Sterbehilfeprozess in Hamburg Richter spricht angeklagten Arzt frei

Ein Arzt hatte im Jahr 2012 zwei alten Frauen tödliche Medikamente gebracht. Das Landgericht Hamburg sprach den Mediziner jetzt frei.

Angeklagter im Sterbehilfeprozess im Landgericht Hamburg
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Angeklagter im Sterbehilfeprozess im Landgericht Hamburg


Ein Prozess um Sterbehilfe am Hamburger Landgericht hat mit einem Freispruch für den Angeklagten geendet. Dem Mediziner war versuchte Tötung auf Verlangen durch Unterlassen vorgeworfen worden.

Der 75-Jährige war angeklagt worden, weil er zwei über 80-jährigen Frauen im November 2012 tödliche Medikamente gebracht hatte. Die Anklage hielt dem Arzt vor, er hätte Rettungsmaßnahmen einleiten müssen, sobald die Frauen bewusstlos waren. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft für den Mediziner gefordert.

Der Vorsitzende Richter sagte nun, dass die Entscheidung der Seniorinnen, aus dem Leben scheiden zu wollen, von ihnen bewusst getroffen worden sei. Beide hätten nicht zu unüberlegten spontanen Entscheidungen geneigt.

Die Zulassung des Prozesses hatte sich über mehrere Jahre gezogen. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich auch den früheren Hamburger Justizsenator Roger Kuschangeklagt. Der 63-Jährige ist Vorsitzender des Vereins "Sterbehilfe Deutschland", dem die Frauen einige Zeit vor ihrem Tod beigetreten waren. Das Verfahren gegen Kusch wurde jedoch nicht eröffnet.

bbr/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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Annabelle1811 08.11.2017
1. Ich wünsche mir,
daß ich auch so einen Arzt an der Seite habe, wenn man wegen hoffnungsloser Gebrechlichkeit und Schmerzen gehen will.
geotie 08.11.2017
2.
Meine Mutter hat mich auf dem Sterbebett gefragt, ob ich nicht irgendein Gift hätte um die Schmerzen, die sie als die Schlimmsten in ihrem Leben bezeichnete, zu beenden. Leider hatte ich nichts was sie hätte sich selbst verabreichen können. Wenn ich sehe, dass es mit mir zu Ende geht, werde ich mir vielleicht eine Kiste bauen, wo kein Sauerstoff nachkommt und ich ohne weitere Schmerzen rüber dämmere.
vish 08.11.2017
3. Gutes Urteil
"Versuchte Tötung auf Verlangen durch Unterlassen". Schon irre was sich unser angeblich säkularer Staat einfallen lässt, um die - lukrative - Praxis des in-christlicher-Nächstenliebe-zu-Tode-Pflegens aufrechtzuerhalten.
global.payer 08.11.2017
4. jeder Hund kann eingeschläfert werden
aber Menschen müssen ggf. unerträglich leiden. Es wird Zeit, dass man in Würde und selbstbestimmt aus dem Leben gehen kann. Ich hoffe, dass mir das gelingt.
Fred the Frog 08.11.2017
5.
Bei der Strafbarkeit sollte man nicht an den Arzt denken oder gar an den Vorsitzenden eines Sterbehilfevereins, sondern an den Staatsanwalt und sonstige Verantwortliche im Justizsystem, die fünf Jahre brauchen, um zu einem Urteil zu kommen. Andere Staaten schaffen es sogar, die Sterbehilfe gesetzlich zu ermöglichen. Wer weiß, wievielen Lokführer und LKW-Fahrern ein Trauma erspart geblieben wäre.
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