Haftstrafe: Zahnarzt zog Patientin sieben Zähne zu viel

In Sachsen-Anhalt ist ein Zahnarzt zu einer Haftstrafe von 14 Monaten verurteilt worden. Er hatte einer Patientin statt vier Zähnen gleich elf gezogen. Noch umfangreicher ging er in einem anderen Fall zu Werke.

Stendal - Weil er einer Patientin sieben Zähne zu viel gezogen hat, ist ein Zahnarzt aus Sachsen-Anhalt zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht Stendal sprach den 42-Jährigen der Körperverletzung schuldig und verhängte ein zweijähriges Berufsverbot.

Die hohe Strafe begründete das Gericht auch damit, dass der Zahnarzt bereits wegen des medizinisch nicht notwendigen Ziehens von 20 Zähnen in einem anderen Fall zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war und die neue Tat in der Bewährungszeit verübte.

Der Mann hatte im nun verhandelten Fall einer Patientin elf Zähne gezogen. Die Frau habe bei der Operation unter Vollnarkose aber nur mit maximal vier entfernten Zähnen rechnen müssen, entschied das Gericht. In das Urteil rechnete die Kammer auch eine frühere Geldstrafe wegen Abrechnungsbetrugs ein.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Zahnarzt in ihrem Plädoyer vorgeworfen, "ins Blaue hinein" operiert zu haben. Sie hatte sogar 16 Monate Haft gefordert, die Verteidigung hingegen einen Freispruch. In der ersten Instanz war der Zahnarzt zu 15 Monaten verurteilt worden. Dagegen hatte er Berufung eingelegt.

Das Urteil nahm der Angeklagte sichtlich getroffen auf. Sein Verteidiger kündigte an, eine Revision zu prüfen. Auch ein getrenntes Verfahren vor den Verwaltungsgerichten über den Entzug der ärztlichen Zulassung ist noch nicht letztinstanzlich entschieden. Bis zur Rechtskraft könne der Mann weiter als Zahnarzt praktizieren, sagte die Staatsanwältin.

Das Motiv des Mannes wurde in dem Prozess nicht deutlich. Der Zahnarzt selbst erklärte in der Verhandlung, aus seiner ersten Verurteilung gelernt zu haben und seine Befunde nun genauer zu dokumentieren. Zustimmungen seiner Patienten wolle er zudem künftig auf Video festhalten, weil das Gericht seine Unterlagen angezweifelt habe.

Bei der Behandlung ging es auch um viel Geld. Einmal zahlte die Patientin 3000 Euro, später noch einmal mehr als 11.000 Euro. Nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Vereinigung in Sachsen-Anhalt können Zahnärzte mit dem Ziehen von Zähnen und anschließendem Ersatz teils mehr verdienen als mit der Rettung von Zähnen. Das komme aber auf den Einzelfall an.

Der Vorsitzende Richter kritisierte bei der Verkündung des Urteils, dass der Angeklagte wenig zur Aufklärung beigetragen habe. "Das Gesamtgeschehen ist sehr eigentümlich." Mehrfach seien Dokumente erst später aufgetaucht. Auch wenn er keine Fälschungen unterstelle: "Das lässt einen fassungslos zurück." Ein Angeklagter, der zur Aufklärung beitragen wolle, verhalte sich anders.

hut/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Tipp: Studentenkurs
bdroege 22.05.2013
Um solche Probleme zu vermeiden und die nach medizinischen Standpunkt beste Behandlung zu bekommen gehe ich nur noch zum Studentenkurs im Uniklinikum Aachen. Allerdings dauert dort eine einfache Füllung viel länger da jeder Schritt vom Assistenzarzt/Oberarzt kontrolliert wird. Die in Wartezeiten durchgeführten Zahnreinigungen nerven irgendwann. Dort spielt Zeit praktisch keine Rolle so das auch abgewartet wird bis die Betäubung wirkt. (habe da bei anderen Zahnärzten sehr schlechte Erfahrung bemacht. Im Studentenkurs konnten bei mir mehrere fast vollständig zerstörte Zähne gerettet werden so das man Kronen nutzen konnte.
2. Hoffentlich
entenschaedel 22.05.2013
bekommt die Patientin auf kosten des Arztes eine zufriedenstellende Versorgung in Form von Inplantate.
3. 2 Jahre?
Jondo 22.05.2013
So einem sollte man die Approbation auf Lebenszeit entziehen, nicht zuletzt als Warnung für potenzielle Nachahmer.
4. Frage an das Gericht
DianaSimon 22.05.2013
Weshalb nur zwei Jahre Berufsverbot? Der Mann ist ein Wiederholungstäter. In zwei Jahren gehen wieder arglose Patienten zu ihm. Oder muß er das Urteil neben sein Zahnarztschild hängen? Falls ich mal eine Vollnarkose brauche, muß ich wohl meinen Anwalt bitten mich zu begleiten. Der Staat schützt uns nicht.
5. So ein Zeitgenosse
bambus07 22.05.2013
dürfte sich wohl allenfalls nominell Arzt nennen dürfen.
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