Prozess nach Explosion in Hamburger S-Bahn-Station Staatsanwaltschaft fordert acht Jahre Haft

An einem Hamburger Bahnhof ließ Stephan K. illegale Böller explodieren - jetzt hat die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer gehalten: Der 52-Jährige sei wegen mehrfachen Mordversuchs schuldig.

Angeklagte mit seinem Anwalt vor Gericht (Archivbild)
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Angeklagte mit seinem Anwalt vor Gericht (Archivbild)


Stephan K., der illegale Böller auf einem S-Bahn-Steig in Hamburg entzündete, soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für acht Jahre ins Gefängnis. Er sei wegen vierfachen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu verurteilen.

Der 52-Jährige steht seit Juni vor dem Hamburger Schwurgericht. Vergangenen Dezember ließ er laut Anklage zwei illegale Böller in der S-Bahn-Station Veddel explodieren - sie befanden sich demnach mit 73 Schrauben in einer Plastiktüte.

Vier Personen haben sich der Staatsanwaltschaft zufolge in der Nähe der Detonation befunden, einer habe ein Knalltrauma erlitten. Drei Gutachter haben demnach die potenzielle Lebensgefahr der Explosion bestätigt. Ein Gerichtssprecher sagte, es sei nur Glück, dass nicht mehr passiert sei.

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Explosion an S-Bahnhof: "Ich wollte die Leute erschrecken"

Stephan K. hat eingeräumt, die Böller entzündet zu haben. Er habe niemanden verletzen oder gar töten wollen. "Ich wollte die Leute erschrecken", sagte er im Prozess.

Die Staatsanwältin sieht das anders: Der Angeklagte nahm ihr zufolge bei seiner Tat den Tod von Menschen billigend in Kauf. "Er war völlig gleichgültig bezüglich der Auswirkungen seines Handelns."

Er habe das Einfahren der S-Bahn abgewartet und die Böller erst dann gezündet. Dass er sich zuvor umsah, um sicherzustellen, dass niemand in der Nähe sei, sah die Staatsanwältin durch Videoaufnahmen und die Aussage einer Zeugin als widerlegt an.

"Leute erschrecken"

Der Verteidiger des Angeklagten plädierte auf eine maximal zweijährige Gefängnisstrafe. Stephan K. sei nicht für versuchten Mord zu verurteilen, sondern wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Es gebe keine Hinweise, dass der Angeklagte versucht habe, jemanden zu töten. "Es ging ihm darum, Leute zu erschrecken", sagte der Verteidiger.

Der Fall ist auch wegen der Vergangenheit des Angeklagten brisant: Stephan K. ist ein mehrfach vorbestrafter Gewalttäter, fast 20 Jahre seines Lebens verbrachte er laut Staatsanwaltschaft in Haft. Er soll zudem jahrelang in der Skindheadszene aktiv gewesen sein.

1992 war er zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er und ein Kumpan in Buxtehude einen Kapitän totgeschlagen hatten. Das Opfer hatte Hitler als Verbrecher bezeichnet. Bis 2004 war er laut Verfassungsschutz in der rechtsradikalen Szene aktiv. Im Stadtteil Veddel haben 70 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund.

Bei den Ermittlungen zur Explosion auf der Veddel fand die Polizei jedoch keine Hinweise auf ein rechtsextremes Motiv. Die Staatsanwältin schloss sich dieser Einschätzung an.

jpz



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