Haftbefehl 16-Jähriger nach U-Bahn-Attacke festgenommen

Videoaufzeichnungen brachten Ermittler auf seine Spur: Zwei Wochen, nachdem ein Fahrgast in der Berliner U-Bahn bewusstlos getreten wurde, hat die Polizei nun Haftbefehl gegen einen Jugendlichen erlassen.


Berlin - Knapp zwei Wochen nach dem brutalen Angriff auf einen hilfsbereiten Fahrgast in der Berliner U-Bahn hat die Polizei den mutmaßlichen Täter gefasst. Gegen einen 16-jährigen Jugendlichen sei Haftbefehl erlassen worden, teilte die Polizei mit.

Der Schüler sei bereits zuvor wegen gefährlicher Körperverletzung auffällig gewesen. Der Jugendliche soll am 1. März einen 44-Jährigen in der U-Bahnlinie 9 bewusstlos getreten haben, weil er mitfahrende Frauen vor Pöbeleien des 16-Jährigen schützen wollte.

Wie die Polizei mitteilte, schlug der Täter sein Opfer zunächst ins Gesicht. Dann habe er sich an die Haltestangen der Bahn gehängt und dem couragierten Fahrgast mit voller Wucht gegen den Kopf getreten. Der 44-Jährige knallte gegen den Boden. Das Opfer musste reanimiert werden, kam ins Krankenhaus.

Gestern veröffentlichte Videoaufzeichnungen hatten auf die Spur des Jugendlichen geführt, der dann festgenommen wurde. Laut Polizei hatte der 44-Jährige seinen späteren Angreifer zufällig mit dem Handy gefilmt. Aufzeichnungen einer Überwachungskamera im Bahnhof Westhafen zeigten zudem, wie der Täter aus der U-Bahn flüchtete.

In einem weiteren Fall, der sich ebenfalls am 1. März in Berlin ereignete, stellte sich ein 23-Jähriger den Behörden. Der Mann soll an einer Messerattacke in einem Bus beteiligt gewesen sein. Der Busfahrer hatte zwei Männer an einer Haltestelle in der Oranienstraße aus dem Bus der Linie M 29 gewiesen, weil sie mehrere Fahrgäste angepöbelt hatten. Dabei war es zu einer Rangelei zwischen dem Fahrer und den beiden Randalierern gekommen. Schließlich stieß einer der beiden dem 34-Jährigen ein Messer in den Rücken. Der Busfahrer liegt nach wie vor zur stationären Behandlung im Krankenhaus. Einer der Täter hatte zudem eine 40-jährigen Frau, die schlichtend eingreifen wollte, gegen Kopf und Schienbein getreten und sie aus dem stehenden Bus gezerrt.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Berlin erließ ein Ermittlungsrichter gegen den 23-Jährigen sowie seinen 24-jährigen Komplizen Haftbefehle wegen gemeinschaftlichen versuchten Totschlags. Der 24-Jährige war zunächst noch flüchtig.

Beide Fälle hatten nach einer Häufung von Gewaltattacken in öffentlichen Verkehrsmitteln großes Entsetzen ausgelöst. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) forderten von der Politik neue Strategien gegen Gewalttaten in Bussen und U-Bahnen.

dek/dpa



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