Hamburger Kiez Polizei beendet ständige Videoüberwachung auf Reeperbahn

Die Anschaffung des Kontrollsystems kostete mehr als 600.000 Euro: Mit zwölf Kameras überwachte die Hamburger Polizei die Reeperbahn, nun wurde das Projekt eingestellt. Nach einem Gerichtsurteil rechnete sich der hohe Aufwand nicht mehr.

Kamera auf der Reeperbahn: Aufwand in keinem Verhältnis zum Erkenntnisgewinn
DPA

Kamera auf der Reeperbahn: Aufwand in keinem Verhältnis zum Erkenntnisgewinn


Hamburg - Die ständige Videoüberwachung der Hamburger Reeperbahn ist eingestellt worden. Nach mehr als fünf Jahren wurden die zwölf Kameras am Freitagmittag abgeschaltet. Damit gebe es in Hamburg keinen öffentlichen Platz mehr, der von der Polizei permanent videoüberwacht werde, sagte der Erste Polizeihauptkommissar und Videosachbearbeiter der Hamburger Polizei, Thomas Borzutzki.

Hintergrund der Abschaltung ist ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts vom Juni 2010. Das Gericht verfügte unter anderem, Hauseingänge und Fensterbereiche dürften nicht mehr aufgenommen werden. Die Polizei musste diese Stellen daher schwärzen. "Die Kollegen sahen dann immer nur schwarz", sagte ein Sprecher der Innenbehörde.

Seit der Gerichtsentscheidung seien daher deutlich weniger Einsätze auf dem Kiez durch die Überwachungsbilder ausgelöst worden. Erkenntnisgewinn und Aufwand klafften zu weit auseinander. "Wir hätten die Videoüberwachung gerne weitergeführt - aber das OVG setzt uns enge Grenzen", so der Sprecher.

Vor dem Gerichtsbeschluss waren laut Borzutzki monatlich 15 Einsätze durch die Videoüberwachung ausgelöst worden. Danach seien es nur noch durchschnittlich fünf Einsätze gewesen. Den Angaben zufolge waren zwölf Beamte nötig, um die zwölf Videobildschirme im Polizeipräsidium rund um die Uhr zu beobachten. Die Beamten sollen nun an die Polizeikommissariate zurückkehren, sagte Andreas Nieberding, Leiter der Polizeieinsatzzentrale.

Die Kameras sollen indes nicht abgebaut werden. Die Polizei sehe in der Videoüberwachung nach wie vor ein geeignetes Mittel zur Kriminalitätsbekämpfung, sagte Borzutzki. Es sei geplant, die Kameras temporär zu nutzen, zum Beispiel bei größeren Märschen von HSV- oder St.-Pauli-Fans. Nach der Abschaltung am Freitag seien die Kameras für jeden sichtbar nach unten geschwenkt worden.

Die Kameras waren im März 2006 auf dem Kiez installiert worden, um insbesondere das Nachtleben im Rotlicht- und Szeneviertel auf St. Pauli zu beobachten. Die Bilder wurden direkt auf eine Monitorwand in der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums übertragen. Die Anschaffung des Kontrollsystems hatte 620.000 Euro gekostet.

hut/dapd

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