Umstrittenes Elefanten-Training Mitarbeiter des Zoos Hannover erhalten Morddrohungen

Im Zoo von Hannover trainieren Pfleger die Elefanten mit Spezialhaken, Aktivisten haben wegen Tierquälerei Anzeige erstattet. Nun erhalten Mitarbeiter des Parks massive Drohungen - und die Polizei reagiert.

Elefanten im Erlebniszoo Hannover
AP/dpa

Elefanten im Erlebniszoo Hannover


In der Debatte über die Behandlung junger Elefanten im Erlebniszoo Hannover ist nun die Polizei eingeschaltet. Am Dienstagabend veröffentlichte Videos sollen zeigen, wie Pfleger die Tiere misshandeln, seitdem steht der Zoo in der Kritik.

Inzwischen gibt es den Behörden zufolge Morddrohungen gegen den Direktor und Pfleger, daher hat die Polizei nach eigenen Angaben am Zoo ihre Präsenz mit Streifen erhöht. "Wir stehen im engen internen Austausch mit dem Zoo", sagte ein Polizeisprecher.

Die Leitung des Zoos wies die Anschuldigungen zurück und forderte eine sachliche Debatte. "Wir wehren uns entschieden gegen jede Vorverurteilung", sagte Geschäftsführer Andreas Casdorff. Die Elefanten-Herde habe eine tolle Sozialstruktur, in den vergangenen Jahren seien 17 Kälber geboren worden.

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Die Tierrechtsorganisation PETA wirft Pflegern vor, Jungtiere misshandelt zu haben. Die heimlich aufgenommenen Filme aus dem vergangenen Jahr sollen belegen, dass die Tiere mit sogenannten Elefantenhaken traktiert würden. Der Zoo kündigte an, das heimlich aufgenommene Videomaterial zu analysieren und einen externen Sachverständigen hinzuzuziehen (mehr über das Thema lesen sie hier).

Im Video: Heimliche Aufnahmen im Erlebniszoo Hannover

PETA Deutschland e.V.

PETA hat bei der Staatsanwaltschaft Hannover Strafanzeige wegen Tierquälerei erstattet. Demnach sollen die schmerzhaften Schläge dazu führen, dass die Elefanten Tricks für zirkusähnliche Shows in dem Tierpark erlernen. Zoo-Chef Casdorff hatte diesen Vorwurf zurückgewiesen: "Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, solche Shows gibt es schon seit Jahren nicht mehr", sagte er dem SPIEGEL.

Zentral in der Debatte ist die Frage der Haltungsweise: In Hannover werden die Elefanten nach dem traditionellen Prinzip "direkter Kontakt" gehalten, die Pfleger sind dabei Teil der Herde und untermauern ihre Autorität mithilfe des Elefantenhakens. Viele Tierparks haben inzwischen - zum Teil nach Angriffen auf Pfleger - umgestellt auf "indirekten Kontakt": Tiere und Mitarbeiter sind dabei voneinander getrennt. Auch der Zoo in Hannover will bis 2020 auf diese Methode wechseln.

Ein Ende der hitzig geführten Debatte ist nicht in Sicht: Tierschützer haben für die kommenden Tage Mahnwachen vor dem Zoo angekündigt.

mxw/dpa



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