Heckhoff und Michalski Flüchtige Schwerverbrecher stehlen Auto

Die Polizei sucht mit Hochdruck nach den Ausbrechern Michael Heckhoff und Peter Michalski. Nach Angaben der Fahnder flüchten die Schwerverbrecher in einem dunklen BMW mit Essener Kennzeichen. Zuvor hatten sie ein älteres Paar überfallen, das sie später freiließen.

AP/ Polizei Aachen

Köln - Die Schwerverbrecher Heckhoff und Michalski sind nach Informationen der "Bild"-Zeitung wieder aufgetaucht. In der vergangenen Nacht hätten sie ein älteres Ehepaar in deren Haus in Essen-Werden überfallen, berichtete das Blatt am Samstagabend. Die Polizei in Köln bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass die beiden Ausbrecher sich ein Auto beschafft hätten, mit dem sie auf der Flucht seien. Es handele sich um einen dunklen BMW der 5er Reihe mit dem Essener Kennzeichen E - PS 1010. Allerdings stehe nicht fest, dass die Überfallenen ein Ehepaar seien. Weitere Angaben machte die Polizei zunächst nicht.

Laut "Bild"-Zeitung flüchteten die beiden Ausbrecher mit 200 Euro ihrer Opfer und Straßenkarten für die Niederlande. Der Fluchtwagen sei an der Ruhrtalbrücke an der Autobahn 52 zwischen Düsseldorf und Essen gesehen worden. Die Polizei habe Landesalarm ausgelöst. Alle in Frage kommenden Autobahnausfahrten sollten gesperrt und kontrolliert werden, berichtete "Bild" weiter. Eine Bestätigung für den Bericht gab es nicht.

Nach Angaben der Zeitung ließen sich die beiden Ausbrecher demnach am Samstag stundenlang von ihren Opfern in deren Auto herumfahren. Gegen 19 Uhr sei das Ehepaar in Mülheim-Saarn freigelassen worden. Die Gangster flüchteten mit dem Auto, berichtete das Blatt weiter. Ihre Opfer gingen in ein anliegendes Wohnhaus, meldeten sich bei der Polizei.

Polizei warnt vor Heldentum

Die Schwerverbrecher flohen am Donnerstagabend aus dem Hochsicherheitstrakt der Aachener Justizvollzugsanstalt. Mit zwei Pistolen und je acht Schuss Munition entkamen sie per Taxi nach Köln. Dort zwangen sie am Freitagmorgen eine junge Frau, sie mit ihrem Auto nach Essen zu fahren, wo sich dann ihre Spur vorerst verlor.

Die Essener Polizei erklärte, die zwei Männer hätten die 19-Jährige in ihre Gewalt gebracht und zu der Fahrt nach Essen gezwungen. An einer Brücke im Ortsteil Kettwig sei der Wagen wegen Spritmangels liegengeblieben. Die beiden Männer flüchteten zu Fuß weiter, die Schülerin ließen sie unverletzt zurück. Eine konzentrierte Fahndung unter anderem mit Hubschraubern und Wärmebildkameras im Essener Ausflugsgebiet Baldeneysee bis in den Freitagabend hinein hatte keinen Erfolg, wie Polizeisprecherin Marion Henkel sagte.

Die zuständige Polizei in Köln rief die Bevölkerung erneut zur Vorsicht auf. Man sei zwar auf Hinweise angewiesen. Aber Leute, die etwas beobachteten, sollten auf keinen Fall den Helden spielen, sondern sich nichts anmerken lassen und schnellstmöglich über die Notrufnummer 110 die Polizei verständigen, sagte ein Polizeisprecher. Die beiden Männer seien schwer bewaffnet und höchstgefährlich. Im Gegensatz zu den zur Fahndung verbreiteten Bildern hat einer der beiden Ausbrecher seinen Oberlippenbart entfernt. Beide trugen zuletzt identische graue Regenjacken.

Haftbefehl gegen Mitarbeiter der Haftanstalt

Die beiden Flüchtigen, der wegen Mordes verurteilte Peter Paul Michalski und der wegen Mordversuchs und Geiselnahme inhaftierte Michael Heckhoff, sind nach Auffassung des Aachener Polizeipräsidenten Klaus Oelze "hochgefährliche Männer - gewaltbereit, gewalttätig und bewaffnet". Gegen beide wurde Sicherungsverwahrung verhängt, so dass sie auch nach Verbüßung ihrer Haftstrafen nicht auf freien Fuß gekommen wären.

Zwei Tage nach dem Gefängnisausbruch wurde am Samstag Haftbefehl gegen einen Bediensteten der Justizvollzugsanstalt erlassen, der den beiden Schwerverbrechern bei dem Ausbruch geholfen haben soll. Der 40-Jährige verweigert nach wie vor die Aussage, wie die Sprecherin des nordrhein-westfälischen Justizministeriums, Andrea Bögge, der Nachrichtenagentur AP sagte.

Er wurde nach Auswertung der Aufnahmen einer Überwachungskamera an der Pforte der Haftanstalt festgenommen. Ihm werden den Angaben zufolge Gefangenenbefreiung im Amt und Verstoß gegen das Waffengesetz zur Last gelegt. Der Aufseher soll die beiden Männer nicht nur vorsätzlich aus dem Gefängnis herausgeschleust, sondern sie auch mit schussbereiten Dienstwaffen und Munition versorgt haben.

Wie die Ausbrecher genau die insgesamt fünf auf dem Weg zur Pforte verschlossenen Türen überwinden konnten, war am Samstag ebenso unklar wie die Frage, ob sie weitere Helfer hatten. Der bereits am Freitag festgenommene JVA-Bedienstete bleibt nach Verkündung des Haftbefehls in Untersuchungshaft, die er den Angaben zufolge in einem Gefängnis außerhalb von Nordrhein-Westfalen absitzen soll.

cte/AP/dpa



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