Hamburger Schanzenfest: Party und Krawall

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Ein paar Müll-Feuer, eine eingeschlagene Scheibe an einer Bankfiliale, fliegende Flaschen und Rangeleien mit der Polizei: Auch in diesem Jahr hat es nach dem Hamburger Schanzenfest Randale gegeben. Doch der große Knall blieb aus.

Hamburger Szeneviertel: Randale wie in jedem Jahr Fotos
DPA

Hamburg - "Wenn ich eine Knarre hätte", sagt ein Halbstarker im weißen Trainingsanzug und blickt in die Richtung von zwei Dutzend Polizisten. Martialische Rhetorik gab es im Hamburger Schanzenviertel auch nach dem Sommerfest 2011 - doch die großen Krawalle, die im Vorfeld befürchtet worden waren, blieben aus.

Zuvor hatten Polizisten eine Jugendliche festgenommen, die eine gesperrte Straße passieren wollte, drückten sie zu Boden. Bei einer kleinen Rangelei bekam ein Junge Pfefferspray in die Augen, kniete anschließend auf dem Boden.

Mehrere Tausend junge Menschen waren gegen 22.30 Uhr auf das Schulterblatt gezogen, voller Erwartungen, voller Bier. Knallen sollte es bitte. Die Polizei hielt sich zurück, auch dann noch, als fast eine Stunde lang ein Feuer aus Müll auf der Straße vor dem ehemaligen Theater Rote Flora brannte. Am Ende schlugen die Flammen vier Meter hoch. Wenn ein Böller gezündet wurde, brandete Jubel auf.

Aufenthaltsverbote schon im Vorfeld

Die letzten Bierstände wurden abgebaut, zwölf Flaschen gab es nun für zehn Euro. Am Nachmittag hatte hier ein Flohmarkt stattgefunden, Essens- und Getränkestände waren aufgebaut, auf einer Bühne spielten Bands, andernorts im Viertel beschallten DJs die Menge. Zu dem Straßenfest waren nach Polizeiangaben mehr als 10.000 Menschen gekommen. Es habe "Familienfeststimmung" geherrscht, überwiegend junge Menschen tanzten und feierten in den Straßen des Viertels.

Nach Einbruch der Dunkelheit dann das immer gleiche Ritual, jedes Jahr wieder. Die Stände verschwinden, die Bühne wird abgebaut, viele Kneipen schließen - und die Spannung steigt. Ab 23 Uhr wurde ein sogenanntes Gefahrengebiet rund um das Schanzenviertel eingerichtet: In diesem Bereich durften die Beamten bis Sonntagmorgen fünf Uhr verdachtsunabhängig Platzverweise erteilen, Aufenthaltsverbote aussprechen oder Personen in Gewahrsam nehmen.

Schon im Vorfeld hatte die Polizei Aufenthaltsverbote gegen vier einschlägig bekannte Randalierer verhängt, die im vergangenen Jahr Brände gelegt hatten und dafür verurteilt worden waren.

31 Festnahmen, 750.000 Euro Kosten

Erst wurde aus den Flohmarktresten ein Lagerfeuer. Als sich dann schwarz Vermummte an der Haspa-Filiale zu schaffen machten, die nur ein paar Meiter weiter steht, rückte die Polizei an. Später wird klar: An der Filiale ist eine Fensterscheibe zu Bruch gegangen. Mehrere Wasserwerfer fuhren auf, Beamte liefen herbei, das Feuer wurde gelöscht. Flaschen flogen in Richtung der Beamten. Mehr und mehr Polizisten bezogen Stellung, ein Hubschrauber kreiste, Trupps joggten durch die Straßen.

Der Einsatz in diesem Jahr kostete nach Schätzungen der Deutschen Polizeigewerkschaft rund 750.000 Euro. Insgesamt 2500 Beamte waren in Bereitschaft. Am Ende wurden 31 Randalierer vorläufig festgenommen, zehn landeten zudem in Polizeigewahrsam. Zwei Polizisten erlitten leichte Verletzungen. Eine Sprecherin sagte, es habe in diesem Jahr "sehr wenig Gewalt" gegeben. Mindestens vier Polizeifahrzeuge seien beschädigt, ein weiteres Auto angezündet worden.

Kein Vergleich mit London oder Athen

Doch der große Knall bleibt in diesem Jahr aus. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen guckten, zückten ihre Foto-Handys, sobald auch nur eine Flasche auf dem Asphalt knirschte. Andere zogen umher: Geht hier noch was? Doch es ging nichts mehr. Polizisten riegelten Straßen ab, an einer Straßenkreuzung wurden Rucksäcke vorsichtshalber durchsucht. Die ersten Besucher nahmen ein Taxi zum Kiez, weiterfeiern.

Viele der aus dem Viertel gedrängten Menschen warteten noch ein wenig ab, standen auf Straßenkreuzungen, vor Wasserwerfern und Polizeiketten. Einige spielten Fußball, andere Frisbee. Zu heftigen Auseinandersetzungen kam es kaum - das Schanzenfest hat mit den Krawallen in London oder gewalttätigen Protesten in Spanien oder Griechenland nichts gemein. Hier herrschen nicht Wut, Verzweiflung und Hass.

An Zuschauern mangelte es nicht - und auch nicht an Pfandflaschen. Als die Stadtreinigung anrückte, waren auf den Straßen fast nur noch Scherben übrig. Das heil gebliebene Leergut hatten sich Sammler gesichert, sie zerrten das Glas tütenweise aus dem Viertel, füllten Einkaufswagen und Kombis.

Vor zwei Jahren waren schwarz Vermummte auf die örtliche Polizeiwache zugestürmt, hatten mit einem herausgerissenen Straßenschild ein Fenster aufgehebelt und Böller in das Gebäude geworfen. Anschließend waren Polizisten massiv mit Steinen beworfen worden, die Scharmützel dauerten bis in die Morgenstunden. Vor einem Jahr waren bei den Ausschreitungen 14 Menschen verletzt worden, darunter elf Polizisten. Mehr als 40 Menschen waren festgenommen worden.

Mit Material von dpa, dapd

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Keine Ahnung aber davon viel... Urteil gefällt!
Ted0 21.08.2011
Da es ja zu jedem Artikel einen neuen Thread gibt, beziehe ich mich mal auf die Antworten hier: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=42193&page=2 Anscheinend war keiner der Foristen hier jemals auf dem Schanzenfest. Durch die Medien denkt ja der Großteil, das Schanzenfest selbst sei nur Krawallmacherei... Das ist gelinde gesagt Bullsh*t! Das Fest ist ein tolles Stadtteilfest (besser Quartierfest) mit Familien, Kreativen, politisch Interessierten, Kindern, Jugendlichen und sonstigem bunten Treiben. Voll ist es auch ;) Kindergärten, Bastelaktionen, vegane Speisen, politische Informationen, Kunst und Musik... Ich war gestern bis 24 Uhr dort und es waren tausende Menschen in und um Schanze/St. Pauli unterwegs - Stimmung war überhaupt nicht aggressiv, es wurde von den Bühnen dazu aufgerufen keinerlei Krawalle zu dulden/durchzuführen. Dieser Aufruf ist eigentlich nicht mal nötig, denn es kamen lt. Polizeibericht auf 10.000 Besucher gerade mal ca 0,002% Krawallmacher... Die handvoll Idioten wird man auch nicht los, da die Medien eben auch dieses Bild von Krawallen zeigt. Diese "Krawalle" würde ich aufgrund der Tatsache, dass es sehr junge Leute sind, die "Bock auf Action" haben, großtenteils als unpolitisch bezeichnen. Anwohner löschen ja ständig die Mülltüten und gehen gegen den Mist an. Komisch dass, obwohl gestern eines der friedlichsten Schanzenfeste war, die Zeitungen als Bildüberschrift die Worte "Krawalle" und "Ausschreitungen" verwenden und ein tolles Bild mit Flammen in der Dunkelheit zeigen. Warum? Damit eben die Foristen vor mir oder andere Menschen ohne den Hauch einer Ahnung schön schimpfen können: "Wegsperren", "Schanzenfest verbieten" oder den ganzen anderen unreflektierten Kram loswerden können, der dann so losgepoltert wird... Ja, schämen Sie sich jetzt, bitte...
2. Party und Krawall
trackerdog 21.08.2011
Ich danke den Herrschaften vom schwarzen Block, dass sie uns Hamburg nicht gänzlich abgefackelt haben. Lächerliche 750000 € Kosten für den Steuerzahler will ich da gar nicht erst erwähnen. Bei den Summen die unsere Politiker derzeit raushauen, bezahlen die sowas aus der Portokasse!
3. Problem (Krawalle) - Reaktion (Ablehnung der Krawalle) - Lösung (Restriktionen)
green_mind 21.08.2011
Zitat von sysopEin paar Müll-Feuer, eine eingeschlagene Scheibe an einer Bankfiliale, fliegende Flaschen und Rangeleien mit der Polizei: Auch in diesem Jahr hat es nach dem Hamburger Schanzenfest Randale gegeben. Doch der große Knall blieb aus. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,781451,00.html
Die Krawallmacher kommen nicht aus dem Viertel. Die Anwohner, auch die Autonomen unter den Anwohnern sprechen sich seit Jahren gegen Krawalle im Zusammenhang mit 1.Mai und Schanzenfest aus. Die überregionale Berichterstattung im Vorfeld sollte jedoch die üblichen Krawalltouristen ins Schanzenviertel ziehen? Vor diesem Hintergrund blieb es erstaunlich ruhig, es konnten keine "Londoner Verhältnisse" herbeigeschrieben werden. Wenn es gestern richtig geknallt hätte, was wäre die Folge gewesen: Die steigende Beliebtheit in der Bevölkerung von Restriktionen, Verboten, Ausgangssperren, Personenkontrollen. Vielleicht hätte das bestimmten Stellen ganz gut ins Konzept gepasst?
4. Gut dass es auch solche Berichte gibt.
komparse, 21.08.2011
Zitat von Ted0Da es ja zu jedem Artikel einen neuen Thread gibt, beziehe ich mich mal auf die Antworten hier: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=42193&page=2 Anscheinend war keiner der Foristen hier jemals auf dem Schanzenfest. Durch die Medien denkt ja der Großteil, das Schanzenfest selbst sei nur Krawallmacherei... Das ist gelinde gesagt Bullsh*t! Das Fest ist ein tolles Stadtteilfest (besser Quartierfest) mit Familien, Kreativen, politisch Interessierten, Kindern, Jugendlichen und sonstigem bunten Treiben. Voll ist es auch ;) Kindergärten, Bastelaktionen, vegane Speisen, politische Informationen, Kunst und Musik... Ich war gestern bis 24 Uhr dort und es waren tausende Menschen in und um Schanze/St. Pauli unterwegs - Stimmung war überhaupt nicht aggressiv, es wurde von den Bühnen dazu aufgerufen keinerlei Krawalle zu dulden/durchzuführen. Dieser Aufruf ist eigentlich nicht mal nötig, denn es kamen lt. Polizeibericht auf 10.000 Besucher gerade mal ca 0,002% Krawallmacher... Die handvoll Idioten wird man auch nicht los, da die Medien eben auch dieses Bild von Krawallen zeigt. Diese "Krawalle" würde ich aufgrund der Tatsache, dass es sehr junge Leute sind, die "Bock auf Action" haben, großtenteils als unpolitisch bezeichnen. Anwohner löschen ja ständig die Mülltüten und gehen gegen den Mist an. Komisch dass, obwohl gestern eines der friedlichsten Schanzenfeste war, die Zeitungen als Bildüberschrift die Worte "Krawalle" und "Ausschreitungen" verwenden und ein tolles Bild mit Flammen in der Dunkelheit zeigen. Warum? Damit eben die Foristen vor mir oder andere Menschen ohne den Hauch einer Ahnung schön schimpfen können: "Wegsperren", "Schanzenfest verbieten" oder den ganzen anderen unreflektierten Kram loswerden können, der dann so losgepoltert wird... Ja, schämen Sie sich jetzt, bitte...
Denn leider kann man sich über die Berichterstattung in "Blah" oder sonstwo kein richtiges Bild machen.
5. Weshalb scgaffen es denn...
mauimeyer 21.08.2011
Zitat von Ted0Da es ja zu jedem Artikel einen neuen Thread gibt, beziehe ich mich mal auf die Antworten hier: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=42193&page=2 Anscheinend war keiner der Foristen hier jemals auf dem Schanzenfest. Durch die Medien denkt ja der Großteil, das Schanzenfest selbst sei nur Krawallmacherei... Das ist gelinde gesagt Bullsh*t! Das Fest ist ein tolles Stadtteilfest (besser Quartierfest) mit Familien, Kreativen, politisch Interessierten, Kindern, Jugendlichen und sonstigem bunten Treiben. Voll ist es auch ;) Kindergärten, Bastelaktionen, vegane Speisen, politische Informationen, Kunst und Musik... Ich war gestern bis 24 Uhr dort und es waren tausende Menschen in und um Schanze/St. Pauli unterwegs - Stimmung war überhaupt nicht aggressiv, es wurde von den Bühnen dazu aufgerufen keinerlei Krawalle zu dulden/durchzuführen. Dieser Aufruf ist eigentlich nicht mal nötig, denn es kamen lt. Polizeibericht auf 10.000 Besucher gerade mal ca 0,002% Krawallmacher... Die handvoll Idioten wird man auch nicht los, da die Medien eben auch dieses Bild von Krawallen zeigt. Diese "Krawalle" würde ich aufgrund der Tatsache, dass es sehr junge Leute sind, die "Bock auf Action" haben, großtenteils als unpolitisch bezeichnen. Anwohner löschen ja ständig die Mülltüten und gehen gegen den Mist an. Komisch dass, obwohl gestern eines der friedlichsten Schanzenfeste war, die Zeitungen als Bildüberschrift die Worte "Krawalle" und "Ausschreitungen" verwenden und ein tolles Bild mit Flammen in der Dunkelheit zeigen. Warum? Damit eben die Foristen vor mir oder andere Menschen ohne den Hauch einer Ahnung schön schimpfen können: "Wegsperren", "Schanzenfest verbieten" oder den ganzen anderen unreflektierten Kram loswerden können, der dann so losgepoltert wird... Ja, schämen Sie sich jetzt, bitte...
....die sog. Gutwilligen nicht, diese =,0.0x% der Chaoten in den Griff zu bekommen! So eine ordentliche Tracht Prügel wäre für die, die 750.000 € Schaden anrichten, wohl das Wenigste! Oder ist das den fröhlichen Feiernden egal? Ich glaube fast! Mit Aufrufen zur Mäßigung vom Podium ist es nicht getan! So ein paar kräftige Saalordner braucht man schon für das Gesoxe! Kauri
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