Hambacher Forst Handgranaten bei Umweltaktivisten gefunden

Bei der Räumung eines Camps von Umweltaktivisten hat die nordrhein-westfälische Polizei mehrere Handgranaten sichergestellt. Wurde die Weltkriegsmunition absichtlich in der Nähe der Barrikaden deponiert?

Waldbesetzercamp im Hambacher Forst (2012): Widerstand gegen Rodungen
DPA

Waldbesetzercamp im Hambacher Forst (2012): Widerstand gegen Rodungen

Von , Düsseldorf


Bei der Räumung eines befestigten Lagers von Umweltaktivisten im Hambacher Forst in der Nähe von Düren (NRW) wäre es beinahe zu einer Katastrophe gekommen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE fanden Beamte am Donnerstag in der Nähe der Barrikaden zwei intakte Handgranaten aus dem Zweiten Weltkrieg. "Die sollten womöglich als Sprengfallen dienen", sagte ein Kriminalbeamter.

Ein Feuerwerker des Energieunternehmens RWE, das das Waldstück zum Braunkohleabbau abholzen will, stufte beide Sprengkörper als funktionsfähig und hochgefährlich ein. Eine Detonation hätte demnach in einem Umkreis von 30 Metern tödlich sein können. Eine weitere Granate entdeckten Polizisten später in dem sogenannten Klimacamp der Aktivisten, die sich seit Jahren gegen Rodungen wehren und den Hambacher Forst besetzt halten.

Ein Sprecher der Initiative wies die Vorwürfe auf Anfrage zurück. Die Granaten seien nicht absichtlich gelegt worden. Es handele sich vielmehr um Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg, wie sie vielfach in dem seinerzeit stark umkämpften Gebiet zu finden seien, so der Pressekontakt der Aktivisten zu SPIEGEL ONLINE.

Pfefferspray, Blendgranaten, Knüppel

Die Beamten nahmen 14 Umweltschützer fest. Sie sollen sechs RWE-Mitarbeiter angegriffen und verletzt haben, zwei von ihnen schwer. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen griffen die Aktivisten mit Pfefferspray, Blendgranaten, Feuerwerkskörpern und Knüppeln an. Anschließend kletterten sie nach Polizeiangaben in die Baumwipfel und verschanzten sich dort.

In einer fast 13-stündigen Aktion holten Beamte, darunter ein Höheninterventionsteam, die Aktivisten mit Hubwagen von ihren Plattformen. Der Sprecher der Initiative sagte, die Aggression sei von den RWE-Arbeitern ausgegangen, man habe sich nur gewehrt.

Sollten die Granaten tatsächlich vorsätzlich platziert worden sein, handelte es sich nach Einschätzung von Staatsschützern um eine neue Dimension der Gewaltbereitschaft im linken Milieu. In dem aktuellen Lagebild "Politisch motivierte Kriminalität" des Bundeskriminalamts (BKA) heißt es: "Es ist von einer hohen Gewaltorientierung der linksextremistischen Szene auszugehen." Die Hemmschwelle, Polizisten zu attackieren, sei sehr niedrig. Angriffe würden "teilweise hemmungslos, offenbar mit dem Ziel nachhaltiger Körperverletzungen ausgeübt", was in Einzelfällen auch zu Todesfällen führen könne.

Gleichwohl betont das BKA in dem vertraulichen Dokument, dass die linke Szene überwiegend aus gewaltfreien Aktivisten besteht. Eine "terroristische Dimension" in dem Lager sei derzeit nicht erkennbar. Ein kleiner Teil, die sogenannten Autonomen, schrecke aber auch vor schwersten Gewalttaten nicht zurück.

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