Frank Hanebuth Staatsanwalt stellt Verfahren gegen Hells-Angels-Boss ein

Er sollte einen Mord in Auftrag gegeben haben, deswegen stürmte die GSG 9 sein Haus. Doch nun zeigt sich, dass die Anschuldigungen gegen den niedersächsischen Rockerfürsten Frank Hanebuth wohl falsch waren. Das Verfahren gegen ihn ist eingestellt worden.

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Hells Angels Hanebuth (re.), Wellering: "Vollständig rehabilitiert"
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Hells Angels Hanebuth (re.), Wellering: "Vollständig rehabilitiert"


Hannover/Kiel - Martialischer kann der Rechtsstaat nicht auftreten. Es war im Mai 2012, an einem Donnerstagmorgen gegen 5 Uhr, als die Eliteeinheit GSG 9 die Villa des mächtigen Hells-Angels-Anführers Frank Hanebuth stürmte. Die Beamten seilten sich aus einem Hubschrauber vom Typ "Super Puma" ab, erschossen einen Hund und durchsuchten das Anwesen bei Hannover. Sie nahmen an, der Rocker habe einen Mord in Auftrag gegeben.

Fast ein Jahr später hat die Staatsanwaltschaft Kiel das Ermittlungsverfahren gegen Hanebuth allerdings ziemlich sang- und klanglos einstellen müssen. Es habe sich kein hinreichender Tatverdacht feststellen lassen, hieß es. Am Mittwoch informierte der zuständige Staatsanwalt den Hells Angel darüber, am Freitag teilte dessen Anwalt Götz von Fromberg den Vorgang der Presse mit.

In der Verlautbarung aus der Kanzlei heißt es: "Herr Hanebuth ist damit vollständig rehabilitiert!" Das Verfahren habe ihm und seiner Familie "gesellschaftlich und wirtschaftlich sehr geschadet". Auch sei sein Kind bei dem Einsatz der GSG 9 traumatisiert worden. Ohnehin hätten die Ermittlungen lediglich gezeigt, dass die Behörden sich "von einem schwerkriminellen Kronzeugen am Nasenring durch die Manege" hätten führen lassen. Ein Behördensprecher bestätigte die Einstellung des Verfahrens auf Anfrage.

Zweifel an der Aussage des Kronzeugen

SPIEGEL ONLINE hatte bereits im Oktober 2012 über die Zweifel an der Aussage des Ex-Rockers Steffen R. berichtet, auf dessen Angaben die Ermittlungen im Wesentlichen gründeten. Der gelernte Koch und ehemalige Unterstützer der Kieler Hells Angels, selbst mit schweren strafrechtlichen Vorwürfen konfrontiert, erzählte den Behörden damals, Hanebuth habe den seit Jahren vermissten Türsteher Tekin B. umbringen lassen. Eine großangelegte Suchaktion, in deren Verlauf eine ganze Lagerhalle auseinandergenommen worden war, verlief indes ergebnislos.

Dabei gab es zu diesem Zeitpunkt längst Dokumente, die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Kronzeugen hätten hervorrufen müssen. So hatte das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen-Anhalt am 1. September 2003 in einem vertraulichen Rundschreiben alle Landeskriminalämter, das Bundeskriminalamt, das Zollkriminalamt und den Bundesgrenzschutz ausdrücklich "vor einer Zusammenarbeit" mit Steffen R. gewarnt: Er "hat sich mehrfach als unzuverlässig erwiesen", schrieb ein Erster Kriminalhauptkommissar, "und sich Dritten offenbart. Es wurde festgestellt, dass er sich Informationen über die Vorgehensweisen der Polizei beschaffen wollte, um selber gefahrlos Straftaten begehen zu können."

Später versuchte Steffen R. dann, mit seiner Phantasie auch noch das Interesse anderer Behörden zu wecken. Beim Bundeskriminalamt (BKA) etwa wollte der Kriminelle die noch unglaublichere Geschichte an den Mann bringen, dass die Kieler Hells Angels dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) etwa ein Dutzend Schusswaffen verkauft hätten, unter anderem ein Sturmgewehr vom Typ AK 47. Sein Kumpel Adrian M. von der Legion 81 habe Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe aus diesem Grund 2009 am Timmendorfer Strand beherbergt, berichtete R.

"Sachverhalte frei erfunden"

Zudem wusste der Informant angeblich von einer Unterstützungsparty für den NSU, ausgerichtet 2002 in der ehemaligen Trommelfabrik in Weißenfels unter anderem vom Thüringer LKA und dem dortigen Verfassungsschutz. Zschäpe habe vor laufenden Kameras der Behörden wüste Hetzreden geschwungen: "Der bewaffnete Kampf gegen den Staat und die Ausländer muss weitergehen."

Das BKA prüfte die Behauptungen und stellte im Juli 2012 eindeutig fest, dass R. "die Sachverhalte frei erfunden hat beziehungsweise reale Begebenheiten mit erfundenen Details vermengt hat, um sie interessanter zu gestalten". So heißt es in dem Vermerk, der auch nach Kiel versandt wurde. Es könne Steffen R. dabei um finanzielle Vorteile gegangen sein, mutmaßte der Kriminalbeamte, oder um die Aufnahme in das Zeugenschutzprogramm des BKA.

Letztlich kam Steffen R. dann wegen seines vermeintlichen Wissens über kriminelle Rocker im Zeugenschutzprogramm des Kieler Landeskriminalamts unter - und strafrechtlich zudem ziemlich glimpflich davon. Wegen Bedrohung, gefährlicher Körperverletzung und schweren Menschenhandels verurteilte ihn das Landgericht Kiel gerade einmal zu gut vier Jahren Haft.

In der Villa von Frank Hanebuth entdeckten die Ermittler übrigens doch noch einen gefährlichen Gegenstand. Im Kinderzimmer, so schreibt jedenfalls Anwalt von Fromberg, sei eine Zwille gefunden worden. Sie gehörte dem Sohn des Rockerkönigs, und der ist elf Jahre alt.



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insgesamt 36 Beiträge
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Proggy 26.04.2013
1. Konsequenzen
hat ein solches Vorgehen jetzt auch Konsequenzen für die verantwortlichen Staatsanwälte. Oder kann man das von einem Rechtstaat nicht verlangen, wo doch vorher monatelang das Volk über die bösen Rocker medial beeinflußt und der Weg zu solchem Gewaltmissbrauch geebnet wurde.
THINK 26.04.2013
2. Rechenschaft ?
Werden jetzt die verantwortlichen Richter, Staatsanwälte und Polizisten für diesen grotesk überzogenen, unverhältnismässigen Einsatz zur Verantwortung gezogen? Bei unserem "Rechtsstaat" eher nicht zu erwarten.
z_beeblebrox 26.04.2013
3.
Zitat von Proggyhat ein solches Vorgehen jetzt auch Konsequenzen für die verantwortlichen Staatsanwälte. Oder kann man das von einem Rechtstaat nicht verlangen, wo doch vorher monatelang das Volk über die bösen Rocker medial beeinflußt und der Weg zu solchem Gewaltmissbrauch geebnet wurde.
Nö, die machen ja nur ihre Arbeit /: Kann jedem normalen Bürger auch passieren. Wenn er z.B. auf einer Online-Aktionsplattform zum Geburtstag geschenkte Markenwaren anbietet (ohne sich groß Gedanken drüber zu machen), die sich dann als Fälschungen herausstellen. Dann steht anderntags um 7 Uhr Morgens das Rolllkommando vor der Tür, man selber wird sofort auf einem Stuhl niedergedrückt, gibt man empört Widerworte á la "Was soll das denn" oder fragt, was los sei, hat man sofort Handschellen um. Das ist kein Witz oder Ironie, das ist einem Bekannten von mir exakt so passiert. O-Ton eines befreundeten (Ex-) Staatsanwalts dazu: Ich hatte auch noch nie Schwierigkeiten, einen Hausdruchsuchungsbefehl vom Richter zu bekommen. Selbst wenn man selber gar nichts macht, sondern nur ein enger Kumpel was getan hat (ein ganz anderer Fall), mit dem man sich oft mailte, kann einem so eine Hausdurchsuchung passieren. Hat man dann irgendwann (Monate später; die Polizei ist ja so überlastet) seine Computer wieder und kein Verfahren am Hals, da ja überhaupt nix gefunden wurde, hört man nie mehr was von Polizei, Staatsanwalt etc. Von einem klitzekleinen "Sorry" mal ganz zu schweigen. Die Kosten für den Rechtsanwalt, der die Computer statt in Monaten nach Wochen zurückholt, darf man selbstverständlich selber zahlen. Weil: Die Polizei, Staatsanwalt etc. machen ja nur ihre Arbeit.
überholspur 26.04.2013
4. Rechtsstaat mal anders
Nicht erst seit dieser Geschichte stellt sich die Frage, wie es um den Rechtsstaat Deutschland bestellt ist. Für Hannover ist das immerhin eine gute Nachricht. Im ansonsten rechtsfreien Raum am Steintor gewährleisten die Hells Angels nämlich die Sicherheit für normale Bürger. Gegen die dort sonst agierenden Banden aus diversen Kulturkreisen schreitet längst kein Polizist mehr ein und mit dem neuen Polizeichef (gleich nach der Landtagswahl von der neuen Regierung eingesetzt) wird das sicher auch nicht besser.
Roman W 26.04.2013
5. denke eher einflussreich
Beim "Paten" wurde noch der Bruder vom Kronzeugen, von der Mafia in den Gerichtssaal gebracht... Man sollte sich vielleicht fragen, warum dieser Kronzeuge der Staatsanwaltschaft um die Ohren fliegt. Aber erfrischend, wie die Staatsanwaltschaft auf einmal zu Kreuze kriecht...
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