Hannover Babys im Koffer - Mutter bestreitet Tötungsvorsatz

Eine Frau soll ihre beiden Babys in einen Koffer gesteckt haben, nur eines überlebte. Vor Gericht bestritt die Mutter nun den Vorwurf des versuchten Totschlags.

Die Angeklagte Laura S. im Landgericht Hannover
DPA

Die Angeklagte Laura S. im Landgericht Hannover


Vor dem Landgericht Hannover hat der Prozess wegen Totschlags gegen eine 22-Jährige begonnen. Der Mutter wird vorgeworfen, ihre beiden Babys in einen Koffer gesteckt zu haben. Nur eines der Kinder überlebte.

Der 22-Jährigen drohen mehrere Jahre Haft. Im Prozess soll auch ein Sachverständiger zur Schuldfähigkeit der Frau gehört werden, außerdem ein medizinischer Gutachter zum Zustand des lebend gefundenen Babys. Im Fall des toten Kindes wurden die Ermittlungen eingestellt, weil nicht zu klären war, ob dieses Baby im Januar 2015 bereits tot zur Welt kam.

Vor Gericht bestritt die Frau einen Tötungsvorsatz. "Ich war mir damals sicher, dass das Leben meines Babys nicht bedroht war", erklärte die 22-Jährige in einer von ihrem Verteidiger verlesenen Erklärung. Sie habe zu keinem Zeitpunkt in Kauf genommen, dass ihre Tochter sterben oder ihr etwas passieren könne. Sie habe in dem in ihrer Wohnung gefundenen Koffer für ausreichend Wärme und Belüftung gesorgt. "Es tut mir unendlich leid, wie ich mich anlässlich der Geburt meiner Tochter verhalten habe", ließ die Frau erklären. Warum sie die Kinder in den Koffer steckte, ist unklar.

Der Lebensgefährte der Frau hatte im September im Abstellraum der gemeinsamen Wohnung in Hannover in einem Koffer ein wenige Tage altes Neugeborenes gefunden, das noch lebte. In dem Gepäckstück lag auch eine bereits skelettierte Babyleiche. Die Mutter ist wegen versuchten Totschlags und Verletzung der Fürsorgepflicht angeklagt.

Nach den bisherigen Erkenntnissen ging die junge Frau nach der Geburt des überlebenden Säuglings an den folgenden Tagen regelmäßig zur Arbeit. Zwischendurch soll sie nur gelegentlich nach dem Neugeborenen geschaut und dieses gestillt haben. Bis zur Erhebung der Anklage Ende Dezember äußerte sich die Frau nicht zu dem Vorwurf, ihre Kinder schwer vernachlässigt zu haben.

Der Koffer, in dem noch eine Vielzahl anderer Gegenstände lagen, war den Ermittlungen zufolge zunächst nur zugeklappt. Als er gefunden wurde, war er mit einem Reißverschluss verschlossen. Gegen den 19 Jahre alten Freund der Frau wurde nicht ermittelt. Das Paar war erst wenige Monate zuvor in die Wohnung gezogen. Ein Urteil wird für März erwartet.

cnn/dpa



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