Justizopfer Harry Wörz "Es läuft draußen noch einer rum"

Harry Wörz saß jahrelang unschuldig im Gefängnis. Nun erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Polizei und fordert, die Suche nach dem Täter müsse weitergehen.

Harry Wörz bei Pressekonferenz in Pforzheim
DPA

Harry Wörz bei Pressekonferenz in Pforzheim


Justizopfer Harry Wörz verlangt, dass die Ermittlungen zum versuchten Totschlag an seiner Ex-Frau fortgesetzt werden. "Es läuft draußen noch einer rum", sagte er in Pforzheim. Die Polizei müsse weiter nach dem wahren Täter suchen. Das wolle die Polizei allerdings nicht, kritisierte Wörz, weil sie dann in den eigenen Reihen suchen müsse.

Der 50-Jährige aus Birkenfeld bei Pforzheim war 1998 wegen versuchten Totschlags an seiner damaligen Frau, einer Polizistin, zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Das Paar lebte zum Tatzeitpunkt bereits getrennt.

Viereinhalb Jahre saß er im Gefängnis, heute gilt er als unschuldig. Im Dezember 2010 wurde er vom Bundesgerichtshof endgültig rehabilitiert.Vor kurzem hatte sich Wörz mit dem Land Baden-Württemberg auf eine Entschädigung von 450.000 Euro geeinigt.

Die Ermittler hatten sich lange nur auf Wörz als Tatverdächtigen fokussiert. Der wahre Täter ist bis heute nicht ermittelt. Auch der Vater des Opfers als auch ihr damaliger Freund arbeiteten bei der Polizei.

koe/dpa

insgesamt 12 Beiträge
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lemmy 17.01.2017
1. Dieser Fall geht an die Nieren
Wenn man diesen Fall von Anfang an verfolgt hat, dann ist man versucht den Glauben an den Rechtsstaat zu verlieren. Abgesehen vom Schicksal dieses unglücklichen Justizopfers reiht sich in diesem Fall eine Panne an die nächste. Und am Ende läuft der Mörder dieser Frau immer noch frei herum, obwohl es in den Prozessen immer wieder eindeutige Hinweise auf einen tatverdächtigen Polizisten gab. Die Ermittlungen in diese Richtung wurden allerdings eingestellt. Warum wohl ?
NorbertRick 17.01.2017
2. Ein trauriges Kapitel
... um einen Fall, den ich seit Jahren in den Medien mit verfolge, und der geeignet ist, das Vertrauen in Polizei, Staatsanwaltschaft und Rechtsprechung wirklich aufs Übelste zu erschüttern. Bereits 2009 hatte die 3. Große Strafkammer des Mannheimer Landgerichts einen wahrscheinlichen anderen Täter namentlich benannt - für ein Gericht ziemlich ungewöhnlich und eine Ohrfeige für die Ermittler und auch die Staatsanwaltschaft. Passiert ist in diese Richtung aber offenbar seitdem recht wenig. Hätte es den akribischen RA Gorka und den Zivilrechtsprozess um die Pflegekosten nicht gegeben, säße Herr Wörz wahrscheinlich heute noch hinter Gittern. Wie viele solcher Fälle mag es noch geben? Man mag nicht daran denken ...
fanasy 17.01.2017
3. Sie lebt ja noch
nur ist sie wohl ein Pflegefall und kann sich nicht äußern. Wenn es Harry Wörz nicht war, wer hat dann noch ein Motiv? Wieso gehen die Ermittlungen nicht weiter?
dancar 17.01.2017
4. Hammer-Fall
"Das Opfer, der Vater des Opfers (stand unter Verdacht), der Geliebte des Opfers (stand ebenfalls unter Verdacht) und die ermittelnden Beamten gehörten zu ein und demselben Revier hier in Pforzheim. Kollegen ermittelten gegen Kollegen, die sich teilweise schon Jahrzehnte kannten. Nur Harry Wörz war kein Polizeibeamter..." Ich kann mich erinnern, dass der neue Lebensgefährte des Opfers (ein Polizist) auch kein wasserdichtes Alibi hatte, sein Fahrzeug aber nicht auf Rest-Motorwärme untersucht wurde, was in der damals kühlen Nacht ein wichtiges Indiz gewesen wäre.
winterwoods 17.01.2017
5. Dokumentationen
Es gibt im Netz gute Dokumentationen über den Fall zu finden. Im Raum steht auch der Verdacht, dass hier Polizisten Polizisten deckten.
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