Urteil in Hessen Lange Freiheitsstrafe für Gesichtsverstümmelung

Brutal zerschnitt er einem Nachbarn nach einem verlorenen Spiel das Gesicht: Das Hanauer Landgericht hat einen Mann aus Eritrea zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Motiv für die Tat ist ungeklärt.

Der 20-Jährige im Gerichtssaal
DPA

Der 20-Jährige im Gerichtssaal


Weil er einem jungen Mann das Gesicht verstümmelt hat, muss ein Mann aus Eritrea neuneinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Hanauer Landgericht sprach den nach eigenen Angaben 20-Jährigen wegen versuchten Totschlags sowie schwerer und gefährlicher Körperverletzung schuldig. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Asylbewerber einen 18-jährigen Flüchtling aus Somalia bei einem Besuch in dessen Wohnung im Oktober 2016 in Schlüchtern schwer misshandelt hat.

Er habe ihm mit zwei Messern in den Hals gestochen und anschließend die Augenlider und Teile der Ohren abgetrennt. Das Opfer ist seither nahezu blind. Richterin Susanne Wetzel sprach von einer "brutalen und bizarren Tat". Eine Verurteilung wegen versuchten Mordes hielt das Gericht aber nicht für möglich.

Das Motiv ist auch mit dem Urteil noch immer offen. Die Staatsanwaltschaft hatte einen Streit um Schulden von lediglich 50 Euro angenommen. Auch über Kannibalismus als Motiv war diskutiert worden. Das Opfer hatte sich nach mehreren Krankenhausaufenthalten in die Schweiz abgesetzt, blieb dem Prozess fern und wollte nichts zur Klärung beitragen.

Der Angeklagte hatte sich am Vormittag erstmals über seinen Anwalt zu der Anklage geäußert. An die Tat könne er sich aber nicht erinnern. Er wisse, dass er mit dem späteren Opfer in dessen Wohnung Playstation gespielt habe. Der andere Mann habe gewonnen, ihn ausgelacht und beschimpft. Der Dolmetscher übersetzte die Schmähung mit "Depp".

Kriminologen rätseln über den Fall. "Das sind schon archaische Methoden", sagt der Wiesbadener Kriminalpsychologe Rudolf Egg. Die Tat wirke animalisch. Der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle, Martin Rettenberger, sagte: "Ein rationales Nachvollziehen dieses Gewaltexzesses ist nicht möglich." Eine Geldforderung könne dieses extreme Ausmaß an Brutalität nicht erklären.

Ein psychiatrisches Gutachten, das am Donnerstag vorgestellt wurde, ergab, dass der Angeklagte womöglich unter einer tief greifenden Bewusstseinsstörung leide.

Laut einem ebenfalls vorgelegten Altersgutachten ist der Angeklagte 26 Jahre alt oder älter. Ein Zeuge hatte im Prozess ausgesagt, dass der Angeklagte auf der Flucht bei Behörden ein jüngeres Alter angegeben habe, um sich im Asylverfahren Vorteile zu verschaffen.

apr/dpa

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.