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Haftbefehle gegen U-Bahn-Schläger: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes

Untersuchungshaft nach dem brutalen U-Bahn-Übergriff auf einen Rentner: Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die zwei Tatverdächtigen wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Der CSU-Innenminister will einen der beiden in die Türkei ausweisen.

Hamburg - Die Münchner Staatsanwaltschaft hat gegen die beiden U-Bahn-Schläger Haftbefehle wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung erwirkt. Das teilte die Polizei am Montag mit. Der 17-jährige Grieche und ein 20-jähriger Türke hatten vor vier Tagen in einem Münchner U-Bahn-Bahnhof einen 76 Jahre alten Rentner brutal zusammengeschlagen und ihm durch heftige Tritte gegen den Kopf schwerste Verletzungen zugefügt. Die beiden arbeitslosen Männer wurden in Untersuchungshaft genommen. Sie haben die Tat im Wesentlichen gestanden.

Die beiden mutmaßlichen Täter (unten rechts) auf dem Fahndungsfoto der Polizei: "Jetzt wirst du gerade Zeuge, wie ich einen Deutschen umbringe"
Polizei München

Die beiden mutmaßlichen Täter (unten rechts) auf dem Fahndungsfoto der Polizei: "Jetzt wirst du gerade Zeuge, wie ich einen Deutschen umbringe"

Der Gesundheitszustand des 76-Jährigen ist inzwischen stabil. Er sei bei Bewusstsein und schwebe nicht mehr in Lebensgefahr, sagte die Polizei. Die Männer hätten ihn als "Scheiß-Deutschen" beschimpft, gab der Rentner bei seiner Befragung an.

Die Beamten sprachen von einer "beispiellosen Brutalität". Die beiden Männer hätten keinerlei Reue gezeigt und erklärt, ihr Opfer sei "selbst schuld gewesen, weil er sie angemacht" habe, sagte ein Polizeisprecher.

Der Rentner hatte die Beiden aufgefordert, das Rauchverbot in der U-Bahn zu beachten. Daraufhin war er schwer misshandelt worden. Eine Video-Überwachungskamera hatte den Vorfall gefilmt. Die mutmaßlichen Täter waren schließlich über ein gestohlenes Handy gestellt worden.

Bayerns Innenminister droht mit Abschiebung

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann will gegen die beiden Verdächtigen hart durchgreifen. "Wenn es rechtlich möglich ist, werden wir den türkischen Straftäter ausweisen", sagte der CSU-Politiker laut "Bild"-Zeitung. "Bei dem anderen haben wir keine Handhabe, weil er EU-Bürger ist."

Herrmann forderte die Anhebung der Höchststrafe für solche Gewaltverbrechen von 10 auf 15 Jahre. Der CSU-Politiker bemängelte, dass die Justiz bei früheren Straftaten zu milde mit den beiden geständigen Tätern umgegangen
sei. "Die beiden hätten längst hinter Schloss und Riegel gehört.
Bloß weil es sich um Jugendliche handelt, können wir nicht so
nachsichtig sein", sagte er. "Wir müssen die Bevölkerung vor
solchen Gewalttätern schützen."

Auch CDU-Innenexpertin Kristina Köhler sprach sich für ein hartes Vorgehen gegen jugendliche Gewalttäter aus. "Dieser
erschütternde Fall belegt: Wir brauchen dringend Mittel und Wege, um jugendliche Intensivtäter aus dem Verkehr zu ziehen, bevor sie jemanden fast totschlagen", sagte sie.

Die beiden Tatverdächtigen gelten als Serientäter und sind schon Dutzende Male durch verschiedene Straftaten aufgefallen. Sie waren gestern Morgen festgenommen worden.

Kurz bevor sie den Rentner überfielen, hatten sie einem flüchtigen Bekannten das Handy gestohlen. Den 20-Jährigen aus dem Raum Göttingen hatten sie zuvor kennengelernt, waren mit ihm durch verschiedene Kneipen in der Münchner Innenstadt gezogen, hatten Alkohol und Drogen konsumiert. Mit dem Handy rief dann der Jüngere der beiden Bekannte an, als sie den Rentner schlugen, und sagte dabei unter anderem: "Jetzt wirst du gerade Zeuge, wie ich einen Deutschen umbringe!" Über diese Telefonate kam die Polizei den beiden auf die Schliche.

flo/AP/dpa/AFP/ddp

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