Messerattacke in Hamburg Tödlicher Angriff in der Einkaufsstraße

Ein Mensch starb, sieben wurden verletzt: In Hamburg hat ein 26-Jähriger Menschen mit einem Messer angegriffen. Nach SPIEGEL-Informationen lebte der mutmaßliche Täter in einem Flüchtlingsheim, es wurde durchsucht.

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Von , und Steffen Vogel


Die Polizei hat die Kreuzung abgesperrt, Beamte mit Schnellfeuerwaffen stehen Wache. Die Gegend an der Fuhlsbüttler Straße im Hamburger Stadtteil Barmbek ist eine beliebte Einkaufs- und Flaniermeile. Hier hat sich am Nachmittag, kurz nach 15 Uhr, ein grausiger Angriff ereignet: Mit einem großen Messer stach ein Mann in einem Supermarkt und auf der anschließenden Flucht offenbar wahllos auf Menschen ein.

Ein 50-Jähriger ist tot, sechs Männer im Alter von 19 bis 64 Jahren und eine 50-jährige Frau sind teils schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen und soll dabei ebenfalls verletzt worden sein.

Nach Informationen des SPIEGEL handelt es sich um den 26-jährigen Ahmad A., der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren wurde und als Flüchtling nach Deutschland kam. Ob er aus ideologischen Motiven gehandelt hat, ist bisher unklar. A. hatte Kontakte in die salafistische Szene. Allerdings habe er auch unter psychischen Problemen gelitten und regelmäßig Drogen konsumiert, heißt es in Sicherheitskreisen.

A. lebte zuletzt in einem Flüchtlingsheim in Hamburg. Die Polizei durchsuchte die Unterkunft. "Ob wir etwas gefunden haben, können wir zur Stunde nicht bekannt geben", sagte ein Polizeisprecher am Samstagmorgen.

Laut Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter "offensichtlich um einen Ausländer, der ausreisepflichtig war". Er habe aber nicht abgeschoben werden können, weil er keine Papiere hatte, teilte Scholz am Freitagabend mit. "Zusätzlich wütend macht mich, dass es sich bei dem Täter offenbar um jemanden handelt, der Schutz bei uns in Deutschland beansprucht und dann seinen Hass gegen uns gerichtet hat."

Mehrere Zeugen wollen gehört haben, dass der Angreifer "Allahu Akbar" rief. Die Polizei konnte das bisher nicht bestätigen. Es werde in alle Richtungen ermittelt.

Klarer zeichnet sich ab, wie der mutmaßliche Täter überwältigt wurde: Zeugenaussagen und Videobilder belegen, dass mehrere Männer hinter dem mutmaßlichen Täter herrannten, ihn mit Stühlen und Steinen bewarfen und stoppten. Zivilfahnder nahmen den Mann schließlich fest. Sie sollen Zeugen zufolge auch Warnschüsse abgegeben haben.

Nach Informationen von SPIEGEL TV schlug ein 35-Jähriger den mutmaßlichen Täter an einer Bushaltestelle mit einer Stange nieder. Er selbst kugelte sich dabei die Schulter aus.

SPIEGEL TV

In einem Lebensmittelladen bekam ein zehn Jahre alter Junge die Jagdszenen vor der Tür mit. "Ich bin nach unten gerannt und habe meinen Vater gewarnt, dass hier ein Mann mit Messer rumläuft", sagte der Junge. "Ich hatte so fürchterliche Angst, dass sie hier jeden abstechen."

Auch er sah, wie mehrere Menschen Stühle auf den Mann mit dem Messer in der Hand warfen. Ein Verletzter habe sich in einen Handyladen nebenan geschleppt, erzählt der Junge.

Ein Stein habe den Angreifer am Kopf getroffen, sagte Kerstin Hesselbarth. Sie arbeitet in einem Friseurladen und konnte die Szene aus dem Salon heraus beobachten. Polizisten sollen mehrere Warnschüsse abgegeben haben.

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Messerattacke in Hamburg: Angriff beim Einkauf

Die Ermittler haben eine Sonderkommission eingerichtet, beteiligt sind LKA-Beamte der Mordkommission und des Staatsschutzes.

Am Abend ist die Stimmung der Anwohner und Geschäftsleute größtenteils gefasst. Menschen essen weiter Kebab, Pizza oder Asia-Nudeln. Eine Frau sitzt vor einem Café und sagt: "Wir hatten doch gerade G20, langsam reicht's."

Mitarbeit: Roman Lehberger



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