"Cold Cases"-Einheit Hamburg Mordfall nach 36 Jahren aufgeklärt

Vor 36 Jahren verschwand Beata Sienknecht in Hamburg. Nun wurde der Fall aufgeklärt. Der mutmaßliche Mörder der dreifachen Mutter befindet sich wegen weiterer Tötungsdelikte bereits seit Jahren in Gewahrsam.

Hamburger Ermittler
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Fast vier Jahrzehnte lebte die Familie von Beata Sienknecht in Ungewissheit, nun steht fest: Die dreifache Mutter, die 1981 verschwunden ist, wurde ermordet. Die Einheit "Cold Cases" des Hamburger Landeskriminalamtes kam einem 58 Jahre alten Mann auf die Spur, der bereits gestanden hat, die Frau getötet zu haben, wie die Polizei mitteilte. "Für die Angehörigen enden 36 Jahre Zweifel", sagt "Cold Cases"-Leiter Steven Baack. Der Beschuldigte gehöre dem entfernten Bekanntenkreis an.

Sienknecht hatte am 13. Oktober 1981 nach einem Streit mit ihrem Ehemann Beistand bei einer Freundin gesucht. Später, so schilderte es die Freundin als Zeugin der Polizei, wollte sie wieder zurück in ihre Wohnung. Doch dort kam die damals 36-Jährige aus Hamburg-Steilshoop nie an.

Im März dieses Jahres stießen die Ermittler der "Cold Cases"-Einheit dann auf den bis dahin ungelösten Fall und sorgten dafür, dass er neu aufgerollt wurde. Nun ist das Rätsel um Sienknecht gelöst: Ein heute 58-jähriger Mann soll die Friseurin getötet und ihre Leiche beseitigt haben.

Den entscheidenden Hinweis hatten die Ermittler aus den sozialen Netzwerken erhalten. Die Polizei Hamburg veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite zwei Videos zu dem Fall und stellte Fragen dazu. Eine Frau schrieb einen Kommentar, der die Polizisten aufmerksam werden ließ. Sie machten die Facebook-Nutzerin ausfindig und befragten sie als Zeugin. Dabei habe sie "mehr oder weniger aufgrund einer zufälligen Äußerung" den Hinweis auf den Beschuldigten gegeben, sagt Baack.

1985 wegen anderer Morde verurteilt

Und der ist kein Unbekannter. Der Mann brachte - so schildert es der Ermittler - 1984 in Hamburg eine Frau, ihre acht Jahre alte Tochter und ihren zehn Jahre alten Sohn um. 1985 wurde er dafür rechtskräftig verurteilt, er sitzt in der geschlossenen Psychiatrie.

Nun prüft die Hamburger Polizei, ob der heute 58-Jährige noch für weitere Kapitelverbrechen verantwortlich ist. Es gehe dabei ausnahmslos um weitere Tötungsdelikte beziehungsweise ein versuchtes Tötungsdelikt, sagt Baack, ohne weitere Details zu nennen.

Der Mann habe angegeben, Beata Sienknecht nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig getötet zu haben, sagt Baack: "Zum aktuellen Zeitpunkt der Ermittlungen bezweifeln wir das." Ihr Leichnam werde voraussichtlich nicht mehr gefunden - trotz des Geständnisses des Tatverdächtigen. Doch auch wenn die Angehörigen Beata Sienknecht wohl nicht mehr bestatten können, sei es offensichtlich eine große Erleichterung für sie gewesen, "wenigstens ein Datum zu haben, an dem zu trauern ist", schildert Baack ein Treffen mit den Verwandten.

Für LKA-Chef Frank-Martin Heise, der die Ermittlergruppe im September 2016 eingerichtet hatte, macht die Aufklärung des Falls deutlich, "dass Tote bei uns eben eine Lobby haben". Und die gute Botschaft sei auch, dass sich andere Mörder nicht sicher sein könnten, dass die Polizei nicht demnächst bei ihnen vor der Tür steht. Zumal sich die Hamburger "Cold Cases"-Ermittler derzeit mit sechs weiteren Fällen genauer befassen. "Wir vergessen nicht", verspricht Baack.

bbr/asc/dpa



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