Hamburger Soko gegen Einbrecher Notruf aus dem Kleiderschrank

Zwei Männer durchwühlen ein Haus und werden festgenommen: Glück für die Hamburger Soko "Castle", die gegen Einbrecherbanden kämpft. In dem Fall half den Ermittlern ein mutiger Teenager.

Von Beate Schwarz


Sebastian Schröder ist ein erfahrener Kriminalbeamter. Aber bei einem Notruf wie diesem musste selbst er schlucken: Die Aufnahme eines 16-jährigen Einbruchsopfers beeindruckte Schröder und seine Kollegen tief: "Der Junge war direkt dabei, als Einbrecher in sein Elternhaus einstiegen. Das geht unter die Haut, wenn man spürt, in welcher Notsituation sich der Junge befunden hat. Und dass er noch die Nerven hatte, die Polizei zum Tatort zu lotsen."

Während zwei Männer lautstark Schubladen und Schränke im ganzen Haus durchwühlten, versteckte sich der Jugendliche in seinem begehbaren Kleiderschrank und hielt telefonisch den Kontakt zu den Ermittlern.

Die Einbrecher brachen die Tür zum Zimmer des Teenagers auf, standen direkt vor der Schranktür. Genau in dem Moment erreichten die ersten Streifenwagen das Haus. Zwei Männer aus Albanien wurden festgenommen.

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Hamburger Einbruchsermittler: Die Arbeit der Soko "Castle"

Mit Fällen wie diesem beschäftigen sich die Ermittler der Sonderkommission "Castle". Seit 2015 ist die Einheit mit rund hundert Beamten Hamburgs Antwort auf Einbruchkriminalität. Durchschnittlich verzeichnete die Stadt einen Einbruch pro Stunde. Die Täter werden nur in etwa zwölf Prozent der Fälle geschnappt. Auch deshalb setzt die Soko "Castle" vermehrt auf Abschreckung und Prävention. Mittlerweile sinken die Zahlen in der Stadt, erreichten im vergangenen Jahr mit exakt 5769 registrierten Fällen ein Zehnjahrestief.

SPIEGEL TV hat die Soko "Castle" bei der Arbeit begleitet. Die Ermittler arbeiten unter der Annahme, dass Einbrecher Serientäter sind. "Erkennt man die Serie, findet man schneller zum Täter. Und wenn man ihn schnappt, dann klärt sich gleich eine Vielzahl von Einbrüchen auf", sagt Alexandra Klein, Leiterin der Sonderkommission.

So war es auch im Fall der albanischen Täter im Elternhaus des 16-Jährigen. Schnell stellte sich heraus: Einer von ihnen, Martin S., hatte zuvor schon etliche Einbrüche in Schleswig-Holstein begangen. Und noch etwas vermuten die Einbrecherjäger der Soko "Castle". Laut ihrer Hypothese müsste Martin S. ein sogenannter "reisender Täter" sein, ein Serieneinbrecher, der viele Länder durchquert, immer auf der Suche nach günstigen Gelegenheiten zum Einbruch.

"Es gibt bestimmte lose Netzwerke, in denen man sich spontan verabredet, gemeinsam Einbrüche zu begehen", sagt Soko-Chefin Klein. "Oft gibt es auch Unterstützung durch hier ansässige Mittäter aus dem jeweiligen Heimatland. Meist verfügen diese Netzwerke auch über Absatzwege, sodass das Diebesgut schnell zu Geld gemacht werden kann."

Einbruchsatlas Deutschland

Seit Kurzem arbeiten die Hamburger Ermittler mit der albanischen Staatspolizei zusammen. Die Taskforce "Anti-Skifter" ist eine Einrichtung des Bundeskriminalamts. Sie soll eine bessere Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern vieler Täter ermöglichen. Der Ermittlungsleiter der Soko "Castle", André Kropat, reiste nach Tirana. Eines seiner Anliegen dort: der Fall des geschnappten Einbrechers Martin S.

Tatsächlich fanden sich im Datensystem der albanischen Kollegen jede Menge Einträge unter dem Geburtsdatum des in Hamburg inhaftierten Mannes. Er war bereits in drei europäischen Ländern wegen Einbruchs verurteilt worden. Solches Hintergrundwissen war für den Gerichtsprozess gegen Martin S. in Hamburg interessant. Der Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Von dem Informationsaustausch mit der albanischen Polizei erhoffen sich die deutschen Beamten einen Durchbruch gegen international operierende Einbrecherbanden. "Die Botschaft an die Täter ist ganz einfach: Ihr sollt euch nirgendwo mehr sicher fühlen. Wir verfolgen euch auch bis in eure Heimatländer", sagt Kropat.


Die SPIEGEL-TV-Reportage "Die Einbrecherjäger - Notruf aus dem Schrank" läuft am Dienstag, 13. Februar, um 23.10 Uhr auf Sat.1.

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