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Hanf-Republik Deutschland: Marihuana made in Germany

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Die niederländische Polizei geht massiv gegen den Cannabis-Anbau vor. Mit Hubschraubern und Wärmebildkameras spürt sie den Pflanzern nach. Deshalb weichen die Drogenbosse jetzt über die Grenze aus - und die Zahl der illegalen Plantagen in Deutschland explodiert.

Hamburg - "Schönen guten Tag, liebe Kiffer-Community", schreibt der Nutzer, der sich "Papapunani" nennt, in einem Internet-Forum und kommt dann schnell zur Sache. Weil es dort, wo er wohne, nur "Schrott Piece" gebe, habe er sich nun "entschlossen, selbst anzubauen". Er fragt unverhohlen in die Runde: "Welche Samen sollte ich nehmen?"

Drogenfahnder in Cannabis-Plantage: "Absolute Priorität"
DPA

Drogenfahnder in Cannabis-Plantage: "Absolute Priorität"

Die Antworten lassen nicht lange auf sich warten. "Klickklack" empfiehlt "Skunk Sorten", und "Bushido 1221" schwört auf Cannabis-Setzlinge der Sorte "Early Girl". "ReggaeSun" schließlich weist auf einen Online-Versandhändler in den Niederlanden hin, der auf Anfrage gratis Proben verschicke. Auch spart die Kiffer-Community nicht mit klugen Ratschlägen zu Hege und Pflege des berauschenden Grünzeugs: "Du musst gucken, dass die Temperatur im Winter nicht unter 14 Grad fällt", warnt "Ökofutzi". Der angehende Jung-Bauer "Papapunani" dankt wenig später artig "für alle hilfreichen Antworten".

Die anregende Konversation im Netz verdeutlicht einen Trend, der Polizei und Zoll zunehmend Sorge bereitet. War es früher bei Marihuana-Konsumenten durchaus üblich, den Stoff aus den benachbarten Niederlanden ins Land zu schmuggeln, und war es deshalb vielfach auch möglich, die Grenzgänger zu erwischen, verlegen sich die Kiffer inzwischen darauf, ihre Pflanzen selbst anzubauen. "Home grown drugs" statt Adrenalinstöße im Auto: In Deutschland blüht die Zucht von Cannabis & Co.

Und das nicht nur, weil Feierabend-Kiffern die Reisen ins Nachbarland zu beschwerlich oder zu risikoreich geworden sind, sondern vor allem, weil die niederländische Polizei den Druck auf die Drogen-Bosse deutlich erhöht hat. Mit Hubschraubern, Wärmebildkameras und großem Erfolg fahnden die Ordnungshüter im Reich der Königin Beatrix seit einiger Zeit nach den Hanf-Plantagen, auf denen der Nachschub für die "Koffieshops" gedeiht. Die Folge: Viele Drogenbosse bauen mittlerweile lieber im benachbarten Deutschland an.

"Die Zahl der ausgehobenen Groß- und Profiplantagen ist in den vergangenen Jahren extrem angestiegen", sagt Frank Scheulen, Sprecher des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts (LKA), SPIEGEL ONLINE. Habe man im Jahr 2000 noch ganze drei illegale Gewächshäuser entdeckt, seien es 2006 bereits 57 gewesen. "Für uns hat der Kampf gegen das Cannabis inzwischen absolute Priorität", so Scheulen.

In anderen Bundesländern verläuft die Entwicklung entsprechend. So stellten die Berliner Drogenfahnder noch im gesamten Jahr 2005 lediglich 1800 Cannabis-Pflanzen sicher, im ersten Halbjahr 2006 waren es bereits 30.400 Stück. Und in Niedersachsen stieg die Zahl der ausgehobenen sogenannten Großplantagen (mehr als 100 Pflanzen) von drei im Jahr 2001 auf elf im ersten Halbjahr 2007.

Auch die Zollfahndung schlägt Alarm: "Wir verzeichnen einen zunehmenden Schmuggel von Saatgut und professionellem Anbaugerät nach Deutschland. Das ist eine sehr auffällige neue Entwicklung", so Wolfgang Schmitz, Sprecher des Zollkriminalamts. "Da müssen wir gegensteuern."

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