Havarierte "Waldhof" Säuretanker war 631 Tonnen zu schwer

Nach sieben Monaten ist die Havarie der "Waldhof" offenbar aufgeklärt. Laut Staatsanwalt war der Chemietanker bei dem Unglück nahe der Loreley viel zu schwer. Um mehr als 600 Tonnen sei das Schiff überladen gewesen - und hätte gar nicht auf dem Rhein fahren dürfen.

Bergung der "Waldhof" im Februar: Ladegrenzen deutlich überschritten
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Bergung der "Waldhof" im Februar: Ladegrenzen deutlich überschritten


Koblenz - Im Januar war das Tankmotorschiff "Waldhof" auf dem Rhein havariert - nun ist die Ursache offenbar klar. Das mit Schwefelsäure beladene Schiff war unterhalb der Loreley gekentert, weil es "schlicht überladen" gewesen sei, sagte Oberstaatsanwalt Horst Hund am Montag in Koblenz.

Die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung sowie Gefährdung des Schiffsverkehrs gegen die Schiffsführer und deren Reederei würden fortgesetzt.

Laut Hund hatte die "Waldhof" zum Zeitpunkt des Unfalls 631 Tonnen Ladung zu viel an Bord. In den sieben Tanks seien 2378 Tonnen Schwefelsäure transportiert worden. Allerdings hätten nur vier davon mit maximal 1747 Tonnen befüllt werden dürfen, um die stabile Lage des Schiffes nicht zu gefährden. Die "Waldhof" hätte daher überhaupt nicht auf dem Rhein unterwegs sein dürfen, so der Staatsanwalt. Ein Sprecher der Reederei wollte auf Nachfrage keine Angaben zu den laufenden Ermittlungen machen.

Ende vergangener Woche hatte die Reederei eine Expertise vorgelegt, wonach ein zweites Schiff den Unfall verursacht haben soll. Für das Privatgutachten hatte ein Schifffahrtsexperte Radarbilder vom Unfalltag ausgewertet. Diese zeigten ein entgegenkommendes Schiff, das den Chemietanker behindert habe. Aus Platzmangel sei die "Waldhof" danach gegen die Uferböschung gestoßen und gekentert.

Bei dem Unglück am 13. Januar waren zwei Besatzungsmitglieder getötet und zwei weitere verletzt worden. Der gekenterte Tanker brachte die Rhein-Schifffahrt mehrere Wochen lang zum Erliegen.

jok/dapd/dpa



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gsm900, 22.08.2011
1. Wie auf der Autobahn
Zitat von sysopNach sieben Monaten ist die*Havarie*der*"Waldhof"*offenbar aufgeklärt. Laut Staatsanwalt war der Chemietanker bei dem*Unglück nahe der Loreley*viel zu schwer. Um mehr als 600 Tonnen sei das Schiff überladen gewesen - und hätte gar nicht auf dem Rhein fahren dürfen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,781696,00.html
überladene Transporter, übermüdete Fahrer, schrottreife Technik, zu schnell, zu wenig Abstand. Es gibt wie die berüchtigten Elefantenrennen auch Schifsrennen auf dem Rhein wie mir ein Schiffsführer berichtetet.
Geziefer 22.08.2011
2. Es fehlen wichtige Daten.
Zitat von sysopNach sieben Monaten ist die*Havarie*der*"Waldhof"*offenbar aufgeklärt. Laut Staatsanwalt war der Chemietanker bei dem*Unglück nahe der Loreley*viel zu schwer. Um mehr als 600 Tonnen sei das Schiff überladen gewesen - und hätte gar nicht auf dem Rhein fahren dürfen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,781696,00.html
Das Gutachten der Staatsanwaltschaft lässt sich schwierig nachvollziehen, weil wichtige Basisdaten fehlen. Die Gesamttragfähigkeit des Schiffes liegt bei 2.426 Metrik-Tonnen. Angeblich hatte das Schiff geladen "2.378 Tonnen Schwefelsäure (96 Prozent)" in sieben Edelstahltanks. Die Dichte von 96-98-prozentiger Schwefelsäure liegt bei 1,84. Das heißt: Ein Kubikmeter Schwefelsäure hat ein Gewicht von 1,84 Metrik-Tonnen. Zugelassen war das Schiff nur für eine Ladungsdichte von maximal 1,3 laut Staatsanwaltschaft. Es fehlen die Angaben über den Raum-Inhalt der sieben Tanks des Schiffes. Und es fehlen Angaben zu dem Raum-Inhalt (Raum-Maß) der geladenen Schwefelsäure. Hätte das Schiff 2.378 Kubikmeter Schwefelsäure laden wollen, wäre ein Gewicht von 4.375,52 an Bord gekommen.
heuwender 22.08.2011
3. ja ja
Zitat von gsm900überladene Transporter, übermüdete Fahrer, schrottreife Technik, zu schnell, zu wenig Abstand. Es gibt wie die berüchtigten Elefantenrennen auch Schifsrennen auf dem Rhein wie mir ein Schiffsführer berichtetet.
die Binnenschifffahrt ist hart umkämpft mit Dumpingpreisen, wie mir ein privater Schiffseigner mal sagte im Ölhafen Basel/ Muttenz.
Schalke 22.08.2011
4. ...
Ich habe damals schon was dazu geschrieben (http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=6999598&postcount=23) und habe auf Schwallbewegungen im Tank nach/durch einem/ein Manöver getippt, weil die Tanks nicht voll sein konnten wg. der Dichte von Schwefelsäure, wie hier schon angemerkt. Die hier angemerkten Unstimmigkeiten zwischen Metrik-Tonnen und Volumen sehe ich nicht. Wenn die Annahme stimmt, daß der Kahn zu schwer war, also zu viel geladen hatte, dann wurde irgendwo ein Fehler gemacht. Unbewußt, fahrlässig oder vorsätzlich, das wird die Staatsanwaltschaft schon klären. Rechnen wir nach mit den Zahlen aus der Wikipedia: Laden durfte es 2426 Tonnen/Kubik Wasser. Bei 1,84 Dichte hätten rd. 1318,5 m³ Säure geladen werden dürfen. Die Tanks wären nur etwas über halb voll gewesen, was immer noch für Schwallbewegungen aus diversen Gründen spricht. Gehe ich davon aus, daß 631 Tonnen zu viel an Bord waren, entspricht das rd. 343 Kubik Säure. Die Tanks wären zu etwas mehr als 2/3 gefüllt gewesen, was das Schwallen immer noch möglich macht. Das Schiff wäre aber immer noch schwimmfähig gewesen innerhalb normaler Fahrparameter. Für mich ist Fakt, daß trotz der Überladung irgendwas auf dem Rhein passiert sein muß, das die Situation entgleisen ließ. Das ändert nichts daran, daß jemand die Schuld an der Überladung trägt, aber es muß etwas geschehen sein, daß diesen Umstand erst relevant gemacht hat. Ähnlich dem alkoholisierten Autofahrer, der immer ohne erwischt zu werden nach Hause kommt und nix passiert. Aber auf einmal hat er einen Unfall, an dem er womöglich nicht mal schuld ist und schon spielt das keine Rolle mehr.
Schalke 22.08.2011
5. ...
Zitat von GezieferDas Gutachten der Staatsanwaltschaft lässt sich schwierig nachvollziehen, weil wichtige Basisdaten fehlen. Die Gesamttragfähigkeit des Schiffes liegt bei 2.426 Metrik-Tonnen. Angeblich hatte das Schiff geladen "2.378 Tonnen Schwefelsäure (96 Prozent)" in sieben Edelstahltanks. Die Dichte von 96-98-prozentiger Schwefelsäure liegt bei 1,84. Das heißt: Ein Kubikmeter Schwefelsäure hat ein Gewicht von 1,84 Metrik-Tonnen. Zugelassen war das Schiff nur für eine Ladungsdichte von maximal 1,3 laut Staatsanwaltschaft. Es fehlen die Angaben über den Raum-Inhalt der sieben Tanks des Schiffes. Und es fehlen Angaben zu dem Raum-Inhalt (Raum-Maß) der geladenen Schwefelsäure. Hätte das Schiff 2.378 Kubikmeter Schwefelsäure laden wollen, wäre ein Gewicht von 4.375,52 an Bord gekommen.
Und wäre gesunken wie ein Stein. Und zwar schon beim Laden.
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