Spektakulärer Einbruch in Hamburger Villa Der Tunnelbau zu Groß Flottbek

Die Täter leuchteten den Tunnel mit Weihnachtsschmuck aus: In einem Hamburger Nobelviertel haben Kriminelle sich in eine Altbauvilla gebuddelt - und reiche Beute gemacht. Der Fall wirft einige Fragen auf.


Einbrüche sind in Hamburg wahrlich keine Seltenheit. Einbrüche, bei denen gestohlene Spaten, die Lichterkette eines Weihnachtsbaums und Terrassenmöbel-Sitzpolster zum Einsatz kommen, hingegen schon. Florian Abbenseth, Sprecher der Hamburger Polizei, spricht von einem "sehr speziellen Einzelfall", er sagt: "Die Art und Weise der Tat ist dreist - und spricht für gut vorbereitete Täter."

Der Fall, über den zuerst das "Hamburger Abendblatt" berichtet hatte, klingt wie die Filmvorlage: Die bislang unbekannten Täter buddelten Mitte Januar im Garten einer Hamburger Altbauvilla, direkt vor einer Treppe zum Haus, ein Erdloch und bauten es zu einem engen Tunnel aus - der schließlich an der Kellermauer im Souterrain endete.

Dort flexten die Täter einen in die Wand eingemauerten Safe an der Rückseite auf. Die Beute war üppig: "Der Safe war komplett leer geräumt", sagte die 52-jährige Antje L., die in der Villa mit ihrem fünf Jahre älteren Mann lebt, dem "Abendblatt". "Bargeld, der Schmuck, Ausweise, Autoschlüssel - alles weg!"

Wie konnten die Täter mitten in einem Wohngebiet einen Tunnel graben, den Safe gewaltsam öffnen und entkommen - ohne, dass es irgendjemand merkt?

Dieser Frage gehen nun Spezialisten nach: Die auf Einbrecher spezialisierte Sonderkommission "Castle" der Hamburger Polizei untersucht den Fall. Die Ermittler gehen davon aus, dass Profis am Werk waren. Profis, die offenbar vor allem die Kunst der Improvisation beherrschen.

Denn die Täter hatten offenbar bereits zwei Tage vor Beginn des Tunnelbaus versucht, in die Villa der L.s einzubrechen. In der Nacht auf den 11. Januar versuchten sie laut Polizeisprecher Abbenseth, mit einem Stein eine vergitterte Fensterscheibe im Untergeschoss zu zerschlagen. Der Versuch scheiterte, weil eine Alarmanlage automatisch einen Notruf an die Polizei absetzte, die wenig später vor Ort war. Doch die rechtzeitig geflohenen Täter hatten bei der Gelegenheit laut Antje L. wohl den Tresor durchs Fenster gesehen.

Einbruchsatlas Deutschland

Wenige Tage später rückten die Täter wieder an - offenbar im Wissen, dass die Eheleute L. für eine Weile in den Urlaub geflogen waren. Woher sie das wussten? Unklar. Am Eingang zu dem Tunnel legten sie ein Stück Pappe und die Sitzauflage eines Gartenstuhls aus. Ob sie so Geräusche dämmen oder einfach nur gemütlicher arbeiten wollten? Unklar. Warum kein einziger Nachbar etwas von der wohl langwierigen Buddelei bemerkte und sie der Polizei meldete? Ebenfalls unklar. Abbenseth sagt nur: "So was ist ja nicht in fünf Minuten erledigt."

Wofür aber der ganze Aufwand? Bei der Beute soll es sich um Familienschmuck und einen vierstelligen Geldbetrag handeln. Auffällig ist, dass die Täter die Schlüssel und Papiere für mehrere Luxusautos am Tatort hinterließen, statt damit zu flüchten.

Es sind solche Fälle von professionellen Einbrechern, denen die Ermittler der Soko "Castle" seit 2015 nachgehen. Durchschnittlich verzeichnet die Stadt einen Einbruch pro Stunde, die Täter werden nur in etwa zwölf Prozent der Fälle geschnappt. Auch deshalb setzt die Soko "Castle" vermehrt auf Abschreckung und Prävention. Mittlerweile sinken die Zahlen in der Stadt, erreichten im vergangenen Jahr mit 5769 registrierten Fällen ein Zehnjahrestief.

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Hamburger Einbruchsermittler: Die Arbeit der Soko "Castle"

Doch können die Ermittler auch diesen Fall lösen? Normalerweise arbeiten sie unter der Annahme, dass Einbrecher Serientäter sind. "Erkennt man die Serie, findet man schneller zum Täter", sagte Soko-Chefin Alexandra Klein kürzlich SPIEGEL TV. "Und wenn man ihn schnappt, dann klärt sich gleich eine Vielzahl von Einbrüchen auf."

Doch ob es sich beim Tunneleinbruch von Groß Flottbek um die Tat professioneller Serientäter handelt, ist Polizeisprecher Abbenseth zufolge offen - ein Muster wie in diesem Fall habe es in Hamburg bislang nicht gegeben.

Zumindest die Eheleute L. gehen nun aber auf Nummer sicher, wie das "Abendblatt" berichtet: Sie haben den Tunnel inzwischen zugeschüttet. Mit Beton.

mxw



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