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Blutverdünner für Schwangere: Hebamme wegen mehrfachen Mordversuchs vor Gericht

Angeklagte Hebamme (r.) mit Anwälten: Frau soll Tod von Schwangeren in Kauf genommen haben Zur Großansicht
DPA

Angeklagte Hebamme (r.) mit Anwälten: Frau soll Tod von Schwangeren in Kauf genommen haben

Eine Hebamme soll versucht haben, mehrere Schwangere zu ermorden. Dafür steht die Frau in München vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, zur Aufwertung ihres Selbstwertgefühls gehandelt zu haben.

Regina K. soll Schwangere im Kreißsaal absichtlich in Lebensgefahr gebracht haben - und muss sich nun wegen mehrerer Mordversuche vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft der 34-Jährigen vor, versucht zu haben, bei ihrer Arbeit im hessischen Bad Soden und am Münchner Klinikum Großhadern mehrere schwangere Frauen zu töten.

In mehreren Fällen fügte die Frau laut Anklage den Infusionen der Frauen vor Kaiserschnitten heimlich das blutverdünnende Mittel Heparin zu. Bei den Patientinnen habe dies zu "einem lebensbedrohlichen Blutverlust" geführt, heißt es in der Anklageschrift.

Regina K. seien die Auswirkungen ihres Handelns bewusst gewesen. "Dass die Verabreichung der Medikamente zum Tod der Patientinnen hätte führen können, nahm sie zumindest billigend in Kauf." In einem Fall soll die Hebamme sogar ein Mittel verabreicht haben, das bei Abtreibungen eingesetzt wird.

Notoperationen verhinderten, dass die Frauen verbluteten. Zwei Frauen wurde die Gebärmutter entfernt. Eine der betroffenen Frauen war als Nebenklägerin im Gerichtssaal anwesend. Sie brach bei der Verlesung der Anklage in Tränen aus.

Kritik am Klinikum

Als Motiv der Hebamme vermutet die Anklage "Aufwertung ihres Selbstwertgefühls" und "insgeheime Demonstration einer Überlegenheit". Die Angeklagte wollte sich zum Prozessauftakt nicht äußern.

Von den ursprünglich neun angeklagten Fällen stellte das Landgericht München I am ersten Verhandlungstag zwei ein. Es folgte damit einem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Ankläger gehen davon aus, dass die beiden Fälle das mögliche Strafmaß nicht sonderlich beeinflussen.

Das Gericht erwartet ein langes Verfahren. Die Vorwürfe gegen die Hebamme sollen an mehr als 50 Verhandlungstagen geklärt werden.

Im Klinikum Großhadern wurde man im Sommer 2014 auf K. aufmerksam. Ärzten fielen ungewöhnlich starke Blutungen bei mehreren Kaiserschnittgeburten auf. Die Klinik erstatte im Juli Strafanzeige.

Das Krankenhaus wurde dennoch wegen seines Vorgehens kritisiert. Es wusste davon, dass K. bereits vor ihrem Wechsel nach München wegen der mutmaßlichen Verabreichung eines falschen Medikaments aufgefallen war. Das Klinikum erklärte jedoch, K. habe ein "perfektes Zeugnis" vorgelegt. Bei einem Personalgespräch habe die Hebamme alle Zweifel wegen ihrer Vorgeschichte ausräumen können.

ulz/dpa

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HEPARIN
Heparin hemmt die Blutgerinnung. Unter anderem bekommen Patienten Heparin gespritzt, wenn sie eine Thrombose (Blutgerinnsel) haben oder diese verhindert werden soll. Auch beim Herzinfarkt oder bei einer Lungenembolie (Verstopfung in einer Lungenarterie) wird es eingesetzt. Nierenkranke, die regelmäßig zur Dialyse müssen, erhalten es ebenfalls.
  • Genaugenommen gibt es nicht ein Heparin, sondern verschiedene. In der Therapie werden deshalb das sogenannte unfraktionierte hochmolekulare Heparin sowie das niedermolekulare fraktionierte Heparin unterscheiden.
  • Eine Behandlung mit Heparin kann unter anderem eine sogenannte Thrombozytopenie (kurz HIT) auslösen: Die Zahl der für die Gerinnung wichtigen Blutplättchen sinkt rapide. Paradoxerweise führt dies nur selten zu Blutungen, aber oft zu Gefäßverschlüssen. Dies kann im schlimmsten Fall tödlich enden.
  • Mögliche allergische Reaktionen auf Heparin sowie ein erhöhtes Osteoporose-Risiko bei längerer Gabe sind weitere unerwünschte Nebenwirkungen.
Bei einer Periduralanästhesie (PDA) im Rahmen eines Kaiserschnitts wird Heparin nicht eingesetzt.


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