Heilbronner Polizistenmord Bundesanwaltschaft beendet Spekulationen um FBI-Operation

Waren Agenten des amerikanischen FBI am Tatort, als im April 2007 die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen wurde? Zwei Vermerke des Bundesnachrichtendienstes hatten für solche Spekulationen gesorgt - doch nun dementiert die Bundesanwaltschaft.

Trauerzug für Kiesewetter (April 2007): FBI war laut Bundesanwaltschaft nicht anwesend
dapd

Trauerzug für Kiesewetter (April 2007): FBI war laut Bundesanwaltschaft nicht anwesend

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Im Zuge der Ermittlungen zur rechtsextremistischen Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) hat die Bundesanwaltschaft eine angebliche Verwicklung amerikanischer Behörden in den Heilbronner Polizistenmord dementiert. Zwei Vermerke des Bundesnachrichtendienstes (BND) vom Dezember 2011 hatten für Spekulationen gesorgt, dass sich möglicherweise Agenten der US-Bundespolizei FBI während des Mordes an der Beamtin Michèle Kiesewetter im April 2007 in der Nähe des Tatortes aufgehalten haben könnten.

Laut den Vermerken hatte ein Verbindungsbeamter der US-Nachrichtendienste am 2. Dezember 2011 mit einem BND-Mitarbeiter telefoniert. In dem Gespräch habe der amerikanische Beamte geäußert, man habe "auf US-Seite Hinweise darauf, dass möglicherweise das FBI im Rahmen einer Operation auf deutschem Boden zwei Mitarbeiter nach Deutschland habe reisen lassen und diese nach dem Vorfall in Heilbronn wieder zurückbeordert habe".

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft dementiert nun: Man habe die "Hinweise auf eine angebliche Anwesenheit von Angehörigen von US-Sicherheitsbehörden bei dem Mordanschlag eingehend geprüft", erklärte er auf SPIEGEL-Anfrage, "keiner der Hinweise hat sich als tragfähig erwiesen".

Bereits im vergangenen Dezember hatte ein Medienbericht für Wirbel gesorgt, in dem behauptet wurde, dass angeblich ein Team aus Agenten des US-Militärgeheimdienstes DIA und deutschen Verfassungsschutzmitarbeitern am Heilbronner Tatort gewesen sei. Auch diesen Vorwurf halten die Ermittlungsbehörden inzwischen für widerlegt.

Der Mord an Kiesewetter wird dem NSU zugerechnet: Nach dem Auffliegen der Terrorzelle im November 2011 hatten Ermittler im Nachlass der Neonazis Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe nicht nur Kiesewetters gestohlene Dienstpistole gefunden sondern auch eine Jogginghose, die mit Blutspuren der ermordeten Polizistin behaftet war.

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