Unfall-Urteil Hohe Haftstrafe für Hamburger Todesfahrer

Vier Menschen starben, als sein Auto an einer Kreuzung in Hamburg-Eppendorf auf den Gehweg raste. Nun hat das Gericht den Fahrer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt: Der Mann muss für drei Jahre und sechs Monate in Haft.

Verteidiger Ralf-Dieter Briel mit dem Angeklagten: Bitte um ein "gerechtes Urteil"
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Verteidiger Ralf-Dieter Briel mit dem Angeklagten: Bitte um ein "gerechtes Urteil"


Hamburg - Sie bleiben dabei: keine bösen Blicke, keine Wutreden vor den Kameras, kein Triumphieren nach dem Urteil. Die Söhne des Ehepaares Sibylle und Dietmar Mues nahmen das Urteil gegen Caesar S. regungslos an. Der 40-Jährige hatte im vergangenen Jahr im Hamburger Stadtteil Eppendorf vier Menschen totgefahren, unter ihnen waren die Eltern von Woody, Wanja und Jona Mues. "Weil sie nicht als laute Ankläger aufgetreten sind, haben sie dem Verfahren Tiefe gegeben", sagte Richterin Birgit Woitas in der Urteilsbegründung zu den Söhnen.

Am 12. März 2011 raste Caesar S. in Folge eines epileptischen Anfalls auf einer großen Kreuzung über eine rote Ampel, sein Wagen schleuderte in eine Gruppe von Fußgängern und Radlern. Neben dem Ehepaar Mues starben der Sozialwissenschaftler Günter Amendt und die Künstlerin Angela Kurrer. Drei weitere Opfer erlitten Verletzungen. S. musste sich seit dem 26. März 2012 vor dem Hamburger Landgericht verantworten.

Nun wurde der Todesfahrer wegen fahrlässiger Tötung in vier Fällen für schuldig gesprochen. Die Richter entschieden sich zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung und verurteilten den 40-Jährigen am Dienstag zu drei Jahren und sechs Monaten Haft. Außerdem wird S. für fünf Jahren der Führerschein abgenommen, "leider nicht für immer, wenn ich das mal in meinen eigenen Worten sagen darf", sagte Richterin Woitas. Dazu fehle die juristische Grundlage. Strafschärfend käme für S. hinzu, dass durch seine Schuld vier Menschen ums Leben gekommen seien und viele verletzt wurden, sagte sie. "Ihre Tat berührte fast die Voraussetzungen des bedingten Vorsatzes."

Ein Heer von Fotografen und ein Dutzend Filmteams waren erschienen. Den Morgen über hatte die Schauspielerin Hannelore Hoger den Prozess im Zuschauerraum verfolgt.

"Hohes Maß an Pflichtwidrigkeit"

Die Vorsitzende Richterin sprach in der Urteilsbekundung von einem "hohen Maß an Pflichtwidrigkeit". Der Angeklagte habe Warnsignale für seine Epilepsie missachtet und sogar seinem Arzt Anfälle verschwiegen. Außerdem sah es das Gericht als erwiesen an, dass S. in der Nacht vor dem Unfall bis 2.30 Uhr Cannabis konsumiert hatte. "Sie haben während des Prozesses nicht zu Ihrer Schuld gestanden", sagte die Richterin an S. gewandt.

Der Angeklagte nahm das Urteil reglos entgegen. Caesar S. saß versteinert auf seinem Platz, das Gesicht blass, den Rücken an die Stuhllehne gepresst.

Mit dem Urteil kam die Kammer nahezu der Forderung der Staatsanwaltschaft nach. Diese hatte in der vergangenen Woche auf eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten sowie den lebenslangen Entzug der Fahrerlaubnis plädiert. Als Epileptiker hätte sich der Mann nicht hinter das Steuer setzen dürfen.

In einem langen Plädoyer hatte der Anwalt von S. am Vormittag noch versucht, jede belastende Zeugenaussage zu entkräften. Kollegen hatten Anfälle des Mannes vor Gericht geschildert. Der epileptische Anfall sei für S. damals aus heiterem Himmel gekommen, sagte Anwalt Ralph-Dieter Briel. Sein Mandant habe bis zu dem Unfall 2011 keinerlei Zweifel an seiner Fahrtüchtigkeit haben müssen. Die Verteidigung forderte einen Freispruch.

"Bin kein unverbesserlicher Totraser"

S. selbst drückte kurz vor dem Richterspruch sein Bedauern aus. "Seitdem der Unfall passiert ist, beschäftigt mich das Ereignis jeden Tag und jede Stunde", sagte der 40-Jährige. Es werde ihm wohl nie Ruhe lassen. Er sei nicht der eiskalte Typ ohne Reue, wie er in der Öffentlichkeit teilweise dargestellt worden sei: "Ich bin kein unverbesserlicher Totraser."

Auch bedauere er, dass die von ihm an die drei Mues-Söhne gerichtete Entschuldigung von den Angehörigen als Beleidigung aufgefasst worden sei. Dies sei nicht seine Absicht gewesen. Er selbst werde sich nie verzeihen können, sagte S. - und bat "um ein gerechtes Urteil".

Die drei Söhne des Schauspielerpaars Mues traten vor Gericht als Nebenkläger auf. Sie waren häufig zu den Verhandlungen erschienen, hatten über ihren Anwalt aber kein konkretes Strafmaß gefordert.

jbr/siu/dpa

insgesamt 212 Beiträge
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Seite 1
neinnein 05.06.2012
1. Falsch!
Sehr geehrter Autor, mit dieser Haftstraße geht der Täter nicht in das Gefängnis. Es handelt sich somit nicht um eine "hohe Haftstraße". Das Urteil ist leider lächerlich!
mischpot 05.06.2012
2. Nicht gerecht
Wieviele Menschen gibt es die am Steuer schon mal einen Black Out hatten und wo gegen gefahren sind diese hätten diesen Unfall genau so erzeugen können. Dann hätte man mit ärztlichem Attest dem Unfallfahrer den Führerschein entziehen müssen.
janne2109 05.06.2012
3. ...........
ähhh?? Und die Frau die das Busunglück verursacht hat darf den Schein behalten und bekommt Bewährung?
toliman-x 05.06.2012
4. viel zu mildes Urteil...
Zitat von sysopDPAVier Menschen starben, als sein Auto an einer Kreuzung in Hamburg-Eppendorf auf den Gehweg raste. Nun hat das Gericht den Fahrer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt: Der Mann muss für drei Jahre und sechs Monate in Haft. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,837025,00.html
Der Angeklagte hätte meiner Meinung nach eine viel höhere Strafe verdient, zudem er auch noch Drogen konsumiert hat. Ich als Angehöriger der verstorbenen Personen hätte mich über dieses milde Urteil fürchterlich geärgert...
horstma 05.06.2012
5. Hohe Haftstrafe?
Diese Haftstrafe kann man nur dann "hoch" nennen, wenn man die manchmal merkwürdige Rechtsprechung mit in diese Bewertung mit einbezieht. Wer mit einer Spielzeugpistole in einer Tankstelle 1000€ erbeutet, wird mindestens genauso lang sitzen - und hier geht es um 4 Menschenleben!
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