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Hamburg: Jugendliche traten Mann wegen 20 Cent tot

Es ging um eine lächerliche Summe: Zwei 16 und 17 Jahre alte Jugendliche aus Hamburg schlugen laut Polizei einen Mann in einer Tunnelanlage nieder und töteten ihn mit Tritten gegen den Kopf. Der 44-Jährige hatte sich geweigert, den beiden 20 Cent zu geben - jetzt wurden die mutmaßlichen Täter verhaftet.

Hamburg - Die Tat soll sich bereits am 12. Juni ereignet haben, nun wurden die beiden Jugendlichen wegen Verdachts auf Totschlag verhaftet. Sie sollen einen unschuldigen Passanten zu Tode getreten haben - aus einem nichtigen Motiv: Das Opfer wollte den Jugendlichen offenbar kein Geld geben. "Nach unseren Erkenntnissen hatten sie den Mann nach 20 Cent gefragt", sagte Polizeisprecherin Karina Sadowsky SPIEGEL ONLINE. Als der 44-Jährige aus dem niedersächsischen Winsen an der Luhe abgelehnt habe, habe ihn einer der mutmaßlichen Täter zu Boden geschlagen.

Dann traten die Jugendlichen laut Polizei in der Fußgängerunterführung auf ihr Opfer ein, insbesondere gegen den Kopf. Anschließend rannten sie demnach unerkannt zu einem nahen Bahnhof im Ortsteil Harburg. Ein Begleiter des Opfers alarmierte die Rettungskräfte. Der Mann starb nach drei Wochen im Krankenhaus an schweren Kopfverletzungen.

Die Polizei kam über Videoaufzeichnungen aus dem nahen Bahnhof auf die Spur der Verdächtigen, sie wurden außerdem von Zeugen identifiziert. "Wir haben die Überwachungsbänder unter Polizeibeamten gezeigt, dadurch kamen erste Hinweise", so Polizeisprecherin Sadowsky. Der Begleiter des getöteten Mannes konnte nicht helfen, weil er zum Tatzeitpunkt stark betrunken war.

Das Amtsgericht erließ gegen die Verdächtigen, einen Deutschen und einen Türken, Haftbefehle, die am Montag vollstreckt wurden. Beide sind wegen kleinerer Delikte bereits polizeibekannt. Ein dritter mutmaßlicher Tatbeteiligter im Alter von 16 Jahren blieb dagegen auf freiem Fuß. "Er stand wohl bei der Tat daneben", sagte Sadowksy. Die beiden verhafteten Jugendlichen schweigen zu den Vorwürfen. Sie haben bislang noch nicht einmal Angaben zur Person gemacht.

jdl/AP

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Forum - Jugendgewalt - kann lückenlose Videoüberwachung das Problem lösen?
insgesamt 1017 Beiträge
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1.
capu65, 19.09.2009
Zitat von sysopGewalt auf U-Bahnhöfen und anderen öffentlichen Plätzen erregt Bürger und Politiker. Lösungen und Prävention werden heftig diskutiert. Immer wieder ein Favorit ist die lückenlose Videoüberwachung von Gewalt-Brennpunkten. Kann sie entscheidend zur Lösung des Problems Jugendgewalt beitragen?
Die meisten jugendlichen Gewalttäter werden sich nicht von Videokameras aufhalten lassen. Diese denken nicht rational in solchen Momenten. Alkohol, Drogen und das wichtigste, Testosteron sind stärker als der Gedanke an Videokameras.
2.
discipulus, 19.09.2009
Zitat von sysopGewalt auf U-Bahnhöfen und anderen öffentlichen Plätzen erregt Bürger und Politiker. Lösungen und Prävention werden heftig diskutiert. Immer wieder ein Favorit ist die lückenlose Videoüberwachung von Gewalt-Brennpunkten. Kann sie entscheidend zur Lösung des Problems Jugendgewalt beitragen?
Video-"Überwachung" ist die Methode des repressiven Staates, der Diktaturen jeglicher Farbschattierung. Sinnvoller wäre, es Kamera-Attrappen aufzustellen vergleichbar mit den Notrufsäulen-Attrappen auf den Strecken der Bayerischen Oberlandbahn wie beim Mord in München-Solln dokumentiert.
3. Ganz kurze Antwort: NEIN! Man braucht "Bodentruppen"
caillebotte, 19.09.2009
Zitat von sysopGewalt auf U-Bahnhöfen und anderen öffentlichen Plätzen erregt Bürger und Politiker. Lösungen und Prävention werden heftig diskutiert. Immer wieder ein Favorit ist die lückenlose Videoüberwachung von Gewalt-Brennpunkten. Kann sie entscheidend zur Lösung des Problems Jugendgewalt beitragen?
auch wenn ich einen Beitrag aus einem anderen Thread sinngemäß wiederhole. Sehr lange, bevor der Mord an Herrn Brunner passiert war hatte ich das Problem, auf dem U-Bahnhof Münchener Freiheit zu stehen, als jugendliche anfingen, dort eine veritable Schlägerei unter Anwendung asiatischer Kampftechniken aufzuführen - und das war KEINE SHOW! Die von mir per Notruf auf dem perfekt videoüberwachten Bahnhof gerufene Polizei war auch nach ca. 15 Minuten noch nicht da. Ich habe mich dann "diskret zurückgezogen" weil ich keine Lust hatte totgeschlagen zu werden, wenn sich schon die Polizei nicht blicken lässt, die es ob ihrer Bewaffnung etwas einfacher hat da einzugreifen als jemand, der nicht mal einen weissen Gürtel in Karate hat :-) Von daher - ähnlich, wie es Herrn Oberst Klein in Afghnistan gerade ging - wenn man qualifiziert etwas verhindern will, braucht man nicht nur Aufklärung, sondern auch Bodentruppen in ausreichender Menge. Videokameras ohne Poliziei, die auch eingreift sind SINNLOS. Und wenn ich es den Diskussionen hier richtig entnommen habe: * Stellen bei der Polizei werden gestrichen * offensichtlich zu viel Verwaltung und zu wenig Beamte auf der Strasse * Video ist da nur ein billiges Placebo für die Bevölkerung - das leider noch üble Nebenwirkungen hat. Und zum Schluss noch einer: War neulich mal in England - habe abends BBC Nachrichten geschaut. Da hatten sie an einem Abend zwei perfekte Filme von Morden - schön auf Video - nur die Opfer waren leider - na was - TROTZDEM TOT! In GB haben sie jetzt sehr viele Mordvideos - aber leider auch nicht weniger Opfer.
4. münchen
romy88 19.09.2009
Ich würde gern eure Meinung wissen, auch wenn ihr keine Hintergründe wisst. Denkt ihr dass die Polizei zu spät reagiert hat und eher am Bahnsteig hätte eintreffen sollen ,immerhin sind es zw. Donnersb. Br. und Solln noch 4 stationen oder tragen die beamten keine mitschuld ,weil es nicht unmöglich ist so schnell von A nach B zu kommen,was meint ihr?
5.
shakowsky 19.09.2009
Man sollte da denke ich auch mal die Kirche im Dorf lassen. Dank einer (durch die Medien, auch den Spiegel) massiv begünstigten Befindlichkeit in Deutschland ist ANGST das vorherrschende Lebensgefühl des grössten Teils der Bevölkerung. Mit ANGST lässt sich nämlich blendend Auflage machen, Angst vor Moslems, Milben, Jugendlichen, Feinstaub, Kopfhörern, ungewaschenem Obst... Wenn sich Jugendliche prügeln, muss man weder einschreiten, noch die Polizei rufen. Das tun Jungs seit hunderttausenden von Jahren. Wenn Leute, die am Boden liegen, zusammengetreten werden, dann MUSS man einschreiten, und wenn die Täter von Solln jeweils 10 Jahre kriegen, würde ich jeden Zeugen ohne wenn und aber zur Hälfte davon verdonnern, etwas erbärmlicheres als 15 Leute, die zuschauen, wie ein einzelner von zwei Kindern totgeschlagen wird, lässt sich nur schwer vorstellen. Und nein, wenn ich dem Mann helfe, muss ich eben NICHT um mein eigenes Leben fürchten, denn allein das Schaffen einer zwei gegen zwei Situation (geschweige denn einer 15 gegen zwei Situation) hätte die ganze Sache in Null Komma Nix aufgelöst. Video Überwachung verhindert - siehe England - gar nichts. Weniger "Wegschauen aus Angst, involviert zu werden" - Mentalität, wie sie das Opfer gezeigt hat (leider als einziger und daher mit diesem tragischen Ausgang) ändert alles. DAS ist der wahre Skandal, die Gaffer. Übrigens...letztes Jahr hat hier in Mü-Neuperlach ne Mädchengang jemanden stationär ins Krankenhaus befördert, das ist kein reines (wenn auch zugegeben ein überwiegendes9 Testosteron Phänomen. Das hat eher was mit nicht vermittelten Werten zu tun. Und solange in München grossangelegte Razzien auf Fahrradfahrer, die auf der falschen Strassenseite fahren, veranstaltet werden, solange Strafverfahren für den Besitz winziger Cannabiskrümel eingeleitet werden, solange die Hauptbeschäftigung der Beamten das Verteilen von Strafzetteln ist und solange die lieben Fernsterbank Bürger lieber die Polizei anrufen, als selber mal Farbe zu bekennen in ihren Gartenzaunkonflikten, solange sehe ich auch keinen Bedarf an mehr Beamten. Die sollten halt mal aufhören, Greifertrupps am Bahnhof hinter Schulschwänzern herzuschicken, dann kommen sie auch mit der Arbeit hinterher.
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