Heckhoff und Michalski Flüchtige Schwerverbrecher verändern ihr Aussehen

Hubschrauber, Wärmebildkameras, aber bislang kein Erfolg: Die Polizei sucht die aus einem Aachener Hochsicherheitstrakt geflohenen Schwerverbrecher Michael Heckhoff und Peter Michalski in Essen. Ein Justizbeamter soll ihnen geholfen haben - er wird dem Haftrichter vorgeführt.

AP/ Polizei Aachen

Essen - Am Samstagmorgen durchsuchten Polizeieinheiten das unübersichtliche Gebiet im Ruhrtal zwischen den Essener Stadtteilen Kettwig und Werden. Irgendwo in den Wäldern hier vermuten die Behörden die Schwerverbrecher Michael Heckhoff und Peter Michalski. Sie hatten am Freitag in Köln eine 19-Jährige in ihre Gewalt gebracht und zur Fahrt nach Essen gezwungen. An einer Brücke im Ortsteil Kettwig sei der Wagen wegen Spritmangels liegengeblieben. Von hier führt die Ruhr zum Baldeneysee in etwa fünf Kilometern Entfernung. Die Gegend ist dünn besiedelt, hügelig, zum Teil bewaldet.

Die beiden Männer seien zu Fuß weiter geflüchtet; die Schülerin sei unverletzt geblieben und wieder frei. Sie habe eine Personenbeschreibung abgegeben, und man gehe davon aus, dass es sich bei den Männern um die beiden Ausbrecher gehandelt habe.

Trotz zahlreicher Hinweise aus der Bevölkerung hat es auch am Samstagvormittag noch keine heiße Spur zu den beiden hochgefährlichen Ausbrechern aus dem Aachener Gefängnis gegeben. Eine konzentrierte Fahndung unter anderem mit Hubschraubern und Wärmebildkameras brachte keinen Erfolg, wie die Sprecherin der zuständigen Polizei Köln, Marion Henkel, der Nachrichtenagentur AP sagte.

Wie das regionale Nachrichtenportal Der Westen berichtet, haben die beiden Verbrecher ihr Aussehen verändert. Aussagen der entführten 19-Jährigen zufolge habe Heckhoff offenbar seinen Schnurrbart abgenommen, mit dem ihn Fahndungsbilder zeigen. Zumindest am Freitag sollen die beiden Männer ähnliche graue Regenmäntel getragen haben.

Schwerverbrecher flohen durch fünf Sicherheitstüren

Der am Freitag festgenommene Justizbeamte, der den beiden Männern bei der Flucht am Donnerstagabend geholfen haben soll, verweigert bislang die Aussage, wie die Sprecherin des nordrhein-westfälischen Justizministeriums, Andrea Bögge, auf AP-Anfrage sagte. Er soll nach ihren Angaben am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Ermittler werfen ihm unter anderem Beihilfe zur Geiselnahme und Gefangenenbefreiung im Amt vor.

Der 40-Jährige war nach Auswertung der Aufnahmen der Überwachungskamera an der Pforte festgenommen worden. Wie die Ausbrecher zuvor die insgesamt fünf auf dem Weg zur Pforte verschlossenen Türen überwinden konnten, war weiter unklar, wie Bögge sagte. Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei vor Ort dauern an.

Polizei: "Hochgefährliche Männer, gewaltbereit und bewaffnet"

Die beiden Flüchtigen, dem bereits wegen Mordes verurteilten Peter Paul Michalski und dem wegen Mordversuchs und Geiselnahme inhaftierten Michael Heckhoff, sind nach Auffassung des Aachener Polizeipräsidenten Klaus Oelze "hochgefährliche Männer - gewaltbereit, gewalttätig und bewaffnet". Heckhoff und Michalski gehören zu den "gefährlichsten Gefangenen, die wir in NRW haben", sagt Klaus Jäkel, Landesvorsitzender des Bunds der Strafvollzugsbediensteten.

Gegen beide Flüchtige wurde Sicherungsverwahrung verhängt, so dass sie auch nach Verbüßung ihrer Haftstrafen nicht auf freien Fuß gekommen wären. Besonders Michael Heckhoff gilt als Mann, der im Notfall schnell schießt. "Wenn er sich angegriffen fühlt und eine Schusswaffe hat, dann wird er von dieser Waffe wahrscheinlich Gebrauch machen", sagte der frühere Leiter der JVA Werl, Klaus Koepsel. Heckhoff war 1992 in Werl an einer Geiselnahme beteiligt.

Niemand solle versuchen, sie auf eigene Faust festzunehmen. "Bitte überhaupt keine Heldentaten", warnte Oelze am Freitag. Die Schwerverbrecher flohen am Donnerstagabend aus der hochgesicherten Aachener Justizvollzugsanstalt. Dabei überwältigten sie einen Justizbeamten und brachten zwei Pistolen mit je acht Schuss Munition an sich.

lis/AP



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