Hollywoodproduzent unter Druck Weinstein mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontiert

Drei Frauen sollen laut einem Bericht von Harvey Weinstein sexuell misshandelt worden sein. Tonbandaufnahmen belasten den Filmmogul schwer - auch Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie haben nun Anschuldigungen erhoben.

Harvey Weinstein (Archiv)
AP

Harvey Weinstein (Archiv)


Die Vorwürfe gegen Hollywoodproduzent Harvey Weinstein ziehen immer weitere Kreise - und haben nun eine neues Level erreicht. In einem Beitrag des "New Yorker" berichtet Ronan Farrow, der Sohn von Regisseur Woody Allen und Schauspielerin Mia Farrow, detailliert über drei angebliche Vergewaltigungen durch Weinstein. Eine Sprecherin des Filmbosses widersprach den Vorwürfen aufs Schärfste.

Dem Bericht zufolge waren die italienische Schauspielerin Asia Argento, die angehende Darstellerin Lucia Evans und eine nicht näher genannte Frau von Weinstein zu Geschlechtsverkehr oder anderen sexuellen Handlungen gezwungen worden. Vier andere Frauen sollen laut dem Artikel begrapscht worden sein.

Die Website "The New Yorker" hat zudem noch einen polizeilichen Tonmitschnitt veröffentlicht, der Weinstein schwer belastet. Es ist zu hören, wie der 65-Jährige ein italienisches Top-Model in einem New Yorker Hotel bedrängt. Diese wirft ihm in dem Gespräch unter anderem vor, am Abend zuvor sehr aufdringlich gewesen zu sein und ihre Brüste berührt zu haben.

Auch die Hollywoodgrößen Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie haben inzwischen Vorwürfe gegen Weinstein erhoben. Die beiden Oscar-Preisträgerinnen gaben an, von Weinstein belästigt worden zu sein. "Diese Art, Frauen zu behandeln, endet nun", sagte Paltrow der "New York Times". Paltrow war 22 Jahre alt, als sie erstmals mit Weinstein zusammenarbeitete. Vor einem Shooting soll er sie in seine Villa in Beverly Hills eingeladen haben. Dort habe er sie angefasst und vorgeschlagen, in sein Massage-Zimmer zu gehen. Sie lehnte ab.

Hollywoodstar Angelina Jolie
REUTERS

Hollywoodstar Angelina Jolie

Jolie: "Ich habe andere Schauspielerinnen vor ihm gewarnt"

Anschließend habe sie es Brad Pitt, ihrem damaligen Lebensgefährten, anvertraut. Der soll Weinstein mit den Vorwürfen konfrontiert haben. Schon kurz darauf soll der Produzent Paltrow gewarnt haben, es keiner weiteren Person zu erzählen. "Ich dachte, er würde mich feuern", so Paltrow.

Ähnliches berichtet Jolie. Die 42-Jährige, die mit der Darstellung der Videospielheldin Lara Croft große Berühmtheit erlangte, soll einen Annäherungsversuch Weinsteins in einem Hotel Ende der Neunzigerjahre abgelehnt haben. "Ich hatte eine schlechte Erfahrung mit Harvey Weinstein in meiner Jugend. Daraufhin habe ich entschieden, nie wieder mit ihm zu arbeiten. Außerdem habe ich andere Schauspielerinnen gewarnt, die dies tun wollten", so Jolie in einer E-Mail.

Der Druck auf Weinstein wird immer größer. Er wurde von seinem Filmstudio The Weinstein Company entlassen- mehrere prominente Schauspielerinnen, Regisseure und TV-Moderatoren äußerten Kritik. Meryl Streep, die Weinstein 2012 bei den Golden Globes noch einen "Gott" genannt hatte, distanzierte sich inzwischen von dem Oscar-prämierten Produzenten.

Zu den Betroffenen soll unter anderem die Schauspielerin Ashley Judd zählen. Die Vorfälle, die die "New York Times" aufgedeckt hatte, reichen fast drei Jahrzehnte zurück. Mit mindestens acht Frauen habe sich Weinstein außergerichtlich geeinigt.

apr/bam/AP

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Criticz 10.10.2017
1. Jetzt, wo es keinerlei Mut mehr erfordert, den Mund aufzumachen
da Weinstein eh erledigt ist (egal was bei Gericht rauskommt), machen also die Damen Jolie und Paltrow den Mund auf. Warum nicht früher? Weil es der Karriere geschadet hätte? Wie viel Leid wäre nicht passiert, hätten die beiden - und viele andere - das Rückgrat gehabt früher den Mund aufzumachen. Zeit, das mal zu diskutieren.
eurusiii 10.10.2017
2. Wenn schon....
Paltrow und Jolie nichts sagen, dann kann jemand wie Weinstein natürlich wie bisher weitermachen. Jetzt aber sich erst zu melden, hat einen bitteren und egoistischen Beigeschmack: Erst muss meine Karriere laufen und dann melde ich mich hinterher "mutig" aus der Deckung.
theodoricus_lindauer 11.10.2017
3. Man fragt sich,
woher stammen immer die Tonbandaufnahmen. Hat da jemand ein Archive geöffnet?
divStar 11.10.2017
4. Entschuldigt .. aber...
Welcher Druck soll größer werden? Es gibt keinen Druck solange es keine Beweise gibt. Gibt es letztere, so sollte der Mann verhaftet und vor Gericht gebracht werden. Denunzieren weil man keine Beweise hat ist typisch Hollywood (bzw. typisch für unseren Zeitgeist), hilft an dieser Stelle jedoch sicherlich nicht weiter und erhöht sicherlich nicht die Glaubhaftigkeit der Frau(en) insgesamt. Der Beschuldigte ist unschuldig bis das Gegenteil bewiesen ist - das sollten vor allem Medien generell öfter bedenken. Rufmord ist nämlich auch zurecht einklagbar und falls der Typ unschuldig ist, sollte er hiervon insbesondere gegenüber den Medien, die das bewusst aufbauschen, aber auch den Frauen - falls nötig - Gebrauch machen. Ich jedenfalls würde das.
andreas_reinold 11.10.2017
5. Besser spät als gar nicht.
Klar, kommt alles ein bisschen spät. Hilft aber immer noch, weil es die vorhergehenden Aussagen glaubhafter macht. Hollywood muss sich allerdings fragen lassen, wieso das so lange laufen konnte, insbesondere weil man sonst ja gerne die moralischen Höhenstellung bezieht.
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