Hammer Hindus: Tempelverein erstreitet Status als Religionsgemeinschaft

Hindu-Tempel in Hamm: Bis zu 20.000 Gläubige kommen zu Feiern nach NRW Zur Großansicht
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Hindu-Tempel in Hamm: Bis zu 20.000 Gläubige kommen zu Feiern nach NRW

Der Trägerverein des Hindu-Tempels in Hamm ist vom Land NRW als Religionsgemeinschaft anzuerkennen. Das hat das Verwaltungsgericht Arnsberg entschieden - und dabei auf die europaweite Bedeutung der Einrichtung verwiesen.

Arnsberg - Der hinduistische Tempel in Hamm gilt als einer der größten in Europa. Nun muss Nordrhein-Westfalen den Tempelverein als Religionsgemeinschaft anerkennen und damit den christlichen Kirchen gleichstellen. Das hat das Verwaltungsgericht Arnsberg in einem jetzt veröffentlichten Urteil entschieden. Der Verein hatte nach der Ablehnung seines Antrags auf Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegen das Land geklagt und bekam nun Recht. NRW kann das Urteil aber in einer höheren Instanz noch anfechten.

Die Gemeinschaft gelte in Deutschland und Europa als Repräsentant des Hinduismus, begründete das Gericht seine Entscheidung. Außerdem bestehe ein "erheblicher religiöser Bedarf" nach dem Tempel und dem dahinter stehenden Verein. Der Tempel habe sich zu einem wichtigen Pilgerort von internationaler Bedeutung entwickelt. Zum alljährlichen Tempelfest kommen bis zu 20.000 Menschen.

Der Tempel in Hamm-Uentrop wurde 2002 als erster in Deutschland in traditioneller hinduistischer Tempelarchitektur errichtet. Die Baukosten von 1,5 Millionen Euro brachten die Gläubigen dank Spenden auf. Eine Vorform des Tempels bestand bereits seit 1989. Der Tempelverein betreibt unter anderem Seelsorge und engagiert sich in der Betreuung von Kranken, Schulen, Migranten und Gefangenen.

Sollte das Urteil (Az.: 12 K 2195/12) rechtskräftig werden, ist der Tempelverein eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Dieser Status ist mit verschiedenen Vorteilen verbunden, etwa Steuervorteile oder das Recht, Arbeitsverhältnisse durch eigenes Kirchenrecht zu regeln. Insbesondere in der Seelsorge würden viele Türen geöffnet, sagte ein Vertreter des Vereins. Das Land NRW will das Urteil prüfen. In der mündlichen Verhandlung hatte sich aber bereits abgezeichnet, dass es bei einem Erfolg des Tempelvereins vermutlich vor das Oberverwaltungsgericht in Münster ziehen wird.

Hessen hatte kürzlich erstmals in Deutschland eine muslimische Vereinigung als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Es handelt sich um die Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat in Frankfurt. Nicht nur die beiden großen christlichen Kirchen - die katholische und die evangelische - sind in Deutschland Körperschaften öffentlichen Rechts. Dies betrifft zum Beispiel auch die Jüdische Gemeinde, die Zeugen Jehovas oder die Griechisch- und die Russisch-Orthodoxe Kirche.

wit/dpa/jur

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Prüfen?
BettyB. 14.06.2013
Wer die christlichen, sich nicht einmal gegenseitig als Kirchen anerkennenden Großsekten als Körperschaften öffentlichen Rechts akzeptiert, kann es den Hindi doch nicht verbieten. Wo kämen wir denn da hin?
2. Laizismus
taglöhner 15.06.2013
Die Türkei rebelliert für den Erhalt des Laizismus und bei uns geht's rückwärts. Kastenapartheid und Frauendiskriminierung. Super.
3. Das Schlimme daran
danubius 16.06.2013
ist nicht, dass diese Glaubensgemeinschaft als Religionsgemeinschaft anerkannt wurde. Das Schlimme daran ist, dass sie nun ein eigenes (durch das Gesetz gedeckt) übergeordnetes Kirchenrecht und ein eigenes Arbeitsrecht hat. Hier wird - wie bei den beiden christlichen Kirchen - und der kürzlich erst anerkannten muslimischen Glaubensgemeinschaft zu erwarten - weiteren Billiglöhnern mit staatlicher Aufstockung zu Lasten der steuerzahlenden Allgemeinheit Vorschub geleistet und Soziallasten auf den Staat abgewälzt. Wann wird der Staat endlich mal aktiv begreifen, dass in einer sich an unterschiedlichen religiösen bzw. ethischen Werten orientierenden Gesellschaft eine dauerhafte staatliche Unterstützung solcher Religionsgemeinschaften nicht vertretbar ist? Unterschiedliche Religionsgemeinschaften "ja" - kirchen- eigene Rechtssysteme und Arbeitsrechte "nein"
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