juni: Mollath muss zur Begutachtung ins Bezirkskrankenhaus Erlangen, kommt aber wieder frei. Im Februar 2005 wird er in das Bezirkskrankenhaus Bayreuth eingewiesen. Dort bringt er fünf Wochen zu.

2006
August: Ein Gutachter bescheinigt Mollath wahnhafte psychische Störung und paranoide Symptome. Das Landgericht Nürnberg spricht Mollath wegen Schuldunfähigkeit von der Anklage der Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung frei. Aber es ordnet seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, weil er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Er ist bis heute im Bezirkskrankenhaus Bayreuth untergebracht.
2007
Februar: Der Bundesgerichtshof verwirft Mollaths Revision als unbegründet.
2012
März: Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) sagt im Landtag, Mollaths Strafanzeige wegen der Bankgeschäfte seiner Frau sei "weder Auslöser noch Hauptanlass noch überhaupt ein Grund für seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gewesen". Seine Vorwürfe gegen die Bank hätten keinen begründeten Anfangsverdacht für Ermittlungen ergeben.

November: Ein interner Revisionsbericht der HypoVereinsbank aus dem Jahr 2003 wird publik. Danach traf ein Teil von Mollaths Vorwürfen zu. Die Freien Wähler fordern Merks Rücktritt und einen Untersuchungsausschuss.

30. November: Merk will den Fall Mollath komplett neu aufrollen lassen und ordnet einen Wiederaufnahmeantrag wegen möglicher Befangenheit eines Richters an.

2013
18. März: Die Staatsanwaltschaft beantragt die Wiederaufnahme wegen neuer Tatsachen, die dem Gericht bei der Verurteilung 2006 noch nicht bekannt gewesen seien. Entscheiden muss das Landgericht Regensburg.

26. April: Der Mollath-Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtages tritt erstmals zusammen.

28. Mai: Das Landgericht Regensburg lehnt eine Entscheidung über Mollaths Psychiatrie-Unterbringung vor der Prüfung des Wiederaufnahmeantrags ab.

9. Juli: Der Untersuchungsausschuss geht zu Ende. SPD, Grüne und Freie Wähler sehen gravierende Fehler bei den Ermittlern und bei Merk und verlangten deren Entlassung. CSU und FDP sehen keine Fehler bei Merk.

22. Juli: Nach dem Landgericht Regensburg weist auch das Oberlandesgericht Nürnberg einen Befangenheitsantrag von Mollaths Anwalt gegen einen Richter ab.

24. Juli: Das Landgericht Regensburg weist die Anträge zur Wiederaufnahme des Mollath-Prozesses zurück.

6. August: Das Oberlandesgericht Nürnberg ordnet die Wiederaufnahme des Strafverfahrens an - und Mollaths sofortige Entlassung aus der Psychiatrie.


§ 63 - Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus
Hat jemand eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit (§ 20) oder der verminderten Schuldfähigkeit (§ 21) begangen, so ordnet das Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, wenn die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Tat ergibt, dass von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist.

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