Gutachter in Kachelmann-Prozess: "Vielleicht hat sie das Messer nur gefühlt?"

Von , Mannheim

Im Prozess gegen Jörg Kachelmann wurden Gutachter vor allem zu einer Frage befragt: Hat sich das mutmaßliche Opfer die Tat vielleicht nur eingebildet oder hat es die Tat gar erlogen? Eine Falschaussage sei durchaus möglich, sagte nun der letzte geladene Sachverständige.

Jörg Kachelmann (M.) mit Anwälten: Der letzte Gutachter hat ausgesagt Zur Großansicht
dapd

Jörg Kachelmann (M.) mit Anwälten: Der letzte Gutachter hat ausgesagt

Von Anfang an war klar: Der Prozess gegen Jörg Kachelmann würde ein Aufmarsch der Gutachter werden. In einem Verfahren, in dem Aussage gegen Aussage steht, Zeugen fehlen, Beweise Mangelware sind, kommt es auf fachlich fundierte Einschätzungen ein. Auf Einschätzungen von Aussagen und Aussageverhalten, von Erinnerungen und Erinnerungslücken, von Erlebtem und Eingebildetem.

Nun neigt sich der im September begonnene Prozess dem Ende zu. Der letzte Sachverständige - und damit der letzte Zeuge - wurde gehört, in wenigen Wochen soll das Urteil gesprochen werden.

Die Psychologie-Professorin Luise Greuel hat inzwischen ein umfangreiches Gutachten zur Aussage jener Radio-Moderatorin aus Schwetzingen vorgetragen, die Kachelmann am Morgen des 9. Februar 2010 angezeigt hatte. Er habe sie - nach elfjähriger intimer Beziehung - in der Nacht zuvor mit einem Messer bedroht und vergewaltigt, nachdem sie ihn der Untreue verdächtigt hatte. Greuels Fazit: Mit den Mitteln der Aussagepsychologie lässt sich ein Erlebnisbezug der Aussagen jener Frau nicht nachweisen.

Das Fazit eines Spurengutachters des Landeskriminalamts: An dem vermeintlichen Tatmesser müssten ganz andere Spuren zu finden sein, wenn sich die Tat so zugetragen haben sollte, wie die Frau angibt.

Das Fazit mehrerer Sachverständiger auf dem Gebiet der Rechtsmedizin, die jene Hämatome und Hautkratzer begutachtet hatten, die die Frau bei der angeblichen Tat davongetragen haben will: mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst beigebracht.

Längst bekannt ist, dass diese Frau Beweismaterial gefälscht hat, das die "Tat" ausgelöst haben soll. Dass sie ihre Eltern, die Kripo, die Staatsanwaltschaft, ihren Therapeuten und sogar ihren Anwalt wochenlang belogen hat, angeblich, um glaubwürdiger dazustehen. Dies alles reichte der Staatsanwaltschaft bisher nicht, um von ihrem Tatverdacht gegen Kachelmann abzurücken, selbst wenn das Anklagegebäude inzwischen noch nicht einmal mehr als Ruine erkennbar ist.

Gutachter kritisiert Fragestil der Polizei

An diesem Montag sagte nun als letzter Sachverständiger einer der angesehensten und erfahrensten Rechtspsychologen Deutschlands, der Kieler Universitätsprofessor Günter Köhnken, aus. Kachelmanns erster Verteidiger Reinhard Birkenstock hatte ihn noch mit einer Stelllungnahme zum Greuel-Gutachten beauftragt, der jetzige Verteidiger Johann Schwenn bat Köhnken darüber hinaus, sich auch zur "nicht geringen Wahrscheinlichkeit einer intentionalen Falschaussage", also einer kompletten Lüge, zu äußern.

Köhnken, ein Meister der bildhaften, auch dem Laien verständlichen Darstellung kompliziertester wissenschaftlicher Erkenntnisse, schuf erst einmal Klarheit, worum es überhaupt geht: "Es kommt nicht auf eine insgesamt scheinbar umfangreiche und detaillierte Aussage an, sondern darauf, ob sie diagnostisch relevant ist", so der Sachverständige. Und relevant seien eben nun mal allein die strittigen Teile der Aussage: die Schilderungen von Bedrohung, Gewalt, Zwang, Einsatz des Messers.

Schon hier sei es schwierig. Die Kripobeamtinnen, die seinerzeit als erste die Anzeige der Frau aufnahmen und ihr glaubten, hätten nicht wörtlich protokolliert, sie hätten auch nur oberflächlich gefragt, statt akribisch nachzuhaken. Ja, sie seien regelrecht "froh gewesen, nicht nachbohren zu müssen". Nicht mal am 23. April 2010, als die Frau im Lauf einer Befragung durch die Staatsanwaltschaft Unwahrheiten zugeben musste, sei ein Wortprotokoll geführt worden.

Dazu komme der "besondere Aussagestil" der Belastungszeugin, der sich mit Begriffen wie "rekonstruktiv, plausibilitätsgestützte Schlussfolgerungen, keine originäre Erinnerung" umschreiben lasse. Der Kieler Psychologieprofessor bezeichnete die Angaben der Ex-Freundin Kachelmanns zum angeblichen Vergewaltigungsgeschehen als äußerst lückenhaft. Es reihe sich "eine Erinnerungslücke an die andere".

"Bedingungslose, kritik- und distanzlose" Unterstützung

Köhnken kritisierte außerdem massiv den Einfluss, den der Psychotraumatologe Günter Seidler aus Heidelberg auf die Belastungszeugin durch seine "bedingungslose, kritik- und distanzlose" Unterstützung ausgeübt habe. "Schon im April hatte sie mehrere Therapiegespräche bei Seidler - und erzählte ihm, wie sie durch Träume Erinnerungen an das angebliche Tatgeschehen erlangt habe", beschrieb Köhnken die damalige Situation.

Seidler sei vom ersten Termin an von dem Geschehen überzeugt gewesen, wie es die Frau vorgetragen hat. "Und zwar so sehr, dass er bei Herrn Kachelmann sogar eine dissoziative Identitätsstörung diagnostiziert - bei einem Menschen, den er nie gesehen hat", kritisiert Köhnken. Aus der Forschung wisse man schon lange, welche Folgen es habe, wenn jemand so stark überzeugt sei: "Es wird dann so gefragt, dass die Erwartungshaltung bestätigt wird. Und das wiederum führt zu einer nachhaltigen Beeinflussung der Person, an die die Erwartungshaltung herangetragen wird."

Die Verwertbarkeit jener Angaben, die die Belastungszeugin im Mai 2010 bei der Sachverständigen Greuel machte, sei dadurch bereits "stark eingeschränkt" gewesen. Auch in der Hauptverhandlung, nach 46 Therapiesitzungen, habe die Zeugin im Oktober davon gesprochen, dass sie "viele Erinnerungen durch Träume wiedergefunden habe", wobei das Messer eine große Rolle gespielt habe. "Bei Seidler wird der Trauminhalt dann als Geschehen klassifiziert", monierte Köhnken.

"Frage, ob sie das Messer nur gefühlt hat"

Was bleibt dann überhaupt noch?

Frau Greuel stellte bei der Zeugin eine starke Neigung zu Umdeutungen, zu unzutreffender Interpretation, zu Umstrukturierungen fest. Köhnken fiel auf, dass sie erst sagte, das Messer sei "immer" an ihrem Hals gewesen; dann habe sie einschränkend gemeint, "kann ja eigentlich nicht sein". Und schließlich habe sie davon gesprochen, dass sie das Messer "am Hals gefühlt" habe.

"Die Frage ist jetzt, ob sie das Messer vielleicht immer nur gefühlt hat", resümierte Köhnken.

Eine Aussage, so der Kieler Psychologe, deren Quelle nicht eigenes Erleben ist, "fällt nicht einfach vom Himmel und trifft auf irgendjemanden". Woher kommt sie also? Im Fall Kachelmann wurde sie der Frau nicht suggeriert. Ist sie das Ergebnis von "autosuggestiven Prozessen"?

Köhnken hält die Zeitspanne dafür - zwischen Kachelmanns Weggang nach Mitternacht und den ersten Angaben der Frau gegenüber ihren Eltern am nächsten Morgen - für zu kurz. "Soll da die Vorstellung nachhaltig generiert worden sein, dass man Opfer ist? Das halte ich nicht für wahrscheinlich," so Köhnken. Die Frau sei keine unreife Persönlichkeit, im Gegenteil, sie verhalte sich laut Hans-Ludwig Kröber, dem namhaften Berliner Gerichtspsychiater, "sehr kontrolliert". Ihre Aussagefähigkeit sei nicht beeinträchtigt gewesen, sie habe auch, als Kachelmann sie verlassen habe, keine "irren" Dinge getan.

Gutachter sieht Hypothese der Autosuggestion als widerlegt an

In dem Augenblick, so sehen es die Sachverständigen, in dem das eigene Leben mit einer Waffe bedroht wird, fokussiert sich die ganze Aufmerksamkeit des Bedrohten darauf. "Man würde erwarten, dass alles, was mit dem Messer zu tun hat, ganz besonders genau beobachtet wird. Das ist hier aber genau das Gegenteil", konstatierte Köhnken.

Er könne sich nicht vorstellen, "dass bei einer nicht-gestörten Person in ein paar Stunden eine autosuggestive Erinnerung erzeugt werden kann, von der man auf Dauer felsenfest überzeugt ist". Noch dazu, wenn, wie hier, durch eine gewaltsame Einwirkung erhebliche Schmerzen entstanden seien. Man müsste andernfalls bei der Frau geradezu eine "geistige Umnachtung" annehmen. Dabei habe sie sich "sehr rational und die weitere Entwicklung antizipierend" Gedanken gemacht, wie sie ihre Aussage glaubhafter ausgestalten könne.

Köhnken ist sicher: "Die Hypothese, dass die Aussage über eine Vergewaltigung mit Bedrohung durch ein Messer durch autosuggestive Prozesse erzeugt worden sein könnte, ist widerlegt."

In diesem Punkt, und nur in diesem, sind sich Greuel und Köhnken nicht einig.

Denn die Gutachterin hält es für möglich, dass das Selbst- und das Weltbild der Frau "fundamental erschüttert" wurde, als sie merkte, all die Jahre in ihrem blinden Vertrauen getäuscht worden zu sein. "Dies kommt einem völligen Zusammenbruch des Selbstbildes gleich, verbunden mit einem totalen Kontrollverlust", sagt Greuel.

Also eine Traumatisierung schon vor der angeblichen Vergewaltigung, die dann gar nicht mehr in allen Einzelheiten wahrgenommen wird? Kann das sein? Liegt vielleicht eine "autosuggestiv kontaminierte" Aussage vor?

Köhnken hält diesen Dissens für "nebensächlich", weil er an der Beurteilung der Erlebnisgrundlage der Aussage nichts ändert. Die Staatsanwaltschaft aber reitet darauf herum, als ließe sich wenigstens mit diesem Gaul das Rennen noch gewinnen. Doch als Beisitzer Joachim Bock nachfragt, ob für Autosuggestion nicht doch mehr Zeit vonnöten gewesen wäre, antwortet Greuel, dass die Zeugin schließlich "nicht eine hochkomplizierte Situation" geschildert habe: "Bei dem dürftigen Aussagematerial kann das relativ schnell funktionieren."

Hypothese einer absichtlichen Falschaussage bleibt

Verteidiger Schwenn stellte daraufhin eine einzige Frage, und die hatte es in sich: "Wenn Sie die Hypothese Autosuggestion zugrundelegen, dann müssen die Verletzungen selbst beigebracht worden sein. Sind das nicht Handlungen, die intensives Imaginieren nachhaltig beeinträchtigen? Schließlich wurde das Werkzeug dafür dreimal gewechselt!"

Frau Greuel tat sich nun schwer. "Mit rechtsmedizinischen Befunden darf ich mich nicht auseinandersetzen", sagt sie. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu gebe es nicht.

Die Staatsanwaltschaft gibt nicht auf. "Könnte es nicht auch sein, dass die Frau wegen der Mehrfachtraumatisierung eine schlechte Erinnerung hat und sich einfach nicht in weitere Widersprüche verwickeln will?" fragt Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge, um eine Erklärung für die Mängel und Lücken der Aussage heraufzubeschwören. Oder dass sie "autosuggestiv ergänzt", bei ihrem "rekonstruktiven Stil generell"? "Das haben wir hier nicht ansatzweise", antwortet Köhnken kurz und bündig.

Es bleibt also nur die Hypothese einer absichtlichen Falschaussage - und die Frage, wenn schon gelogen wurde, warum dann nicht besser. Es bleibt die Beobachtung der Prozessbeteiligten, dass die Frau zu einem überraschend jähen Wechsel von hochemotionalem zu kühl rationalem Ton in der Lage ist. Es bleibt die Frage, ob es einen "Strukturbruch" gibt zwischen der detailreichen Schilderung des Streits mit Kachelmann, als es um seine Untreue ging, und den mageren Aussagen der Frau zur angeblichen Vergewaltigung.

Dies alles aber hat das Gericht zu entscheiden. Köhnken legte sich nicht explizit auf eine bewusste Falschanschuldigung fest: "Ich habe nicht gesagt, die Aussage ist falsch", so der Rechtspsychologe. Die Schlussfolgerung überlasse er dem Gericht.

Am 18. Mai ist das Plädoyer der Staatsanwaltschaft vorgesehen. Das Urteil soll am 31. Mai verkündet werden.

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insgesamt 292 Beiträge
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1. ...
e-ding 09.05.2011
Läuft der Prozess noch immer? Till Eulenspiegel würde im Angesicht dieser Posse wohl zur Höchstform auflaufen.
2. "Vielleicht hat sie das Messer nur gefühlt?"
angela_merkel 09.05.2011
ist ja eine tolle Leistung, die Frau so fertig gemacht zu haben. Sollte das jetzt eine warnung an alle deutschen Frauen sein, was mit ihnen geschieht, wenn sioe eine vergewaltigung anzeigen ? Widerlich.
3. Angeblich objektiveste Behörde der Welt, die Staatsanwaltschaft
ddkddk 09.05.2011
müsste nach dem bisherigen Prozessergebnis auf Freispruch plädieren. Zu bedauern ist der ungeheure Aufwand an knappen Justizressourcen, veranlasst wahrscheinlich durch die Falschaussage einer womöglich rachsüchtigen Frau. Um sie wegen Falschaussage zu belangen, dürften allerdings die Beweise ebenfalls nicht ausreichen. Die Wahrheitsfindung dürfte erfolgreich gewesen sein, allerdings auf Kosten massiver Rufschädigung von Kachelmann. Es war sicher nicht erforderlich, sein Sexualleben in dieser Weise auszubreiten und wenn doch, dass die Medien dieses in dieser Weise verbreitet haben. Kachelmann wurde jetzt als Wüstling geoutet. Aber wenn wir das Sexualleben vieler anderer Promis auf diese Art beleuchten würden, stände er sicher nicht allein und würde kaum auffallen.
4. Lästig
Steffmann40 09.05.2011
Zitat von sysopIm Prozess gegen Jörg Kachelmann wurden Gutachter*vor allem zu einer Frage befragt: Hat sich das mutmaßliche Opfer die Tat vielleicht nur eingebildet oder gar erlogen? Eine Falschaussage sei durchaus möglich, sagte nun der letzte geladene Sachverständige. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,761541,00.html
Ebenso wie die wirre Diskussion über eine weitere Sicherheitsverwahrung nachweislich gefährlicher Straftäter, empfinde ich auch den Kachelmann-Prozess mittlerweile als Farce par excellence. Statt einfach den Fakten zu folgen, die offensichtlich nicht ausreichen, wird die Verantwortung an Gutachter weitergeschoben. Mag ja sein, dass der Typ Dreck am Stecken hat, aber bitte: Im Zweifel für den Angeklagten. Das ist aufgrund der Faktenlage doch offensichtlich !
5. Schuldig!
TaintedInfo 09.05.2011
Schuldig im Sinne der Bildzeitung! Wo ist der nächste Baum? Und nun das Wetter...
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Causa Kachelmann
Getty Images
Ein Prozess, sieben Fragen: Im Fall Kachelmann muss jetzt das Gericht klären, ob der Moderator tatsächlich seine ehemalige Freundin vergewaltigt hat. Das Verfahren reicht weit über den Gerichtssaal hinaus. SPIEGEL ONLINE gibt Antworten auf sieben zentrale Fragen rund um den Fall.

Chronik
20. März 2010 - Festnahme
Jörg Kachelmann, Meteorologe, Moderator und Schweizer Staatsbürger, wird nach seiner Rückkehr aus Kanada am Frankfurter Flughafen festgenommen. Er gehörte zum Team der ARD bei den Olympischen Spielen in Vancouver. Kachelmann soll seine Ex-Freundin in der Nacht zum 9. Februar vergewaltigt haben.
22. März 2010 - Gegenklage
Kachelmanns Anwalt weist die Vergewaltigungsvorwürfe als "frei erfunden" zurück. Der Moderator kündigt an, "wegen falscher Anschuldigung" Klage zu erheben. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft besteht jedoch dringender Tatverdacht.
23. März 2010 - Unschuldbeteuerung
Kachelmann beteuert seine Unschuld: "Er hat die ihm vorgeworfene Tat nicht begangen", teilen seine Kölner Anwälte auf ihrer Web-Seite mit.
24. März 2010 - Beim Haftrichter
Bei einem Termin beim Haftrichter in Mannheim bestreitet der TV-Wetterexperte die Vergewaltigung erneut. Der Haftrichter entscheidet jedoch, dass er vorerst in Untersuchungshaft bleiben muss. Kachelmann ruft wartenden Reportern zu: "Ich bin unschuldig."
27. März 2010 - Soko Flughafen
Nach Informationen des SPIEGEL war die Festnahme des Moderators von langer Hand geplant: Eine "Soko Flughafen" hat die Aktion drei Wochen lang vorbereitet, um möglichst wenig Aufsehen zu erregen.
4./5. Mai 2010 - Neue Ermittlungen
Kachelmanns Anwalt beantragt, den Haftbefehl aufzuheben. Eine Entscheidung darüber vertagt der Haftrichter jedoch. Zunächst müssten weitere Ermittlungsergebnisse vorliegen.
15. Mai 2010 - Korrektur der Vorwürfe
Nach Informationen des SPIEGEL hat die Ex-Freundin des Schweizers einen Teil ihrer Anschuldigungen zurückgenommen. Den Vorwurf der Vergewaltigung hält sie aufrecht.
17. Mai 2010 - Anklageerhebung
Die Mannheimer Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und Körperverletzung.
2. Juni 2010 - Entlastende Gutachten
In einem Gutachten zur Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers kommt die Bremer Psychologin Luise Greuel zu dem Schluss, dass die Schilderung der Vergewaltigung nicht die Mindestanforderungen an die logische Konsistenz, Detaillierung und Konstanz erfülle. Das mutmaßliche Opfer könne die Tat selbst bei eingehender Befragung nur vage und oberflächlich wiedergeben. Es würden auch Sachverhalte dargestellt, die handlungstechnisch unwahrscheinlich bis unmöglich seien.
15. Juni 2010 - Haftbefehl bleibt
Das Landgericht Mannheim teilt mit, dass die Strafkammer erst später über den Antrag von Kachelmanns Verteidigung auf Aufhebung des Haftbefehls entscheiden werde. Es müsse erst noch eine weitere Stellungnahme des Verteidigers geprüft werden.
25. Juni 2010 - Neuer Haftprüfungstermin
Das Landgericht Mannheim entscheidet, dass am 2. Juli ein Haftprüfungstermin stattfinden soll. Dabei werde auch Kachelmann erneut gehört.
29. Juni 2010 - Haftbeschwerde
Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock legt beim Oberlandesgericht Karlsruhe Haftbeschwerde ein. Damit fällt der Haftprüfungstermin am 2. Juli aus. Mit einer Entscheidung aus Karlsruhe wird Mitte Juli gerechnet.
1. Juli 2010 - Weiter in U-Haft
Das Landgericht Mannheim lehnt einen Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls ab. Kachelmann bleibt in Untersuchungshaft.
29. Juli 2010 - Entlassung aus der U-Haft
Das Oberlandesgericht Karlsruhe ordnet an, dass Kachelmann sofort aus der Untersuchungshaft entlassen werden muss. Begründung: "Im derzeitigen Stadium des Verfahrens besteht kein dringender Tatverdacht mehr."
6. September 2010 - Beginn Hauptverhandlung
Erster Verhandlungstag im Kachelmann-Prozess: Das Mannheimer Landgericht muss klären, ob der Moderator tatsächlich eine Ex-Freundin vergewaltigt hat. Bei einer Verurteilung drohen dem Wetter-Moderator bis zu 15 Jahre Haft.
Prozessverlauf
Am 29. November 2010 gibt Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock sein Mandat an Johann Schwenn ab. Über die Gründe für diesen überraschenden Schritt schweigt er.
Der Prozess wird sich voraussichtlich länger hinziehen: Zunächst war der 21. Dezember 2010 als letzter Prozesstag vorgesehen, dann wurden bis Ende März 19 weitere Termine reserviert - und nun wird voraussichtlich bis Mai verhandelt. Der Grund: Die zuständige Kammer will mindestens noch an sechs Tagen verhandeln - im April wird es allerdings voraussichtlich keine Termine geben, da Kachelmann drei Wochen nach Kanada reist, um dort Kinder aus einer früheren Ehe zu besuchen. Der Besuch sei notwendig, da er ansonsten sein Besuchsrecht verliere, begründete die Verteidigung die Unterbrechung.