Weinstein-Skandal "Die Schikane hätte vermieden werden können"

Die Initiative Time's Up fordert, die Rolle des New Yorker Staatsanwalts Cyrus Vance im Weinstein-Skandal zu untersuchen. Er hatte im Jahr 2015 von einer Strafverfolgung gegen den Produzenten abgesehen.

Harvey Weinstein
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Im Skandal um die Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein gerät der Staatsanwalt Cyrus Vance offenbar erneut unter Druck. Die Initiative Time's Up hat den New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo aufgefordert, Ermittlungen gegen Vance einzuleiten.

Er hatte im Jahr 2015 von einer Strafverfolgung gegen Weinstein abgesehen - nach eigener Aussage aus Mangel an Beweisen. Dabei handelt es sich um den Fall des Models Ambra Battilana Gutierrez. Auf einer Tonbandaufnahme von verdeckten Ermittlungen ist Weinstein beim Versuch zu hören, das Model in sein Hotelzimmer zu locken, nachdem er sie tags zuvor offenbar begrapscht hatte. Die Aufnahme hätte jedoch nicht ausgereicht, um eine Straftat nach New Yorker Gesetzen nachzuweisen, hieß es vom Büro des Bezirksstaatsanwalts.

Cyrus Vance
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Time's Up äußerte in einem offenen Brief, den "The Cut" veröffentlichte, die Vermutung Vance könnte auf unangemessene Weise von Weinstein oder seinen Vertretern beeinflusst worden sein. Außerdem weist Time's Up auf Berichte hin, denen zufolge die Polizei von New York versucht hätte, Battilana von Vances Mitarbeitern zu isolieren, weil sie befürchtete, dass diese "aktiv daran arbeiten würden, ihre Geschichte zu diskreditieren". Dies sei ein weiterer Grund für umgehende genaue Untersuchungen.

Unter anderem fordert Time's Up die vollständige Überprüfung des Schriftverkehrs zwischen der Behörde und Vertretern von Weinstein. Auch auf die mutmaßlichen Folgen der Entscheidung Vances weist die Initiative in ihrem Brief hin: Aufgrund der zahlreichen "glaubhaften Berichte über Weinsteins Verhalten" wäre es wohl so, dass "die Schikane anderer hätte vermieden werden können".

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Sexuelle Belästigung und Vergewaltigung: Die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein

Weinstein gehörte jahrelang zu den erfolgreichsten Produzenten Hollywoods, bis im vergangenen Herbst zahlreiche prominente Schauspielerinnen schwere Vorwürfe gegen ihn wegen sexueller Belästigung erhoben, darunter Angelina Jolie, Salma Hayek, Ashley Judd, Gwyneth Paltrow, Rose McGowan - und Uma Thurman. Mehrere Frauen sprachen zudem von Missbrauch und Vergewaltigung. Weinstein räumte zwar Fehlverhalten ein, wies Vergewaltigungsvorwürfe jedoch wiederholt zurück.

bbr/AP



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