Verleumdungsklage Harvey Weinstein hält Ashley Judds Vorwürfe für haltlos

Harvey Weinstein torpedierte Ashley Judds Karriere, weil sie seine sexuellen Avancen abwies - das macht die Schauspielerin vor Gericht geltend. Der Produzent hat nun beantragt, die Klage abzuweisen. Doch Judd hat einen prominenten Zeugen.

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Ashley Judd gehörte zu den ersten Frauen, die Belästigungsvorwürfe gegen Harvey Weinstein öffentlich machten. Im Frühjahr verklagte die Schauspielerin den ehemaligen Filmproduzenten: Judd macht geltend, Weinstein habe absichtlich ihre Karriere torpediert, nachdem sie seine sexuellen Avancen zurückgewiesen habe.

Judd geht es nach eigener Aussage nicht ums Geld. Falls sie entschädigt werde, wolle sie die Summe an Time's Up spenden, teilte sie mit. Die Organisation stellt Opfern sexueller Übergriffe juristische Hilfe zur Verfügung.

Weinsteins Anwälte haben nun vor einem Gericht in Los Angeles beantragt, die Klage abzuweisen. Die Vorwürfe seien haltlos, hieß es zur Begründung. Zudem sei die Klage nicht fristgerecht eingereicht worden - die Verjährungsfrist sei längst überschritten.

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Klage gegen Harvey Weinstein: Schmierenkampagne vor Gericht

Unter anderem macht Weinstein geltend, Judd habe gesagt, er dürfe sie erst berühren, wenn sie für einen seiner Filme einen Oscar gewonnen habe. Das sei nicht ernst gemeint gewesen, entgegnet Judd. Sie habe diesen Satz vor 22 Jahren gesagt, um das Hotelzimmer verlassen zu können, in dem Weinstein sie gefragt habe, ob er sie massieren oder sie ihm beim Duschen zuschauen könne. Weinstein habe ihr die Aussage immer wieder vorgehalten.

"Schmierenkampagne in vollem Gang"

Seine Anwälte sehen dies als Zeichen, dass er versucht habe, Judd oscarwürdige Rollen zu verschaffen, etwa in "Good Will Hunting". Das zeige, dass er versucht habe, die Karriere der Schauspielerin zu befördern und nicht zu schädigen. Judds Anwalt Theodore Boutrous Jr. teilte mit, Weinsteins Bemühungen, sich den Konsequenzen für seine Handlungen zu entziehen, seien abstoßend.

Ob Weinstein mit seiner Argumentation durchkommt, ist fraglich. Normalerweise ist es zwar schwierig zu beweisen, dass man eine Rolle nicht bekommen hat, weil man grundlos als "schwieriger Charakter" verunglimpft wurde. Aber Judd hat einen Vorteil.

Im vergangenen Dezember sagte Regisseur Peter Jackson, er habe Judd von der Besetzungsliste für seine "Der Herr der Ringe"-Filme entfernt - und zwar aufgrund von Informationen Weinsteins, die er inzwischen als falsch ansehe. Jackson hatte Judd für eine Hauptrolle in der Trilogie vorgesehen. Weinstein habe Judd diese unglaubliche Karrierechance verbaut, indem er Jackson gesagt habe, es sei ein Albtraum, mit der Schauspielerin zu arbeiten - man solle sie "um jeden Preis meiden". Über Mira Sorvino, die Weinstein ebenfalls sexuelle Belästigung vorwirft, soll sich der Produzent ebenso geäußert haben.

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Sexuelle Belästigung und Vergewaltigung: Die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein

Damals, sagte Jackson im vergangenen Dezember, habe er keinen Grund gehabt, an Weinsteins Aussagen zu zweifeln. Rückblickend müsse er jedoch konstatieren, dass die "Schmierenkampagne gegen diese beiden talentierten Frauen in vollem Gang" gewesen sei.

Die ersten Vorwürfe gegen Weinstein waren im vergangenen Oktober laut geworden. Mittlerweile werfen ihm mehr als hundert Frauen sexuelle Übergriffe bis hin zu Vergewaltigungen vor. Inzwischen laufen Strafverfahren gegen ihn; in New York ist er wegen Vergewaltigung, erzwungenem Oralsex und sexueller Tätlichkeit angeklagt. Weinstein plädiert auf nicht schuldig. Er hatte im Zuge der Vorwürfe Fehlverhalten eingeräumt, aber Vorwürfe von nicht einvernehmlichem Sex zurückgewiesen sowie Vergewaltigungen bestritten.

Aus der Debatte über den Fall Weinstein erwuchs die weltweite #MeToo-Debatte über sexuelle Übergriffe. Das US-Magazin "Time" erklärte die Frauen, die #MeToo mit Enthüllungen über sexuelle Übergriffe von Männern ins Rollen brachten, zur Person des Jahres 2017. Auf der Titelseite des Magazins war unter anderem Judd zu sehen.

ulz/AP

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