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Ertrunkener Flüchtlingsjunge: Hausdurchsuchung nach Hass-Kommentar zu Alan Kurdi

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AP

Dreijähriger Syrer Alan Kurdi: Auf der Flucht ertrunken

Ein Kind ertrinkt im Mittelmeer, ein Facebook-Nutzer kommentiert das Foto des toten Jungen mit grausamen Worten. Jetzt ermittelt die Berliner Polizei: Die Wohnung eines 26-Jährigen wurde durchsucht, sein Computer beschlagnahmt.

Der Tod und das Foto des dreijährigen ertrunkenen syrischen Flüchtlingskindes Alan Kurdi haben in den vergangenen Tagen weltweit Bestürzung ausgelöst. Die Leiche des Jungen war am Mittwoch am Strand im türkischen Bodrum angespült worden.

Doch neben den zahlreichen Beileidsbekundungen gab es auch unfassbar menschenverachtende Kommentare. So wurde laut Berliner Polizei ein Facebook-Posting mit dem Bild von Alan veröffentlicht, in dem stand: "Wir trauern nicht, sondern wir feiern es."

Wie die "Welt" berichtet, steht hinter dem Kommentar eine Gruppe namens "Berlin wehrt sich - Gemeinsam gegen Asylmissbrauch!". In dem Kommentar habe demnach auch gestanden: "Nur ein Flüchtling, ein Flüchtling ist zu wenig: Das Meer hat schon mehr Flüchtlinge geschluckt!" Mehrere andere Nutzer hätten daraufhin angekündigt, Anzeige wegen des im Internet veröffentlichten Hass-Kommentars zu erstatten.

Ermittler haben nun am Samstag eine Wohnung in Berlin-Hellersdorf durchsucht. Deren 26 Jahre alter Bewohner soll für die drastischen Worte verantwortlich sein, mit denen der tote Junge auf Facebook verunglimpft wurde.

Ein Computer und zwei Mobiltelefone wurden nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft sichergestellt. Laut Zeitungsbericht ermittelt die Polizei unter anderem wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener. Der Nachrichtenagentur AP zufolge droht dem Verfasser bei Verurteilung eine dreijährige Haftstrafe.

Der dreijährige syrische Kurde Alan Kurdi war auf dem Weg nach Griechenland im Mittelmeer ertrunken. Als das Schlepperboot kenterte, starben auch seine Mutter und sein fünfjähriger Bruder, nur Vater Abdullah überlebte. Die Familie wollte ursprünglich zu Verwandten nach Kanada ziehen, bekam aber kein Visum. Daraufhin begab sie sich in die Hand von Schleppern - ein tödlicher Fehler.

Die Mutter und die beiden Kinder wurden inzwischen in ihrer nordsyrischen Heimatstadt Kobane beigesetzt. Vater Abdullah sagte dem kurdischen Sender Rudaw: "Ich hoffe, dass meine Geschichte die Menschen dazu bringt, den Flüchtlingen mehr zu helfen."

lgr/dpa/AP

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