Frank Hanebuth auf Mallorca Rockerboss in Handschellen

Frank Hanebuth gilt als einer der einflussreichsten Hells Angels Deutschlands, nun steckt der Ex-Boxer auf Mallorca in Schwierigkeiten. Während andere Verdächtige nach einer Razzia wieder frei sind, muss der 48-Jährige vorerst im Gefängnis bleiben. Er gibt sich jedoch demonstrativ gelassen.

Hanebuth in Handschellen: "Ich habe nichts zu befürchten"
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Hanebuth in Handschellen: "Ich habe nichts zu befürchten"

Von und Claas Meyer-Heuer


Palma de Mallorca - Über viele Jahre galt der Ex-Boxer, den sie "den Langen" nennen, als mächtigster Hells Angel in Europa. In seiner Heimat Hannover schuf sich Frank Hanebuth ein Geschäftsimperium aus Bordellen, Bars und Sicherheitsfirmen, bei den Gründervätern der Gang in Amerika genoss er einen hervorragenden Ruf, und auf Mallorca machte er für gewöhnlich Ferien. Bis ihn dort ein schwer bewaffnetes Einsatzkommando der Guardia Civil festnahm.

Am Donnerstagmorgen, um kurz nach zehn Uhr, fährt ein Peugeot 307 vor dem Justizgebäude in Palma de Mallorca vor. Von der Rückbank des Kleinwagens wuchtet sich ein Hüne in Handfesseln - 1,98 Meter groß, weit über 100 Kilogramm schwer - Frank Hanebuth, 48, versteckt sich nicht. Anders als viele seiner Rockerkumpanen, die ihre Gesichter mit T-Shirts vor den Fotografen zu verbergen versuchen, macht Hanebuth "sich gerade", wie es im Szenejargon heißt. Offenes Visier, durchgedrückter Rücken, "alles bestens", ruft er.

Hinterher wird sein Anwalt dem SPIEGEL-TV-Reporter ausrichten, der Rockerfürst habe sich auf Mallorca nichts zuschulden kommen lassen. "Ich habe daher nichts zu befürchten", so Hanebuth demnach. Im Übrigen habe er volles Vertrauen in die Arbeit der Justiz.

Am Nachmittag verkündet eine Behördensprecherin jedoch, dass Frank Hanebuth und sieben weitere Rocker bis auf weiteres im Gefängnis bleiben. Zwei Personen seien aus dem Gewahrsam entlassen, drei gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Elf Festgenommene müssten noch angehört werden.

Vorwurf der Erpressung, Zuhälterei, Bestechung

Als problematisch könnte sich für Hanebuth erweisen, dass er offiziell als Präsident des auf Mallorca ansässigen Hells Angels Charters "Spain" firmierte. Den Club stufen die Ermittler bislang als kriminelle Organisation ein, seinen Mitgliedern werden unter anderem Erpressung, Zuhälterei, Bestechung und Betrug zur Last gelegt. Auch sollen die Männer erwogen haben, Schwarzgeld - womöglich aus illegalen Geschäften - beim Bau einer Rennstrecke zu "waschen".

Insgesamt waren bei der Operation "Casablanca" 24 Personen festgenommen worden. Etwa 200 Beamte waren im Einsatz, sie durchsuchten mehr als 30 Wohnungen und Lokale und stellten Feuer- und Stichwaffen, zehn Autos, vier Motorräder, mehrere Boote sowie Juwelen und Drogen sicher. Bei den beschlagnahmten Betäubungsmitteln handelt es sich allerdings nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen lediglich um geringe Mengen. Einen der Rocker sollen die Einsatzkräfte beim Koksen überrascht haben.

Mutmaßlich Frauen zur Prostitution genötigt

Aus Ermittlerkreisen heißt es, einige Höllenengel hätten auch Frauen aus Osteuropa auf die Baleareninsel gelockt und sie dort zur Prostitution gezwungen. Eine wichtige Rolle dabei sollen der Vizepräsident der Hells Angels auf Mallorca, Khalil Y., seine aus Frankfurt stammende Freundin Dagmar K. und sein Bruder Abdelghani Y. gespielt haben.

Frank Hanebuth hatte sich ebenso wie einige andere ehemalige Mitglieder des Hannoveraner Charters der Hells Angels im vergangenen Sommer Richtung Mallorca orientiert. Zuvor löste der deutsche Chefrocker noch den Ableger in der niedersächsischen Landeshauptstadt auf, nachdem die GSG 9 sein Anwesen in der Wedemark gestürmt und einen seiner Hunde erschossen hatte.

Das der Razzia zugrundeliegende Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Kiel verlief zwar im Sande - die Beamten waren wohl einem wenig glaubwürdigen Kronzeugen aufgesessen -, doch Hanebuth hatte damals genug von Deutschland. In Spanien plante er einen Neubeginn. Er wolle einen Gastronomiebetrieb übernehmen, sagte er.

Jetzt sitzt Frank Hanebuth erst einmal im Gefängnis. "Urlaubsverlängerung" nennt er das.

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