Getötete Zweijährige in Hamburg Gericht verurteilt Vater zu lebenslanger Freiheitsstrafe

Sohail A. muss für lange Zeit ins Gefängnis. Er wurde wegen Mordes an seiner kleinen Tochter verurteilt.

Sohail A. mit Dolmetscher vor Gericht
Ot Ibrahim/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Sohail A. mit Dolmetscher vor Gericht


Das Hamburger Landgericht hat Sohail A. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, weil er seine zweijährige Tochter tötete. In dem Urteil wurde auch die besondere Schwere der Schuld festgestellt, sagte eine Mitarbeiterin der Pressestelle des Hanseatischen Oberlandesgerichts.

Das Gericht sprach A. demnach wegen Mordes, vorsätzlicher Körperverletzung in drei Fällen, Bedrohung und versuchter Nötigung schuldig. "Es war ein Rachemord", sagte der Vorsitzende Richter Stephan Sommer. Gleichzeitig habe A. mit der Tat seine ebenfalls pakistanische Frau bestrafen wollen.

Hintergrund
Lebenslange Freiheitsstrafe

Die höchste Strafe, die ein Gericht in Deutschland verhängen kann. Bei Mord ist sie zwingend vorgeschrieben. Aber auch bei anderen besonders schlimmen Verbrechen, etwa Vergewaltigung mit Todesfolge, kann das Urteil „lebenslang“ lauten. Im strengen Wortsinn wird der Täter damit endgültig eingesperrt. Mit Blick auf die Menschenwürde muss er aber eine konkrete Chance haben, später wieder freizukommen. Die lebenslange Freiheitsstrafe kann daher nach frühestens 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Täter kommt aber nur frei, wenn man ihn dann als nicht mehr gefährlich ansieht. Dafür wird ein Gutachter hinzugezogen und das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung berücksichtigt.

Besondere Schwere der Schuld

Die vorzeitige Entlassung auf Bewährung nach 15 Jahren scheidet in der Regel aus, wenn das Gericht im Urteil die „besondere Schwere der Schuld“ festgestellt hat. Die Richter müssen hierzu Tat und Persönlichkeit des Täters würdigen. Sie prüfen, ob Umstände vorliegen, die das Aussetzen der lebenslangen Freiheitsstrafe nach 15 Jahren unangemessen erscheinen lassen. Das können etwa ein besonders brutales Vorgehen, sadistische Motive des Täters oder die Ermordung mehrerer Menschen durch eine Tat sein. Wird die besonders schwere Schuld festgestellt, muss die Strafvollstreckungskammer nach 15 Jahren die weitere Mindesthaftdauer festlegen. Auch in diesem Fall kommt der Verurteilte erst dann frei, wenn er nicht mehr als gefährlich gilt - vorausgesetzt, er selbst will freikommen.

Sicherungsverwahrung

Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Gericht neben einer Freiheitsstrafe anschließende Sicherungsverwahrung anordnen. Sie kommt sowohl bei lebenslangem als auch bei kürzerem Freiheitsentzug in Betracht. Dies dient allein dem Schutz der Allgemeinheit vor gefährlichen Tätern. Sicherungsverwahrte müssen getrennt von den Gefangenen untergebracht werden. Sie haben bessere Alltagsbedingungen und werden intensiv betreut. Es wird regelmäßig geprüft, ob die Unterbringung noch erforderlich ist.

Die Anordnung der Sicherungsverwahrung neben einer lebenslangen Freiheitsstrafe wirkt eigentlich überflüssig. Denn solange der Täter gefährlich ist, muss er im Gefängnis bleiben. Und ist er nicht mehr gefährlich, kommt er nicht in Sicherungsverwahrung, sondern nach frühestens 15 Jahren auf Bewährung frei. Die Entscheidung ist trotzdem nicht sinnlos: Dem Täter muss dann schon im Gefängnis eine umfassende therapeutische Betreuung angeboten werden. Außerdem kann er nach seiner möglichen Entlassung länger und intensiver überwacht werden.

Sonderfall bei Heranwachsenden

Wer bei einer Straftat schon volljährig, aber noch nicht 21 Jahre alt war, muss sich als sogenannter Heranwachsender in einem Jugendstrafverfahren verantworten. Stellt das Gericht fest, dass der Täter in seiner Entwicklung einem Jugendlichen gleichstand, kann es höchstens zehn Jahre Jugendstrafe verhängen, bei einem Mord und besonders schwerer Schuld bis zu 15 Jahre. Wenn die Richter keine Reifeverzögerung sehen, wenden sie normales Erwachsenenstrafrecht an. Selbst dann dürfen sie den Täter bei Mord statt zu lebenslanger Freiheitsstrafe zu zehn bis fünfzehn Jahren verurteilen. Sicherungsverwahrung darf bei Heranwachsenden nicht neben der Strafe angeordnet werden, dass Gericht darf sich diese lediglich „vorbehalten“. Die eigentliche Entscheidung wird dann erst kurz vor Ende des Strafvollzugs getroffen.

A. hatte seine Tochter am 23. Oktober vergangenen Jahres im Hamburger Stadtteil Neugraben-Fischbek mit einem Messer getötet und fast enthauptet. Danach floh er nach Spanien, wo er wenig später gefasst wurde.

Sohail A. hatte zum Prozessauftakt gestanden seine Tochter getötet zu haben. Die Mutter des Mädchens hatte ihn schon vor der Tat wegen Bedrohung und Körperverletzung angezeigt.

Die Kammer entsprach mit dem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte beantragt, ihren Mandanten wegen Totschlags bei verminderter Schuldfähigkeit zu sieben Jahren Haft zu verurteilen. A.s Anwalt kündigte an, dass die Verteidigung sehr wahrscheinlich in Revision gehen werde.

bbr/dpa

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