Heinsberg Polizei warnt Bevölkerung vor entlassenem Sexualstraftäter

Die Polizei spricht von einer "Gefahrenlage", der Landrat warnt die Bevölkerung: Ein aus der Haft entlassener Sexualstraftäter will in die Nähe von Mönchengladbach ziehen. Die Bevölkerung ist alarmiert - nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft gilt der 57-Jährige als rückfallgefährdet.


Heinsberg - Die Polizei in Heinsberg hat die Bevölkerung vor einem aus der Haft entlassenen Sexualstraftäter gewarnt, der in den Ort nahe Mönchengladbach ziehen möchte. Der 57-jährige Mann sei nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft rückfallgefährdet.

Wegen der Vergewaltigung von drei 14- und 15-jährigen Mädchen habe er bereits zwei Haftstrafen verbüßt. Zuletzt habe er in Bayern wegen der Vergewaltigung zweier Mädchen 14 Jahre im Gefängnis gesessen. Einen Antrag der Staatsanwaltschaft auf nachträgliche Sicherungsverwahrung habe das Landgericht München abgelehnt, teilte die Polizei am Dienstag mit.

"Ich sehe es als meine Pflicht an, die Bevölkerung im Kreis Heinsberg sachlich über einen Vorgang zu informieren, mit dem wir seit dem Wochenende im Kreis Heinsberg konfrontiert sind", sagte Landrat Stephan Pusch (CDU) in einer Mitteilung. Der Landrat bewerte den Schutz der Bevölkerung höher als den Schutz des 57-Jährigen, sagte Polizeisprecher Karl-Heinz Frenken.

Pusch verteidigte am Dienstag im TV-Sender N24 seine öffentliche Warnung. "Es ist eine Abwägungsfrage zwischen dem Persönlichkeitsrecht und dem berechtigten Anspruch der Bevölkerung auf Schutz durch den Landrat als Kreispolizeibehörde." Beim vorliegenden Fall handele es sich um eine "sehr unorthodoxe Geschichte. Und ich denke, das erfordert auch unorthodoxe Reaktionen".

Durch den entlassenen Straftäter sei eine "Gefahrenlage" entstanden, hieß es bei der Polizei.

"Was wir vermeiden wollen, ist Hysterie. Aber die Leute sollen sensibel sein und sich des Themas bewusst sein", sagte Frenken.

Eltern sollten mit ihren Kindern über Verhaltensregeln sprechen. Nach der Warnung des Landrats habe es viele Anrufe besorgter Menschen gegeben und auch Zustimmung für den offensiven Umgang Puschs. Die Polizei machte keine Angaben zu besonderen Maßnahmen. Der entlassene Häftling habe "soziale Kontakte" im Ort.

Die Deutsche Kinderhilfe nannte den Fall in einer Mitteilung skandalös und forderte eine umgehende Reform der rechtlichen Bestimmungen zur Sicherungsverwahrung. Ein Sprecher bezeichnete den Beschluss des Landgerichts München II als "schwer vermittelbar".

Das Landgericht München hatte den Antrag der Staatsanwaltschaft auf nachträgliche Sicherungsverwahrung abgelehnt, obwohl zwei Gutachter zuvor vor der Gefahr weiterer Sexualstraftaten des Mannes aufgrund seiner spezifischen Persönlichkeitsmerkmale - unter anderem Sadismus - warnten.

Das Gericht sah keine gesetzliche Voraussetzung für die Sicherungsverwahrung. Vor seiner Verurteilung hatte ein Psychiater einen Hang zu schwersten Straftaten verneint. Laut Polizei liegt der Antrag über nachträgliche Sicherungsverwahrung jetzt dem Oberverwaltungsgericht München zur Entscheidung vor.

han/dpa



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