Misshandeltes Baby in Hamburg Jugendamt nimmt Geschwister aus der Familie

Die Polizei in Hamburg ermittelt wegen versuchten Totschlags gegen eine 25-Jährige und ihren Lebensgefährten. Das Paar soll ein Baby fast zu Tode geschüttelt haben. Dessen Geschwister leben nun in einem Kinderschutzhaus.


Nachdem ein neun Monate altes Baby im Hamburger Stadtteil Osdorf fast zu Tode geschüttelt wurde, hat das Jugendamt nun die vier Geschwister aus der Familie genommen. Sie seien in einem Kinderschutzhaus untergebracht, sagte ein Sprecher des Bezirksamts Altona. Der lebensgefährlich verletzte Junge kam nach Angaben der Polizei nach einer rettenden Notoperation in eine Pflegefamilie.

Die 25 Jahre alte Mutter des misshandelten Jungen und ihr 21-jähriger Lebensgefährte seien die leiblichen Eltern aller fünf Kinder, sagte ein Polizeisprecher. Gegen die Eltern werde wegen versuchten Totschlags ermittelt. Das Paar sei aber auf freiem Fuß. Derzeit würden die sichergestellten Beweismittel einer Wohnungsdurchsuchung ausgewertet.

Die Eltern stehen im Verdacht, das Baby im vergangenen November fast zu Tode geschüttelt zu haben. Bereits zuvor war die Familie vom Jugendamt Altona betreut worden. Der Vater des Jungen ist schon mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten.

Fall erst zwei Monate nach der Tat öffentlich geworden

Der 21-Jährige habe den Vorwurf, er oder seine Lebensgefährtin seien für die Verletzungen verantwortlich, zurückgewiesen, heißt es in mehreren Medienberichten. Beide Elternteile hätten behauptet, dass der Junge versehentlich von der Couch gestoßen worden sei, als die Geschwisterkinder miteinander spielten, schrieb das "Hamburger Abendblatt". Polizei und Staatsanwaltschaft wollten sich dazu nicht äußern.

In den vergangenen Monaten waren mehrfach Fälle von Kindesmisshandlungen in Hamburg bekanntgeworden. Am 19. Dezember starb der zwölf Monate alte Tayler nach einer schweren Misshandlung. Gegen die 23-jährige Mutter und ihren Freund, der nicht der Vater des Jungen ist, wird ermittelt. Ende April 2015 wurde der drei Monate alte Jamie-Dean so heftig geschüttelt, dass er seitdem schwerstbehindert ist. Ende November verurteilte das Hamburger Landgericht den Vater zu siebeneinhalb Jahren Haft.

Der familienpolitische Sprecher der CDU in der Bürgerschaft, Philipp Heißner, äußerte sich erschüttert über den neuen Fall. Offenbar sei den Behörden bekannt gewesen, dass die 25-jährige Mutter mit der Erziehung und Pflege ihrer fünf Kinder überfordert gewesen sei. Darum habe die Familie bereits Erziehungsunterstützung vom Jugendamt erhalten. Das Baby habe seine ersten Lebensmonate in einer Pflegefamilie verbracht.

Warum er trotzdem wieder zurück in dieses Umfeld gelassen wurde, müsse jetzt geklärt werden, forderte Heißner. Die CDU-Fraktion wolle auch wissen, warum der Fall erst zwei Monate nach der Tat öffentlich geworden sei.

wit/dpa



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