Hells Angels auf Mallorca Spuren führen nach Deutschland

Zuhälterei, Geldwäsche, Erpressung - die spanischen Behörden ermitteln gegen mehrere Hells Angels, darunter Rockerboss Frank Hanebuth. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden inzwischen drei Männer festgenommen, die als Handlanger der Balearen-Rocker im Bundesgebiet gelten.

Von und Claas Meyer-Heuer

Hells-Angels-Boss Hanebuth: "Habe mir nichts vorzuwerfen"
DPA

Hells-Angels-Boss Hanebuth: "Habe mir nichts vorzuwerfen"


Das Gästebuch der Finca "San Paradiso" auf Mallorca ist ein Blumenkübel, der unweit des Pools steht. Auf den beigen Grund des Topfes sind mit schwarzem Filzstift die Konterfeis deutscher Milieugrößen gezeichnet, darunter stehen Namen wie "Ebby", "Hacko" oder "Stez". Auch Hells-Angels-Boss Frank Hanebuth, 49, sowie Hausherr Paul E., 72, haben ihren Platz an der Tonne gefunden. Die Botschaft an jeden Besucher ist klar: Man kennt sich, man hält zusammen. Landesgrenzen spielen dabei allenfalls eine untergeordnete Rolle.

Das zehn Hektar große Anwesen im Inneren der Urlaubsinsel hat es zu einiger Bekanntheit gebracht, nachdem es spanische Einsatzkräfte im Juli gestürmt hatten. Seinerzeit ging das bereits zweieinhalb Jahre dauernde Verfahren mehrerer europäischer Polizeibehörden gegen die Hells Angels auf Mallorca in die offene Phase, acht Rocker wurden festgenommen. Nach offiziellen Angaben wird gegen sie noch immer wegen Drogen- und Menschenhandel, Erpressung, Geldwäsche und Bestechung ermittelt.

Inzwischen führen die Spuren dieser Großrecherche erstmals wieder zurück nach Deutschland. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE und dem NDR-Politmagazin "Panorama 3" wurden inzwischen drei Männer festgenommen, die als Handlanger der Balearen-Rocker im Bundesgebiet gelten. Dabei soll es sich um die Szenegröße Jochen H., den Kampfsporttrainer Karsten W. sowie um den Hells Angel Evangelos "Lucky" C., 56, handeln, der zuletzt dem Ableger "Nomads Turkey" angehörte.

Als Boss dieser Gruppierung wiederum gilt Necati A., 41, der in den neunziger Jahren in Köln für Angst und Schrecken sorgte und eine brutale Türsteher-Armee befehligte. Nachdem der "Pate vom Ring" vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden war, schoben ihn die deutschen Behörden in die Türkei ab.

Operation "Casablanca"

Von dort aus zieht A. nun wohl zusammen mit dem gebürtigen Iraner Fardad B., 33, die Strippen bei den immer zahlreicher werdenden Hells Angels mit Migrationshintergrund - und hält offenbar auch engen Kontakt zu Frank Hanebuth. So wollen die Ermittler unter anderem festgestellt haben, dass A.s Vertraute Ali E., 46, und Engin E., 41, wiederholt nach Mallorca reisten. Dorthin hatte sich der deutsche Chefrocker Hanebuth nach einer misslungenen Polizeiaktion gegen ihn zurückgezogen. Ihn soll zudem eine langjährige Freundschaft mit Necati A. verbinden.

Insgesamt wurden bei der Operation "Casablanca" 24 Personen festgenommen. Etwa 200 Beamte waren im Einsatz, sie durchsuchten mehr als 30 Wohnungen und Lokale und stellten Feuer- und Stichwaffen, zehn Autos, mehrere Motorräder, Boote sowie Juwelen und Drogen sicher.

Aus Ermittlerkreisen heißt es, einige Höllenengel hätten auch Frauen aus Osteuropa auf die Baleareninsel gelockt und sie dort zur Prostitution gezwungen. Eine wichtige Rolle dabei sollen der Vizepräsident der Hells Angels auf Mallorca, Khalil Y., seine aus Frankfurt stammende Freundin Dagmar K. und sein Bruder Abdelghani Y. gespielt haben.

Hanebuth betont, er habe sich auf Mallorca nichts zuschulden kommen lassen und daher von den Behörden nichts zu befürchten. "Ihm geht es den Umständen entsprechend gut. Er will das durchstehen", so sein Anwalt Götz von Fromberg auf Anfrage. "Die Vorwürfe gegen meinen Mandanten scheinen mir sehr pauschal zu sein."

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
tabuleranto1 24.09.2013
1. Interessant ...
finde ich, dass es Hanebuth erst nach Mallorca verschlagen muss, damit die Handschellen klicken. Schwer zu glauben, dass seinen Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit verdient hat. Wenn man, wie Hanebuth, über beste Kontakte in Deutschland verfügt, lässt es sich hier offenbar sehr lange, sehr gut leben.
BiffBoffo 24.09.2013
2. Na und dann ?
Zitat von sysopDPAZuhälterei, Geldwäsche, Erpressung - die spanischen Behörden ermitteln gegen mehrere Hells Angels, darunter Rockerboss Frank Hanebuth. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden inzwischen drei Männer festgenommen, die als Handlanger der Balearen-Rocker im Bundesgebiet gelten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/hells-angels-auf-mallorca-ermittlungen-fuehren-nach-deutschland-a-924042.html
Machen sie ihren Kindergarten halt weiter aus dem Knast. Isolationshaft komplett ist das einzigste was helfen würde diese Typen zu stoppen. Der Deutsche Knast ist ja wie ein Hostel in Holland. Der Witz!
RudeBoyRocket 24.09.2013
3. Konsequent
Aber natürlich hat sich Hanebuth nichts vorzuwerfen. Der Mann hat sich sein ganz Leben lang aufopferungsvoll und loyal in den Dienst einer Vereinigung von Brüdern gestellt, die zufällig eben hochgradig kriminell ist und auf den Rest der Gesellschaft pfeift.
tw1974 24.09.2013
4. Naja...
Zitat von tabuleranto1finde ich, dass es Hanebuth erst nach Mallorca verschlagen muss, damit die Handschellen klicken. Schwer zu glauben, dass seinen Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit verdient hat. Wenn man, wie Hanebuth, über beste Kontakte in Deutschland verfügt, lässt es sich hier offenbar sehr lange, sehr gut leben.
Naja, er war/ist ja Betreiber einiger umsatzstarkger Rotlicht-Etablissements in Hannover. Das ist vielleicht keine "ehrliche Arbeit", aber wohl sehr lukrativ und - im Grundsatz - nicht strafbar. Das stimmt m.E. nur teilweise. Er hat wohl über gute Kontakte in der Hannoveraner Kommunalpolitik und Presselandschaft verfügt. Das hat ihn wohl eine zeitlang geschützt. Als verstärkt (primär über die auswärtige Presse) über ihn berichtet wurde, nahm auch der Fahndungsdruck zu. Der spektakuläre Einsatz der SEKs inkl. Hubschrauber und SChusswaffeneinsatz gegen seinen Hund war aber ein deutliches Signal der (Landes-)Strafverfolgungsbehörden: Wir sind hinter dir her, wenn Du einen Fehler machst, landest Du im Bau. Da ist er lieber nach Mallorca ausgewichen. Dabei ist ja noch vollkommen offen, ob und welche Straftaten Hanebuth begangen hat und welche ihm nachgewiesen werden können.
postorgel 24.09.2013
5. Unsere zahnlose Justiz
und ein Heer von gutmensclichen Gesetzgebern sind die Ursache. Sie sehen die Menschenrechte in Gefahr, wenn Schwerverbrecher mehr als 15 Jahre im Knast landen. Hinzu kommt, dass der Polizei immer mehr Fesseln bei der Aufklärung angelegt werden. Dann muss man eben auch mit den Konsequenzen leben.
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